Erziehung: So werden Mamas und Papas nicht zu Helikoptereltern

Alle Eltern sind besorgt. Um das gesundheitliche Wohlergehen ihres Kindes. Um sein geistiges Wohl, darum, dass es gute Noten heimbringt, später einen „anständigen Job“ bekommt, nicht in prekären Verhältnissen leben muss. Auch darum, dass es nicht übervorteilt wird. Von Lehrern, anderen Schülern. Doch so verständlich all diese Sorgen und Wünsche auch sind, sie führen heute bei vielen Eltern dazu, dass sie es stark übertreiben. Das Urteil „das sind doch Helikoptereltern“, dürften einige kennen. Doch wie vermeidet man, dass man sich in diese Richtung entwickelt?
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Wenig auf die Meinungen anderer geben

Zugegeben, es gibt viele Eltern, die es mit der Fürsorge ein gutes Stück übertreiben und den Titel Helikoptereltern verdienen. Aber: Genau so, wie längst nicht jede berufsbedingte Überarbeitung gleich die Diagnose Burnout erlaubt, aber dennoch häufig mit dieser Krankheit in einen Topf geworfen wird, sieht es auch beim Urteil „Helikoptereltern“ aus. Nicht alle Eltern, die sich um ihr Kind kümmern, sind gleich welche. Wer es ab und zu bei Regenwetter bis vor die Schule fährt, ist keine Helikoptermama. Wer beim Elternsprechtag nachfragt, warum der Sohnemann in Betragen „nur“ eine Zwei hat, ist kein Helikopterpapa. Da gehören schon „andere Kaliber“ dazu.

Nach dem ersten Kind ist man „safe“

Es gibt viele Wege, sich unbeabsichtigt zu Helikoptereltern zu machen, aber eine gute Nachricht gibt es: Wenn das erste Kind, wie man so schön sagt „aus dem Gröbsten raus“ ist und man es nicht mit der Fürsorge übertrieb, hat man es geschafft. Beim nächsten Kind besteht dann kaum noch ein Risiko.

Das Kind mit anderen spielen lassen

Einer der wichtigsten Schritte, um seine eigene Helikopter-Werdung zu verhindern, ist es, das Kind mit anderen Kindern zusammen spielen zu lassen. Das beginnt zwar schon in der Krabbelphase, wird aber erst im Kindergartenalter richtig akut und hat dort unheimlich große Bedeutung für die Sozialisierung des Kindes und seine Möglichkeit, Probleme selbst zu analysieren und zu lösen. Daher gilt: Sie sollten das Kind so häufig wie möglich mit Gleichaltrigen spielen lassen, statt es selbst auf die Rutsche zu hieven und es unten aufzufangen.

Das Immunsystem braucht Schmutz

Viele Helikoptereltern zeichnen sich dadurch aus, dass sie fürchterliche Sorge vor Keimen, Schmutz, Viren und Bakterien haben. Sprich, allem, was nach ihrer Ansicht dem Kind gesundheitlich schaden könnte. Daher wird geschrubbt, geputzt und desinfiziert – und damit das genaue Gegenteil des Gewünschten erzielt. Denn so viele kindliche Allergien es auch gibt und so unterschiedliche Auslöser sie haben, so bricht es doch auf eine Grundlage herunter: Das Immunsystem kann eine falsche nicht von einer echten Bedrohung unterscheiden und bekämpft beides mit gleicher Vehemenz. Zu viel Sauberkeit ist neben diversen Schadstoffen und Giften hauptursächlich dafür, denn sie verhindert, dass das Kinder-Immunsystem normale Dinge wie Hausstaub oder auch die abertausenden Lebewesen in einem Klumpen Gartenmatsch als das kennenlernt, was sie eigentlich sind: vollkommen harmlos. Daher gilt: Normale Sauberkeit (auch im eigenen Haus) reicht aus. Und Sie müssen ihr Kind auch nicht täglich mit Seife baden oder duschen. Alle drei Tage reicht auch, das ist sowieso besser für die Haut.

Es seine Wege gehen lassen

Ja, die Welt da draußen ist gefährlich. Aber es ist ein Irrglaube, dass mit absoluter Sicherheit etwas passiert, wenn das Kind draußen nicht auf all seinen Wegen begleitet wird. Ab dem Eintritt in die Grundschule kann und sollte ein Kind den Weg alleine oder mit Altersgenossen ohne Eltern bestreiten – auch nicht mit abwechselndem Mitgehen. Mit den einfachen Regeln „Hand raus am Zebrastreifen“, „Nicht mit Fremden mitgehen“ und „bei Grün gehen, bei Rot stehen“ sind schon die allermeisten Gefahren gebannt – Kinder sind so schlau, man muss sie es nur sein lassen. Das Mitgehen sollte sich, wenn überhaupt, auf die erste Schulwoche beschränken. Und wenn gefahren wird, sollten wirklich triftige Gründe vorliegen.

