Rollenwechsel in der Familie Wer führt, trägt die Verantwortung!

Sie waren unsere Helden – und eines Tages sind sie es, die unsere Unterstützung brauchen. Wenn Eltern älter werden, schleichen sich Sorgen in unser Leben. Ein Report darüber, wie man den Rollenwechsel meistert und eine glückliche Familie bleibt.

Mutter und Tochter

Lebenserfahrung haben die Sixty-Somethings schließlich reichlich – und auch Wünsche und Sehnsüchte. Und die drehen sich bei Weitem nicht nur um ein neues Kaffeeservice, ein Candle-Light-Dinner in einem Gourmet-Restaurant oder einen Wochenend-Trip. Die Vertreter der Generation Silver, die jahrzehntelang – auch für uns – gearbeitet und versucht haben, sich so fit wie möglich zu halten, wollen das Leben nun in vollen Zügen genießen: sich was gönnen, reisen, neuen Hobbys nachgehen. Ob Haute Couture für sie oder eine Harley für ihn, auch das muss drin sein, wenn es eine Herzensangelegenheit ist. Die 58-jährige Mutter meiner Kollegin tourte vergangenes Jahr mit ihrem klapprigen Renault Clio durch Südeuropa, weil sie das „schon lange mal“ tun wollte, der 61-jährige Vater einer anderen Kollegin bereitet sich gerade auf den nächsten New-York-Marathon vor, mit Blick auf den solariumgebräunten, dauergrinsenden Lauf-Papst Dr. Strunz, der auch erst mit Mitte 50 in die Turnschuhe fand. Und meine Eltern haben ebenfalls eine lange To-do-Liste, die sie emsig ab arbeiten – auch wenn mir dabei gelegentlich etwas flau wird.

Gratwanderung zwischen Untwestützung unf Freiraum

Mit Rat und Tat zur Seite stehen, bei Reiseplanungen, wirtschaftlichen Entscheidungen oder Fragen bezüglich des Erbes, ist nicht nur ein Novum für mich, sondern lässt mich auch öfter mal vor dem Einschlafen grübeln. Auf einmal findet man sich in der Position der Erfahreneren wieder – und das, obwohl man doch viel jünger ist. Natürlich ist es einerseits ganz toll, wenn endlich mal was nach der eigenen Nase geht, wenn man eine Meinung haben darf und die sogar zählt. Aber diese Rolle macht auch einsam: Wer führt, trägt die Verantwortung! Die Führung anderen zu überlassen, sich wie in jungen Jahren auf Mama und Papa zu verlassen, ist einfacher. Man fühlt sich damit wohler, sicherer, geborgener. So muss man immer wieder aufs Neue die Gratwanderung hinbekommen zwischen Unterstützung leisten und Freiraum gewähren.

Rund 50 Jahre verbringen Eltern und Kinder im Schnitt gemeinsam auf dieser Erde. Und wie auch in Freundschaften oder Geschäftsbeziehungen liegt das Geheimnis des Gut- Miteinander-Auskommens darin, dass man lebt und leben lässt. In gegenseitigem Respekt für die unterschiedlichen Lebensentwürfe und einer gelungenen Mischung aus Mitgefühl, Rücksicht und Abgrenzung. Kurzum: sich nicht zu sehr in das Leben der Eltern einmischen und sie nicht zu sehr nach den eigenen Vorstellungen ummodeln wollen.

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