Vitamin B und Kontakte nutzen Contra

Ob über die beste Freundin, Facebook oder Xing – ohne gute Beziehungen im Job läuft nicht viel. Tolle Sache oder fieser Klüngel? Hier sind zwei sehr unterschiedliche Meinungen zum Thema Kontakte…

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CONTRA

»Gute Jobs nur für Schleimer?«

 Redakteurin WIEBKE BORCHOLTE betreut bei PETRA unter anderem die Reise. Zum Heft kam sie nicht über Beziehungen, wobei Vitamin B ihr schon öfter mal im Leben half. Allerdings hat sie damit meist ihre Probleme

Früher schlief man sich nach oben. Heute netzwerkt man sich nach oben. Wenn jemand einen Job bekommt, weil er mit jemandem aus der Chefetage befreundet ist, hege ich immer einen leisen Verdacht: „Der kann nichts. Der beherrscht nur Networking.“ Oft stimmt das nicht, aber etwas ist an dem Sprichwort „It ain’t matter what you know, but who you know – es ist egal, was du weißt, aber nicht, wen du kennst“ ja schließlich dran: Jemand, der ein Genie in seinem Fach ist, aber ein sozialer Totalausfall, hat in diesem System einfach Pech gehabt.

Was ich interessant finde: Vitamin B macht mitnichten reich. Nach einer Studie des spanischen Centro de Estudios Monetarios y Financieros von 2004 verdienen die, die bei der Jobwahl auf Familie und Freunde setzten, im Schnitt neun Prozent weniger als Normalbewerber. Das liegt wohl daran, dass man einen Job, den man durch Beziehungen zugeschanzt bekommt, ohne Murren und Feilschen nimmt. Könnte ja undankbar wirken. Und natürlich haben Frauen die schlechteren Karten beim Netzwerken: Die Kerle, die oben auf den Managerposten sitzen, gehen nach dem Feierabend zum Fussi und schieben sich in der Halbzeit untereinander die Jobs zu. Das beherrschen Männer gut, schließlich pflegen sie eine lange Tradition des Networkings – im Verein, in der Burschenschaft – oder im Segel-Klub. Hier verbinden sich Männer einfach durch ihr Studium oder ihre Interessen. Und was machen ihre Gattinnen? Die gründen Frauen-Netzwerke. Wie uncool.

Jetzt ist es im Übrigen nicht so, dass ich meine Jobs immer wegen vermeintlich toller Leistungen bekommen habe. Auch ich gehöre zu den 29 Prozent, die mal einen Job durch Kontakte ergatterten und es jederzeit wieder tun würden. Ich empfehle auch wahnsinnig gern gute Leute weiter. Aber ich finde es knifflig, Kontakte zu knüpfen. Wenn ich eine Frau kennenlerne, die meiner Karriere behilflich sein kann, bin ich befangen. Findet sie mich schleimig? Denkt sie, ich bin nur nett, weil sie mir eine Stelle beschaffen soll? Wie trenne ich Karrierehunger und Sympathie? Handelt es sich um einen Mann, ist es noch hakeliger. Schläft man sich noch hoch? Und wer schläft sich mit wem hoch? Ganz ehrlich, da trenne ich doch lieber Arbeit und Vergnügen – wenn es geht.

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