1. Mai 2012
Entspannt im Alltag

Entspannt im Alltag

Warum sind manche Menschen so lässig erfolgreich? Andere rasen wie Hamster durch den Tag – und kommen nirgends an. Es ist alles nur in unserem Kopf. Wir verraten, wie Sie den auf Gelassenheit programmieren.

Enstpannt
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Enstpannt

Wenn ich Morgen früh aufwache, fängt mein richtiges Leben an. Das denke ich manchmal abends beim Einschlafen. Was passiert ist an solchen Tagen? Vermutlich das Gleiche wie bei Ihnen: Kurz vor acht habe ich meine Tochter an der Hand durch den Nieselregen hinter mir her in den Kindergarten gezogen. Wir sahen beide aus wie Pete Dohertys hässliche Schwestern, als wir ankamen. Drei Minuten telefonierte ich im Bus schnell mit einer guten Freundin. Hörte von dem neuen Wochenendhaus am Meer, das man für die Familie gekauft hatte. Erfolg hat seinen Preis, denke ich kurz. Habe aber trotzdem ein bisschen Angst, gerade neidgrün im Gesicht anzulaufen, und hetze zur Arbeit. Acht Stunden später mache ich Feierabend mit dem flauen Gefühl: „Da wäre vieles noch besser gegangen. Du musst dich mehr anstrengen. Sonst wird das nie was mit dem Wochenendhaus.“

Manchmal fühle ich mich wie eine Marionette aus der Augsburger Puppenkiste, die tanzt, wenn irgendwer das so möchte. War es das, was ich wollte, als ich entschied: Kind und Karriere – das geht schon? Heiraten und die Gleiche bleiben. Nie meine Freundinnen vergessen, meine Interessen immer wichtig nehmen und dazu sorgsam auf mich achtgeben. Was ist da schiefgegangen?

Wenn ich nicht höllisch aufpasse, renne ich durch mein Leben wie ein Hamster im Laufrad. Mit dem kleinen Unterschied: Hamster sehen happy aus dabei. Ich aber kriege diesen seltsam verspannten Blick und unschöne Stirnfurchen davon. Ich denke, wie wir Frauen nun mal denken: viel tun heißt viel leisten. Viel leisten heißt viel Erfolg haben. Und viel Erfolg haben heißt irgendwann unheimlich glücklich sein. Für mein Glück vervierfache ich mich. Mindestens. Ich bin die tolle Partnerin, die liebende Mutter, die engagierte Journalistin, die gute Freundin – ach ja und ich selbst. Wenn alle anderen dann zufrieden in ihren Betten liegen.

Und wissen Sie, was das Verrückteste ist? Je mehr ich mich anstrenge, umso lauter schreien meine Zweifel: War ich gut genug auf das Meeting vorbereitet? Hat das Abendessen eigentlich geschmeckt? Hätte ich nicht Susanne zurückrufen sollen? Und irgendwie schwant mir: Gerade weil ich mich so anstrenge, habe ich kein Wochenendhaus. Das haben immer die anderen. Die, die das lässig nehmen mit dem Erfolg. Bei denen es natürlicher wirkt und nicht so verspannt wie bei mir. Ist das alles nur in meinem Kopf …?

Richtig! Genau da ist es, würde jeder Psychologe attestieren. Da stehen weder der Chef noch ein Ehemann oder ein Kind grinsend neben unserem Hamsterrad, um es anzuschubsen. Und trotzdem tun wir alles, um bloß niemanden zu enttäuschen. Auch uns selbst nicht. Man will ja schließlich was vom Leben. „Antreiber“ nennt es die Psychologie. Diese Vorstellungen, die wir von einem erfolgreichen Leben haben, auf das wir blicken möchten, wenn wir irgendwann mal 88 sein werden. Prof. Mathias Binswanger von der Universität St. Gallen bezeichnet diese Vorstellungen noch deutlicher: „Tretmühlen“ sagt er dazu. In Studien hat er sechs davon definiert. Gedanken, die unserem Erfolg mehr schaden als nützen. Denn wir werden nicht besser, wenn wir uns dauerhaft unter Druck setzen. Es hat auch nichts mit Erfolg zu tun, überall dabei zu sein, alles schnell und effizient zu erledigen und dazu dauerhaft perfekt abzuliefern. Im Gegenteil. Steigen wir in all diese gedanklichen Hamsterräder, werden wir nur schwitzend im Kreis rennen und nirgends ankommen. Wir sind nämlich nicht die Kandidaten in irgendeiner Castingshow. Und wir fliegen auch nicht bei Mittelmaß direkt aus dem eigenen Leben. Das ist uns ja irgendwie auch klar. Der Erfolg, den wir Frauen spätestens ab Mitte 30 meinen, diese entspannte Variante, sieht anders aus.

Da ist Zeit wichtiger als Geld, Erfüllung entscheidender als ein 60-Quadratmeter-Büro mit Panoramablick. Und glücklicherweise bewerten weder Dieter Bohlen noch Heidi Klum, ob wir nun gut sind in dem, was wir tun, oder nicht.

