12. April 2013
Hetzen Sie noch, oder genießen Sie schon?

Hetzen Sie noch, oder genießen Sie schon?

Im Job kann uns keiner etwas vormachen: Da sind wir strukturiert, stimmen jedes Date mit unserem Kalender ab. Und privat? Wollen wir immer alles auf einmal – und laufen rot an vor Stress. Mit unserem Private-Timing-Guide entschleunigen Sie Ihr Leben und können wieder durchatmen

Frau hetzen
© iStockphoto/Thinkstock
Frau hetzen

1. ICH SCHLIESSE AUFGABEN AB

Aufgaben, die wir nicht abgeschlossen haben, sind wie penetrante Männer: Sie verschwinden erst, wenn man die Liaison beendet. So eine To-do-Liste nützt uns also leider gar nichts, wenn wir die Kündigung für den Handyvertrag nicht zu Ende tippen, weil uns plötzlich das Geschirr auf der Spüle so nervt und wir schließlich meinen, abwaschen zu müssen. Am Ende des Tages fällt unsere Bilanz eher spärlich aus – weil wir nichts richtig beendet haben. „Uns plagt das unbefriedigende Gefühl, nichts erledigt zu haben“, erklärt Coach Dr. Ilona Bürgel. „Unser Gehirn martert uns damit, wenn Sachen nicht abgeschlossen sind. Aber in dem Augenblick, in dem sie eingetütet werden, fühlen wir uns viel besser – und die Glückshormone werden freigesetzt.“

2. ICH GEBE DIE KONTROLLE AB

„Lass doch, ich mach das noch schnell.“ Frauen neigen dazu, alles unter Kontrolle haben zu wollen. Wann überlassen wir beispielsweise unseren Männern mal eine Aufgabe, obwohl wir denken, es besser zu können? Fast nie. „Wir wollen uns unabkömmlich machen, weil wir gebraucht werden wollen“, sagt Ilona Bürgel. „Das ist aber ein Trugschluss und verursacht nur Zeitdruck. Soll der Mann doch den Kuchen für die Party backen. Oder die Geburtstagskarte schreiben.“ Soll heißen: Geben Sie die Verantwortung ab. Aber dann auch bitte nicht meckern, wenn der Zitronenkuchen nach Kloreiniger schmeckt.

3. ICH TUE, WOZU ICH LUST HABE

Wann leben wir eigentlich mal in den Tag hinein? Und trödeln vor uns hin? So gut wie nie. Dabei ist es befreiend, mindestens einmal im Monat nur das zu machen, wonach uns ist. „Leben Sie mal nach dem Lustprinzip. Man muss nicht immer diszipliniert sein“, rät Ilona Bürgel. Egal, ob Schlafen bis zum Nachmittag oder Eisessen in der Badewanne. Sich einfach mal treiben zu lassen befreit den Kopf vom Alltagstrott. Und wenn Mama anruft? „In sich horchen, ob man wirklich ans Telefon gehen will. Und auf gar keinen Fall zum Abendessen zusagen, wenn Sie eigentlich die Lieblingsserie schauen möchten.“

4. ICH HABE NUR EIN DATE

Das Dilemma kennen wir alle: Die Schwester lädt zur fetten Party ihres 30. Geburtstags ein, am selben Abend steht aber noch ein Abendessen an, zu dem auch ein wichtiger Geschäftspartner erscheinen wird. Was machen wir? Richtig, wir teilen uns den Abend auf, sind aber nirgends ganz dabei. Aber weshalb wollen wir eigentlich immer die Louboutins und die Manolos? „Wir haben panische Angst, etwas zu verpassen“, erklärt Ilona Bürgel. Denn keiner möchte am nächsten Tag hören: „Schade, dass du gestern nicht dabei warst. Wir hatten ja so viel Spaß!“ Also versuchen wir zwanghaft, alles unter einen Hut zu bringen. „Anstatt sich unter Druck zu setzen, sollte man sich fragen: Was bringt mir die Verabredung? Den wichtigen Geschäftspartner kann man ja auch noch zwei Tage später zum Kaffee einladen.“ Und stattdessen den Geburtstag der Schwester genießen. Macht doch eh viel mehr Spaß.

5. ICH SCHAFFE MIR EINEN ZEITPUFFER

Es ist Freitagabend, wir stehen im Stau, das Zalando-Paket muss noch zur Post, und in zwanzig Minuten schlagen die Freunde zum Essen zu Hause auf. Das Herz rast, wir schreiben schon mal eine SMS, dass es später wird. „Das ist unnötiger Stress“, sagt Ilona Bürgel. „Wir planen oft sehr unrealistisch. Aus diesem Grund sollten wir uns erst mal Gedanken darüber machen, wie viel Zeit wir für bestimmte Sachen brauchen. Und 20 bis 30 Prozent Puffer einplanen. Weil immer etwas Unvorhersehbares passieren kann. So ersparen wir uns den Ärger über die ewig lange Schlange an der Post, haben wider Erwarten sogar zehn Minuten für uns – und können ohne Herzkasper den Besuch in Empfang nehmen.

