Talk About Wo ist die Grenze zwischen Spaß und Alkoholismus?

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen! Jeden Abend stehen wir da in fröhlicher Runde mit einem Glas Crémant in der Hand. Doch die Nummer mit dem Alkohol haben wir im
 Griff, oder? Hier ein paar nüchterne Fakten – und 
die Antwort darauf, was wir wirklich vertragen.

Frauen Party Trinken

Wer jetzt im Geiste seine Gläser mitgezählt hat, fragt sich natürlich: Wo genau ist denn die Grenze zwischen Spaß und Sucht? Wann kann man einfach wieder aufhören? Und wann sollte man sich doch mal zu einer Selbsthilfegruppe in den Kreis setzen? "Das eine Glas Wein, auch an vier Abenden in der Woche, ist vom Suchtaspekt her noch nicht bedenklich", sagt Diana Beate Hellmann, die nach jahrelanger Alkoholabhängigkeit in der berühmten Betty Ford Klinik entzog und heute in Los Angeles vollkommen ohne Alkohol lebt. Sie weiß, wovon sie spricht, wenn sie sagt: "Kritisch wird’s beim allabendlichen zweiten und dritten Nachschenken. Oder wenn wir feststellen, dass wir zu Höherprozentigem greifen." Wir statt Wein Whiskey trinken oder statt Bier plötzlich Baileys. "Eine Frau, die viermal in der Woche eine ganze Flasche Wein oder viel Hochprozentiges trinkt, wird sich bei dem Versuch aufzuhören, nicht wohl fühlen", sagt Diana Beate Hellmann. Und es wahrscheinlich auch nicht ohne Hilfe schaffen. "Weil sie den Alkohol braucht. Nicht ihr Körper, sondern ihr Kopf. Trinken ist das Mittel, um
 Konflikte zu bewältigen, Ängste einzudämmen, sich zur Ruhe zu bringen, Freude zu feiern, Schmerz zu ertränken... Die Liste ließe sich endlos fortsetzen", so die Autorin.

Wir haben kein Suchtbewusstsein

Und schon klappt nicht mehr, was 66 Prozent der Frauen in der PETRA-Umfrage von sich behaupten: nämlich, dass sie ganz auf Alkohol verzichten könnten. Gleich morgen, wenn sie es nur wollten. Das flüstert der Alkohol uns übrigens auch immer ins Ohr: "Ich bin nur eine Angewohnheit, die du wieder ablegen kannst." Aber wenn wir es nicht schaffen? Dann flüstert der Alkohol: "Jetzt geht es halt gerade nicht. Später vielleicht, morgen. Oder nächsten Monat." Und wir trinken weiter. Das Dumme ist eben auch, dass wir uns mit ein paar Drinks die Woche so gut fühlen, dass wir gar kein Suchtbewusstsein entwickeln. 78 Prozent der Frauen sagen in der aktuellen PETRA-Umfrage, sie hätten noch nie das Gefühl gehabt, dass sie zu viel tränken. Nicht einmal bei mehr als vier Gelegenheiten in der Woche. Warum auch? War nicht früher alles noch schlimmer? Leben wir nicht ohnehin wie die Musterschülerinnen mit Riester-Renten-Vertrag ab 25 und einem Bio-Bewusstsein, das Tütensuppen-Hersteller verzweifeln lässt? Die Generation unserer Freie-Liebe-Eltern qualmte uns in Kleinstwagen zu, andere kifften ganze Felder kahl und besitzen heute trotzdem Eigenheime auf 800-Quadratmeter-Grundstücken mit verkehrsberuhigter Straße vor dem Gartentor. Warum sollte so ein kleiner Crémant am Tag unserem Lebensglück im Wege stehen? Tut er nicht, solange wir uns selbst nicht dabei ertappen, dass wir an ganz normalen Tagen ab 14 Uhr schon an Wein denken. Oder abends bei der Tankstelle rumfahren, weil uns mulmig wird bei dem Gedanken, dass kein Alkohol mehr im Haus ist.

Mehr Spaß ohne Alkohol

Das Trinken drosseln, das raten fast alle Suchtberater, wenn uns Frauen so ein seltsames Gefühl umtreibt, es könnte an guten wie an schlechten Tagen doch zu viel Alkohol sein. Diesen Deal unterschreibe ich:
 Ich werde mir diesen Sommer beweisen, dass ich selbst mir wichtiger bin als der Schwips. Ich freue mich schon darauf, höchstens einmal in der Woche mit einem wirklich guten Glas Aperol Spritz die Sonne versinken zu lassen. Und danach Limo einzuschenken. Ist Ihnen schon mal aufgefallen, wie komisch sich alle benehmen, wenn man selbst nichts trinkt? Wie viele verrückte Abende werde ich erleben, an die ich mich am nächsten Morgen noch im Detail erinnern kann? Wie viele krude Geheimnisse meiner Freunde werde ich erfahren und nicht gleich wieder vergessen? Sollte ich mich neu verlieben, werde ich sofort merken, ob wir wirklich auf einer Wellenlänge senden oder nur der Wein uns auf die gleiche Umlaufbahn geschickt hat. Und hey, wie großartig werde ich aussehen! Wenig trinken ist super für die Haut und für die Figur. Von der Anziehungskraft will ich gar nicht reden. Oder kennen Sie auch nur eine Frau, die mit Dusel in der Birne heißer ist als ohne? Also mir fallen da nur tragische Figuren ein...

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