Leben Wie durchbricht man alte Muster und wird weniger dünnhäutig?

Stark und charismatisch geben wir uns am liebsten. Manchmal mutieren wir trotzdem zur Mimose. Warum wir dann so dünnhäutig sind und was wir tun können, um unser Selbstwertgefühl zu pushen.

Tipps um das Selbstwertgefühl zu steigern

Geprägt werden sie in den ersten sechs Lebensjahren. In dieser Zeit bildet sich unsere Gehirnstruktur aus. Die Erfahrungen, die wir in dieser Entwicklungsphase mit unseren nahen Bezugspersonen machen, spuren sich tief in das Körpergedächtnis ein. „Sie werden zu einer Art Blaupause für alle Beziehungen unseres Lebens“, sagt Stahl, die das Thema anschaulich in ihrem neuen Buch behandelt („Das Kind in dir muss Heimat finden“, Kailash, 240 S., 12,99 €). Liebevolle Blicke, Streicheln und Stimmlagen beeinflussen, ob wir uns grundsätzlich willkommen fühlen können. Zuwendung, Spiel und Spaß mit unseren Engsten entscheiden, wie stark unser Urvertrauen wächst. „Menschen, die Urvertrauen entwickelt haben, fühlen auf einer tiefen Ebene ihres Bewusstseins Vertrauen in sich selbst“, sagt die Expertin. Sie werden im Erwachsenenalter weniger mit negativen Glaubenssätzen zu kämpfen haben und sich leichter auf andere Menschen einlassen. Sie können Herausforderungen besser bewältigen und schneller über Rückschläge hinwegkommen.

Wenn man weniger Urvertrauen entwickelt hat, sollte man sich darin üben, seine Prägungen zu erkennen und die daraus resultierenden Gefühle einschätzen zu können. Denn: „Glaubenssätze sind die Brille, durch die wir die Wirklichkeit sehen“, so Stahl. Und wenn wir unsere Verhaltensmuster nicht reflektieren, fühlen wir uns ausgeliefert, und unser Selbstwertgefühl kriegt mehr Kratzer als nötig.

Wie also lernt man, sich selbst zu durchschauen? Wie durchbricht man alte Muster und wird weniger dünnhäutig?

Zum Glück gibt es viele Strategien, um das unbeschwerte Kind in einem hervorzulocken und aus negativen Automatismen auszusteigen. Auch solchen, die meinen, eine normale Kindheit gehabt zu haben, können sie nützen. Denn selbst die liebevollsten Eltern machen nicht alles richtig. Jeder kriegt also sein Päckchen mit und hat Themen, die ihm mehr unter die Haut gehen – und solche, die er leichter verknusen kann. Als Erstes sollte man seine wichtigsten Glaubenssätze identifizieren. Um sie aufzuspüren, kann man überlegen, ob man in der Familie eine bestimmte Rolle innehatte. „Manche Kinder denken zum Beispiel, sie hätten den Auftrag, sich immer so zu verhalten, dass ihre Eltern stolz auf sie sind“, sagt die Psychologin. Sie könnten auch das Gefühl haben, ständig vermitteln oder der Mutter eine Freundin sein zu müssen. Typische Sprüche der Eltern taugen ebenfalls, um Prägungen zu entlarven: „Du bist genau wie deine Tante“ oder „Das ist nichts für dich“. Wem konkrete Situationen von früher einfallen, in denen man sich von einem Elternteil übersehen, gekränkt oder nicht ernst genommen fühlte, sollte sie auch notieren. Und spezielle Eigenschaften der Eltern, die man negativ in Erinnerung hat: überbehütend, beispielsweise, inkonsequent, ängstlich, streng, unausgeglichen. Wer sich seine Notizen vor Augen hält und dabei auf seine Gefühle achtet, wird schnell zwei, drei unbewusste Überzeugungen in sich entdecken. Sind sie notiert, kommt die nächste Übung: Dabei lernt man, die Gefühle zu beherrschen, die entstehen, wenn man in seinem Glaubenssatz feststeckt.

Denkt man zum Beispiel: „Das wird doch nie was!“, achtet man mal verstärkt darauf, mit welchen körperlichen Empfindungen der Satz einhergeht. Ein ungutes Grummeln im Magen vielleicht, ein Engegefühl im Hals, Herzrasen oder zittrige Hände. Wenn man sich ganz auf diesen körperlich gefühlten Aspekt konzentriert und alle Erinnerungen verbannt, die sonst noch zu dem Satz gehören, wird sich das Gefühl viel schneller auflösen. Statt in einen Zustand zu geraten, der einen blockiert, ausrasten oder verzagen lässt, schafft man es, die Emotion zu regulieren und hat die Situation im Griff. „Alternativ kann man sich auch dazu zwingen, seine Wahrnehmung ganz auf die äußere Umgebung zu richten“, rät Stefanie Stahl. Sobald man seinen Glaubenssatz spürt und das innere Kind die Kontrolle übernehmen will, zählt man zum Beispiel zehn Dinge in seiner Umgebung auf, die rot oder blau sind.

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