Arbeitsexperten über die neuen Spielregeln im Job Gute Laune schadet nix

Das Leben ist kein Strandurlaub – und das Office nun mal keine Wellness-Lounge. Von Deko-Wahn bis Facebook: Wir haben Arbeitsexperten gefragt, wie viel privater Schnickschnack im Job erlaubt ist – und ab wann Vorgesetzte und Kolleginnen zu Recht genervt reagieren.

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Gute Laune schadet nix, oder?

Ein bisschen Kichern hier und dort: Dagegen kann niemand was einwenden, denken Sie. Aber die Kollegen im Großraumbüro, die gerade über einer Bilanz schwitzen, sehen das vermutlich anders. Oberstes Gebot: Rücksicht! Der Arbeitsplatz ist keine Bühne und Selbstdarstellung nur in Maßen gewünscht. Also leben Sie Ihr Talent zum Klassenclown nach Feierabend aus, bei einem After-Work-Drink. Auch wenn Sie mit Ihrer Lieblingskollegin befreundet sind: Glucken Sie nicht ständig zusammen. Das weckt schnell Misstrauen, nach dem Motto: „Hecken die zwei etwas aus gegen mich?“

Wie steht’s mit Privatgeplauder?

Mal kurz die Freundin anrufen, um sich fürs Kino zu verabreden? „Privatgespräche vom Firmentelefon aus sind nicht grundsätzlich vertragswidrig – außer, der Arbeitgeber hat ein generelles Verbot ausgesprochen“, sagt der Berliner Arbeitsrechtler Römermann. Dann droht eine Abmahnung! Klären Sie, ob sich die Kosten gesondert abrechnen lassen. Vom Zeitumfang her sind zehn Minuten Privatplausch täglich duldbar, entschied das Landesarbeitsgericht in Köln. Verstehen Sie das aber nicht als Zeitguthaben, wenn Sie mal einen Tag nicht telefoniert haben! Um auf Nummer sicher zu gehen, nutzen Sie am besten Ihr Privathandy in der Pause. 

Tür auf oder Tür zu?

Fast alle beneiden Sie um Ihr lichtdurchflutetes Einzelbüro, und anders als die Kolleginnen im Großraumbüro haben Sie die Wahl: Lassen Sie die Tür offen stehen, sodass jeder spontan hereinkommen kann? Oder nutzen Sie die exklusive Rückzugsmöglichkeit und machen tatsächlich ab und an dicht? Viele stolze Einzelbürobesitzerinnen kennen die damit verbundenen Gewissensbisse: „Wie stufen es wohl die anderen ein, wenn ich signalisiere, dass ich meine Ruhe haben will?“ Oder: „Gelte ich als Sonderling, wenn ich mich etwas abschotte?“ Zu offenen Worten rät der Berliner Arbeitspsychologe Klaus Mucha: „Wer hinter geschlossener Türe arbeitet, sollte seinen Kollegen erklären, warum.“ Verständlich ist eine geschlossene Tür etwa, wenn unter Zeitdruck eine Aufgabe erledigt werden muss, die besonders viel Konzentration erfordert. Oder wenn unter vier Augen oder am Telefon ein kniffliges vertrauliches Gespräch geführt wird. „Rückzug ist erlaubt und notwendig“, sagt Mucha. Nicht zufällig verfügen Mitarbeiter, die viel Verantwortung tragen und oft heikle Entscheidungen treffen müssen, tendenziell häufiger über Einzelbüros. Allerdings sollte man die Eigenbrötelei auch nicht übertreiben – sonst hat man schnell den Ruf einer Wichtigtuerin weg. Ein „Do not disturb“- Schild an den Türknauf zu hängen sei eindeutig „zu viel des Guten“, sagt der Experte. Es müsse erlaubt sein, dass ein anderer kurz den Kopf hineinstrecken kann. Dann genüge ein kurzer Hinweis: „Du, jetzt passt es mir gerade nicht, ich muss das hier dringend fertig machen.“

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