Den kindlichen Tagesplan frei lassen

Aufstehen um sieben, zur Schule um halb acht, Unterricht bis eins, Mittagessen bis zwei, Hausaufgaben bis drei, danach Klavierunterricht bis halb fünf, Sport bis halb sechs, Abendessen um sechs, danach Lernen zwischen sieben und acht, anschließend ins Bett. Was hier überspitzt anmuten mag, ist für Millionen von Kindern traurige Realität: Ihr Tagesplan ist durch oft zu prall gefüllt. Um es ganz deutlich zu sagen: Kinder sämtlicher Altersstufen sollten jeden Tag mindestens zwei Stunden nur für sich haben, gerne noch mehr. Sie brauchen diese Freiheit, die sie vollkommen allein gestalten dürfen. Nur so kann sich ein eigenständiger Charakter entfalten.

Die Lehrer machen lassen

Tausende Lehrer singen in diversen Medien immer wieder ein Klagelied: Helikoptereltern wollen heute fast jede Entscheidung ausdiskutieren, wollen Sonderbehandlungen für ihre Kids, genieren sich nicht einmal, wegen der Noten Gerichte zu bemühen. Manches mag verständlich anmuten, der spätere Arbeitsmarkt ist hart umkämpft. Aber: Deutschland hat, was die Ausbildung von Lehrern angeht, eines der besten Systeme der Welt. Natürlich sind auch sie nur Menschen und somit manchmal(!) subjektiv. Aber als Grundsatz sollte man einfach die Lehrer seines Kindes machen lassen und ihnen vertrauen. Wenn der Nachwuchs für seinen Aufsatz nur eine drei bekam, ist das nichts, weshalb man ihre Lehrerin anrufen muss – etwas, das man sowieso nur für schwerste Notfälle im Stil von „Opa hatte Autounfall“ vorhalten sollte. Und nicht jede schlechte Zensur ist ein Zeichen von bösem Willen, sondern meistens nur, dass das eigene Kind zuhause nicht genug lernte.

Das Kind, das andere treten darf

Viele dürften folgende urbane Legende schon mal im Netz gelesen haben, sie ist weitverbreitet:
Gestern in der Kassenschlange im Supermarkt. Mutter mit einem herumtobenden Kind hinter mir. Alle tuscheln schon, weil das Kind total unkontrolliert ist. Auf einmal tritt mich der Kleine volles Rohr von hinten in die Wade. Schaue ich mich um und frage die Mutter, ob sie da nichts unternehmen will. Sagt sie „das darf er, ihm war danach“. Habe dann mein Olivenöl vom Band genommen und es ihm auf den Kopf gekippt, „mir war danach“, sagte ich zur Mutter.
 
Was hier zum Schmunzeln anregt, hat leider einen wahren Helikopter-Kern: Sehr viele Eltern räumen ihren Kindern Sonderrechte außerhalb von allem ein, was man noch als kindliches Entfalten entschuldigen könnte. Ob nun im Supermarkt, Restaurant oder anderswo. Auch hier gilt der Grundsatz: Die Freiheit des eigenen Kindes hat dort zu enden, wo sie die von anderen Menschen einschränkt. Nein, das eigene Kind hat keine Sonderrechte, niemandem gegenüber. Es ist genau so ein Teil der Gesellschaft wie wir alle, auch wenn es für seine Eltern der Mittelpunkt des Universums sein darf.

Schulranzen selber tragen lassen

Es ist ja nicht nur so, dass Helikoptereltern ihr Kind, selbst den kürzesten, Schulweg fahren und es noch bis in den Klassenraum begleiten. Sie tragen dem Nachwuchs auch noch sämtliche Schulsachen hinterher – als würde irgendetwas davon das Kind überbeanspruchen oder gar schädigen.
 
Auch hier gilt: Kinder sollten ihren Ranzen selber tragen. Beim Kauf sollten Sie jedoch darauf achten, dass der Schulranzen ergonomische Eigenschaften aufweist, um Haltungsschäden vorzubeugen. Außerdem empfiehlt es sich auf dem Rucksack reflektierende Anstecker anzubringen. So werden die Kinder, vor allem im Dunkeln, besser gesehen und man fühlt sich gleich etwas besser, wenn diese den Schulweg dann alleine bestreiten.
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