Talk About Gute Freunde sind im Leben das Wichtigste

Darf man Freunde löschen? Seltsame Frage, oder? Aber ziemlich aktuell, denn immer öfter überlegt man, wen man eigentlich aus seinem Dunstkreis kicken müsste, weil er in sozialen Netzwerken irgendwelchen Unsinn postet. Zeit also, sich einmal darauf zu besinnen, wie man mit seinen Liebsten umgeht – und wie wenig die digitale Scheinwelt mit wahrer Nähe zu tun hat.

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Dabei können wir sehr wohl zwischen all diesen Kontakten differenzieren. In einer Umfrage des IfD Allensbach sagten 73 Prozent, dass sie nicht glaubten, dass Freundschaften, die man über das Internet schließt und pflegt, genauso tiefgehend seien wie die mit Menschen, die man persönlich kennt. Und in einer anderen Befragung des Instituts kam heraus, dass 69 Prozent finden, gute Freunde seien im Leben das Wichtigste. Und nein, das waren keine Rentner, die das altersweise krächzten, sondern über 3000 Hüpfer zwischen 15 und 24 Jahren.  Der Freundschaftsbegriff ist also bei allen sauber definiert, völlig abgelöst von der digitalen Sozialisation.

Aus weiblicher Perspektive sind uns die Mädels nah, die schon heulend an unserem Küchentisch saßen und von denen wir auch wissen, wie sie verkatert morgens im Schlafanzug aussehen. Ein Bild übrigens, was man nie posten würde, sondern eine Erinnerung bleibt, kostbar und klar. Frauen haben eine sehr präzise Vorstellung von Freundschaft, weil sie sich am Grad der Intimität festmacht. So spricht man bei Frauen auch von Face- to-Face-Freundschaften – im Gegensatz zu den Side-by-Side-Freundschaften von Männern, die eben gern nebeneinander joggen oder Schränke aufbauen. Frauen hingegen brauchen Nähe, Umarmungen, gemeinsam albern sein, gemeinsames Heulen.

Leider verträgt diese Nähe sich mit der modernen Welt nicht sonderlich gut. Erstens, weil wir immer weniger Zeit haben, uns um unsere Buddys zu kümmern – oder das zumindest meinen. Zweitens, weil Globalisierung und Emanzipation dafür sorgen, dass sich unsere Freundinnen in alle Welt verstreuen. Und dann hat es sich mit der tröstlichen Umarmung und dem Sektbesäufnis bei Liebeskummer. Wobei man zugeben muss: Wenn Anke einen Mann in London heiratet und zu ihm zieht und Jasmin Marketing- Managerin in Dubai wird, freut man sich über die technischen Errungenschaften, die es erlauben, mit Anke und Jasmin zu skypen und zu chatten. Und es ist eine prima Sache, dass man vernetzt bleiben kann, wenn die Lebenswege von Freundinnen nicht nur geografisch auseinanderkurven. Zum Beispiel wenn die eine mit einem Baby zu Hause sitzt, während die andere jeden Abend um die Häuser zieht.

Wie gut, dass es möglich ist, auf digital-distanzierte Weise am Leben der anderen teilhaben zu können. Zumindest, bis sie anfängt, stündlich Baby-Fotos zu posten und eine Whatsapp-Gruppe gründet, auf der Meldungen wie „Ich kann jetzt sogar schon krabbeln. Mami freut sich voll doll“ erscheinen. Und wenn die Party-Freundin beginnt, fest zugesagte Verabredungen mal eben per SMS abzusagen, gerät die Freundschaft endgültig aus dem Lot. Und nun? Anrufen und eine Szene machen? Kaum. Die meisten Freunschaften enden auch im echten Leben nicht in einem lautstarken Krach, sondern damit, dass sich beide im stillen Einvernehmen aus der Freundschaft schleichen. Auch das gehört zum Leben. „Wir geben schneller auf, wenn eine Freundschaft frustriert oder einschläft, sind aber auch konsequenter, wenn wir einsehen, dass bestimmte Beziehungen eben ihre Zeit haben, ohne dass es im Groll enden muss“, sagt die Autorin Susanne Lang („Ziemlich feste Freunde“, Blanvalet, 192 S., 16,99 €).

Zudem besäßen wir nicht mehr den Atem, so Susanne Lang, einen langen Brief oder eine E-Mail zu schreiben mit der Möglichkeit, den Bruch zu kitten. Traurig, oder? Früher verbrannte man dramatisch die Fotos (so richtig analoge) von verräterischen Schulfreundinnen, sah dabei zu, bis sie im Aschenbecher verglühten. Oder man erinnere sich an die Szene aus dem alten Doris-Dörrie-Film „Bin ich schön?“, in der das Foto des miesen Kerls erst in Fitzel gerissen, in die Suppe gestreut und schließlich gegessen wurde. Das war mal ein richtig symbolischer Akt mit kathartischer Wirkung! Ein echt reinigendes Ritual. Und heute? Gibt es einen Trennungstrend namens „Ghosting“: Nach dem Entfreunden wird eisern geschwiegen, werden weder Anrufe noch SMS beantwortet. Gruselig.

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