6. ICH STRUKTURIERE MEINEN TAG EFFEKTIV

Es ist drei Uhr nachts. Wir wachen auf, und sofort fängt sie an zu rattern, die Denkmaschine: Morgen um acht Zahnarzttermin, und das Geschenk der Freundin steht auch noch im Laden. Was hilft? Die klassische To-do-Liste: „Am besten schreibt man sich abends schon die fünf Dinge auf, die man am nächsten Tag erledigen möchte – und bringt sie in eine Reihenfolge“, rät Ilona Bürgel. „Das Wichtigste oder Unangenehmste zuerst und unbedingt der Reihe nach abarbeiten.“ Dann können wir auch wieder durchschlafen.

7. ICH MACHE EINE PAUSE

„Ja, natürlich, ich erledige gerne auch noch diese Aufgabe für dich. Kein Problem, ich habe ja schließlich achtzig Arme!“ Manchmal möchte man am liebsten schreiend im Kreis rennen. Weil uns alles über den Kopf wächst. Leider versuchen wir in diesen absoluten Stressmomenten noch schneller zu arbeiten – was dazu führt, dass wir Fehler machen und noch mehr unter Druck stehen. Ilona Bürgel empfiehlt eine kurze Verschnaufpause: „Setzen Sie sich hin, denken Sie fünf Minuten nach und sortieren Sie Ihre Gedanken: Was muss ich zuerst machen? Was bringt mich vorwärts? Mit aufgeräumtem Kopf kann es dann weitergehen.“

8. ICH BIN NICHT ERREICHBAR

Manchmal geht es uns wie Andrea Sachs aus „Der Teufel trägt Prada“. Das E-Mail-Postfach quillt morgens über, das Handy klingelt zu oft und zu den unmöglichsten Zeiten. Und das, obwohl unsere Chefin nicht Miranda Priestly heißt. Privat sieht es nicht besser aus. Da gucken wir im Schnitt 60 (!) Mal am Tag auf unser Handy, ohne dass es klingelt. Ilona Bürgel rät: „Seien Sie mal nicht erreichbar. Schalten Sie Ihr Handy aus. Öffnen Sie Ihr E-Mail-Postfach nur alle zwei Stunden.“ Was zusätzlich hilft: Die Freunde informieren, zu welchen Zeiten sie gar nicht erst zum Hörer greifen brauchen. „Und checken Sie vor allem niemals morgens zu allererst Ihre Nachrichten! Sonst gerät Ihr Tagesplan völlig durcheinander.“ Das Gleiche gilt übrigens auch während des Urlaubs.

9. ANSTATT MICH AUFZUREGEN, LESE ICH SECHS MINUTEN IN EINEM BUCH

Der Nachbar knallt die Türen, die Verkäuferin schenkt den Coffee-to-go-Becher zu voll, weshalb der heiße Inhalt schließlich auf der neuen Seidenbluse landet. Genug Gründe, sich zu ärgern – und das den halben Tag. Dabei tun es auch zwei Minuten. „Meist ist der oder das, worüber wir uns ärgern, gar nicht mehr da. Und trotzdem können wir unsere Laune flach unter den Teppich schieben“, sagt Ilona Bürgel. „Finden Sie heraus, warum Ihre Gedanken gerade ein Eigenleben beginnen. Wenn Sie den Ursprung gefunden haben, hilft nur: Ablenkung! Versuchen Sie es doch mal mit einem guten Buch.“ Schon sechs Minuten lesen senkt den Stresspegel um mindestens 68 Prozent.

10. ICH TUE EINFACH MAL NICHTS

Früher, als Kind im Supermarkt: Unsere Eltern rollten schon die Augen, weil wir eine gefühlte Ewigkeit brauchten, um es vom Eingang zur Kasse zu schaffen. Die vielen bunten Verpackungen mit den lächelnden Gesichtern und die übergroßen Regale waren einfach faszinierend. Und heute? Da nehmen wir uns höchstens mal Zeit, um zu Hause niedliche Tierbabys auf Facebook anzuschauen. Schade eigentlich, denn: „Um die Kreativität, neue Ideen und unsere Gesundheit zu stärken und zu fördern, brauchen wir Zeiten des „Nichts-Tuns“, erklärt Ilona Bürgel. „Also Mut zur großen und kleinen Lücke. Ihr Wohlbefinden dankt es Ihnen.“

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