19. März 2010
Job: So machen Sie richtig Eindruck!

Job: So machen Sie richtig Eindruck!

Klar, Sie bringen Leistung. Aber wer außerdem durch Körpersprache, Stimme, Styling und Freundlichkeit positiv auffällt, wird eher befördert. Experten sagen, wie Sie das ganz leicht hinbekommen.

So machen Sie richtig Eindruck!
© Solovieva Ekaterina - fotolia.com
So machen Sie richtig Eindruck!

Sie arbeiten stundenlang Ihre Präsentation aus, besorgen aktuelle Zahlen und Informationen – und doch entscheiden völlig andere Dinge darüber, ob Ihre Zuhörer begeistert sind: Das, was Sie sagen, macht gerade mal sieben Prozent des Gesamteindrucks aus, den Sie hinterlassen, so das Ergebnis einer Studie des US-Professors Albert Mehrabian von der Columbia University. Der Kommunikations- Wissenschaftler fand heraus, dass nicht der Inhalt, sondern Körpersprache und Stimmlage überraschend stark auf das Publikum wirken. Ganze 38 Prozent dessen, wie ein Redner beurteilt wird, gehen allein aufs Konto von Tonhöhe und Sprechmelodie – damit kommt ihnen eine fast ebenso wichtige Rolle zu wie Gestik, Mimik und Kleidung.

Außerdem gelten im Job andere Spielregeln als privat: „Signale, die beim Flirten gut funktionieren, sind absolute Karriere-Killer“, sagt Dr. Cornelia Topf, Leiterin des Augsburger Instituts für Erfolgskommunikation. „Mit betontem Augenaufschlag und niedlicher Stimme wirken Sie vielleicht attraktiv – aber nicht kompetent.“ Männer, deren Verhalten beim Flirt zwar manchmal unbeholfen wirkt, punkten häufiger im Job. Sie treten selbstbewusster auf, stehen breitbeiniger, sprechen lauter und werden dadurch von ihren Gesprächspartnern als kompetent eingestuft.

Mit großen Schritten zum Erfolg

Das heißt nicht, dass Sie Ihre männlichen Kollegen imitieren sollen – es würde wohl eher komisch aussehen, wenn Sie versuchen, möglichst große Schritte zu machen oder sich breitbeinig hinzusetzen. Probieren Sie, Ihre individuelle Körpersprache bewusster einzusetzen: Stehen Sie gerade, und sehen Sie Ihrem Gesprächspartner in die Augen – auch wenn es ernst wird.

Und am Konferenztisch nehmen Sie einfach die Schultern etwas nach hinten und wirken dadurch größer, als wenn Sie sich gemütlich in den Stuhl kuscheln. Mit ruhigen Handbewegungen unterstreichen Sie Ihre Worte. Gezupfe und Gefummel an Kleidung oder Haaren lassen Sie besser, das wirkt schnell unsicher. Eine typische Angewohnheit von Frauen ist, dem Gesprächspartner aktives Zuhören zu signalisieren, indem sie ständig nicken und lächeln, während der andere spricht. Gehen Sie bewusst sparsam mit diesen Gesten um. Wenn Männer zuhören, tun sie das meist ohne Kopfgewackel und Gegrinse – und das wirkt einfach erwachsener.

Das, was Sie sagen, macht nur sieben Prozent Ihrer Wirkung auf einen Gesprächspartner aus

Neben der Körpersprache ist Ihre Stimme ein Werkzeug, das Sie für Ihren Erfolg nutzen können. Auch dazu eine Zahl: In einem Gespräch entscheiden die ersten sieben Sekunden darüber, ob Ihr Gesprächspartner Ihre Stimme als angenehm empfindet. „Je professioneller Sie Ihre Stimme einsetzen, desto selbstbewusster werden Sie wahrgenommen“, sagt Phonetikerin Vivien Zuta, die an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main die Wirkung der Stimme untersucht hat.

Da die meisten Leute ihre eigene Stimme blöd finden und schon deshalb sich selbst eher selten bewusst zuhören, hilft ein einfacher Trick: Unterhalten Sie sich mit einer Freundin, und zeichnen Sie das Gespräch auf. Wenn Sie beim Abhören merken, dass Sie sehr schnell sprechen oder Silben verschlucken, wissen Sie, worauf Sie im Job in Zukunft achten können.

Nett sein

„Die richtige Atmung ist die Basis für den Klang der Stimme“, sagt Vivien Zuta. „Nur wer genug Luft bekommt, kann laut und betont sprechen. Atmen Sie bewusst tief in den Bauch hinein. Setzen Sie gezielte Atempausen, damit Ihnen nicht am Ende die Luft ausgeht.“ Besonders für längere Vorträge gilt das Motto: Kopf hoch! So haben Ihre Stimmbänder genug Raum zu vibrieren.