Wie aber kommen wir dahin, dass wir selbst unser bester und gesündester Erfolgsmaßstab werden? Auf den folgenden Seiten hat Autorin und Coach Dr. Ilona Bürgel („Yes I can“, sytemed, 15 Euro) für Sie die sechs wichtigsten „Tretmühlen“ unter die Lupe genommen. Schauen Sie mal, welche Ihrem entspannten Erfolg im Weg stehen. Sie können lernen, alte Denkmuster neu zu betrachten. Und Sie werden erfahren, warum eine kleine Veränderung des Denkens am Ende wirklich diesen entspannten, authentischen Erfolg bringen kann. „Folgen Sie Ihrer Intuition, nehmen Sie sich als Erstes die Veränderungen vor, die Ihnen einleuchtend und machbar erscheinen“, sagt Dr. Ilona Bürgel. Und so viel vorweg: Seien Sie nett zu sich, wenn es bei bestem Bemühen trotzdem mal hakt mit dem neuen Denken. Sich zu ändern ist nicht leicht. „Zum einen, weil wir ja über viele Jahre geübt haben, uns genau so zu verhalten und genau diese Gedanken zu denken. Zum anderen, weil unser Gehirn Vertrautes liebt. Selbst wenn es unangenehm für uns ist“, sagt Dr. Ilona Bürgel.

Helfen können die folgenden vier Schritte: „1. Entscheiden Sie sich für die Veränderung. Keine ,Versuche‘, kein ,Mal sehen‘, sondern ein klares ,Von nun an nur noch so‘. 2. Sie brauchen gute Gründe für das neue Verhalten. Fragen Sie sich öfter nach den Vorteilen einer Veränderung. Das Gehirn macht eine klare Kosten-Nutzen-Rechnung auf. 3. Fangen Sie an. Schaffen Sie kleine Erfolgserlebnisse. Neue Gewohnheiten entstehen durch neue Verknüpfungen zwischen Nervenzellen im Gehirn. Was wir oft genug gedacht oder getan haben, rutscht ins Unterbewusstsein, und wir verhalten uns dann automatisch so wie das Programm, das wir erschaffen haben. Mindestens 30 Tage sind nötig, damit etwas Neues vertraut wird. 4. Belohnen Sie sich für alles, das Ihnen gelingt.“ Also dann, verändern wir los, eine Kleinigkeit nach der anderen. Und wenn es klappt, laden Sie mich doch irgendwann mal in Ihr Wochenendhaus ein …

LERNEN SIE, ANDERS ZU DENKEN, UND SIE WERDEN ANDERS HANDELN
Wenn Sie beschlossen haben, Ihren Antreibern zu entkommen, heißt Ihre Lieblingsfrage ab sofort: „Was stattdessen?“ Hier kommen erprobte Umdenk- Vorschläge von Coach Dr. Ilona Bürgel, 46. Wählen Sie aus, wo Sie sich erkannt fühlen, was Sie sofort anspricht. Streichen Sie Ideen, die nicht für Sie infrage kommen, und ergänzen Sie eigene. Wir wünschen Ihnen ganz viel entspannten Erfolg dabei!

STREBEN NACH STATUS „DIE GUCCI-TASCHE WILL ICH AUCH“

Sie haben immer gedacht: Ich will genau wissen, was andere verdienen.
Sehen Sie es doch mal so: Ich überlege mir, welche Einkommensziele ich habe, und orientiere mich an meiner Leistung.

Ich bin immer auf der Suche nach dem schicksten neuesten Modetrend.
Ich entwickle meinen eigenen Stil, mit dem ich mich ausdrücke.

Ich achte darauf, wie andere auf mein Outfit, mein Handy, meinen Schmuck reagieren.
Ich achte darauf, was mir wirklich gefällt, und trage es mit dem Bewusstsein, dass ich mir damit etwas Gutes tue.

Ich wäre gern bei den Reichen und Schönen dabei.
Ich nutze meine Zeit, um mit Menschen zusammen zu sein, die mir guttun.

Was das bringt

Wir alle sagen schnell mal: „Es kommt auf die inneren Werte an.“ Je mehr Erfahrungen wir im Leben haben, umso klarer wissen wir, das stimmt auch. Denn in der Sauna und wenn wir einen Kamillentee brauchen, sind wir alle gleich: Menschen. Ihre neuen Einsichten verhelfen Ihnen dazu, der Vergänglichkeit der Dinge zuvorzukommen. Veränderungen in Ihrem Leben können Ihnen weniger anhaben, wenn Sie unabhängiger von den Umständen sind. Sie sind nicht mehr erpressbar, im Berufs- oder Privatleben nur etwas für den Status zu tun oder zu lassen. Und zu guter Letzt werden Sie unabhängig von der Meinung anderer. Die denken sowieso immer irgendetwas. Was zählt, ist, dass Sie sich mit sich wohlfühlen.

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