Und ähnlich wie beim Joggen können Sie sich vor dem Sprechen aufwärmen: Summen Sie einfach vor sich hin, oder sagen Sie Zungenbrecher auf – das macht locker und hilft auch gegen die Aufregung. Und wenn Sie anfangs doch einen Frosch im Hals haben, gestehen Sie Ihrem Publikum, dass Sie ein bisschen aufgeregt sind – die hören es sowieso. Und indem Sie dazu stehen, haben Sie gleich alle Sympathien auf Ihrer Seite – denn eine Unsicherheit einzugestehen wirkt einfach groß

Nett zu sein heißt nicht, dass Sie sich alles gefallen lassen müssen

Aber auch die beste Stimme verblasst neben einem extravaganten Outfit. Sehr ausgefallene Accessoires, zu viel Schmuck oder ein starkes Parfum lenken Ihren Gesprächspartner schnell ab. Katharina Starlay, Unternehmensberaterin für Image- und Bekleidungsfragen, wird häufig von großen Firmen gebucht, denen ein kompetentes Erscheinungsbild ihrer Mitarbeiter am Herzen liegt.
Sie hat die Garderobe weiblicher Führungskräfte analysiert und rät ihren Kundinnen zum „Power- Dressing“: Kleidung, die Ihre Kompetenz unterstreicht, statt alle Blicke auf sich zu ziehen. „Den Dresscode der Männer können Sie zum Beispiel adaptieren, indem Sie auf Klassiker wie einen Anzug setzen, ihn aber in einer weichen Farbe wählen oder mit hohen Schuhen oder ausgewählten Accessoires aufstylen.“

Material und Verarbeitung sind wichtiger als die Marke, lautet eine von Katharina Starlays Grundregeln: „Business-Kleidung muss perfekt sitzen und Ihnen gleichzeitig genügend Bewegungsfreiheit lassen.“ Ihr Profi-Tipp: Kaufen Sie keine Kleidungsstücke mit mehr als zwei Prozent Elasthan, sonst leiern die Stoffe mit der Zeit aus – und Ihnen schlottern beim Geschäftstermin die Knie…

Im Job voran kommen

Genauso wichtig wie das Auftreten und das Outfit ist Ihre innere Einstellung. Stress im Job kennt jeder. Ihr Gegenüber genau wie Sie. Deshalb ist ein freundlicher Umgang – gerade, wenn’s hektisch wird – oft schon der Schlüssel zum Erfolg. Wenn Sie einen Termin bei sich in der Firma haben, bieten Sie nicht nur Wasser und Kaffee an, sondern auch Kekse oder Sandwiches.

Klingt banal, wirkt aber. Eine Studie der Uni Cambridge ergab, dass ein Snack während der Verhandlung Menschen offener für Angebote macht. Außerdem bleibt ein – ungewöhnlicher und leckerer – Snack dem Kunden besser in Erinnerung als die 27. gute Powerpoint-Präsentation. Schließlich will er sich bei Ihnen auch wohl fühlen, und diese kleine Nettigkeit kann Ihnen den entscheidenden Vorsprung vor Konkurrenz-Firmen bringen, sagen Linda Kaplan Thaler und Robin Koval.

FÜR NOCHMEHR ERFOLG

www.stilclub.de Imageberaterin Katharina Starlay mit den Do’s & Dont’s fürs Büro

„The Power of Nice“
Mit Freundlichkeit zum Erfolg. Von Linda Kaplan Thaler und Robin Koval, dtv, 158 Seiten, 12 €

„Warum tiefe Männerstimmen doch nicht sexy sind“
Viele praktische Übungen. Vivien Zuta, Scherz, 224 Seiten, 15 €

„Körpersprache der Frauen“
Sicheres Auftreten leicht gemacht. Cornelia Topf, Redline Wirtschaft, 191 Seiten, 17,90 €

Die zwei Amerikanerinnen sind in der Werbebranche erfolgreich und haben „Die Macht der Nettigkeit“ als Strategie erkannt. Aber: „Freundlich zu sein heißt nicht, höflich zu lächeln, während andere Sie ausnutzen“, sagt Linda Kaplan Thaler. Es bedeutet vielmehr, dass Sie Ihren Weg gehen – in dem Bewusstsein, alles erreichen zu können, was Sie wollen.

Nur, dass Sie Wert drauf legen, anderen freundlich zu begegnen, dem Praktikanten ebenso wie dem Chef. „Behandeln Sie jeden gleich aufmerksam. Sie wissen ja nicht, wann Sie sich wieder begegnen“, sagt Robin Koval. Oder welche Freunde der andere hat – denken Sie mal kurz an die wachsende Zahl der Empfehlungs- Netzwerke, in denen Ihr Traumjob oft nur einen Kontakt entfernt ist. Aber diese Strategie funktioniert nur, wenn Sie wirklich daran glauben.
Ein falsches Lächeln, ein zu freundlicher Tonfall und anbiedernde Körpersprache fallen als unstimmig auf. Wer Kollegen und Geschäftspartnern aber authentisch gegenübertritt, wird ein positives Feedback erleben – und im Job voran kommen.

Lade weitere Inhalte ...