Wenn die Freundin zur Feindin wird Niemals würde ich ihr verzeihen

Sie waren mal beste Freundinnen. Dann der Verrat: Die eine nahm der anderen den Job weg – und den Mann. Nach sieben Jahren Funkstille treffen sie zufällig wieder aufeinander. Kann man der Rivalin vergeben? Eine wahre Geschichte. 

Verrat unter Freundinnen 1

 

Und jetzt saß ich hier, sieben Jahre später – und war am Boden meines Brandy- Glases angekommen: Wie lange dauert vergeben? Wann verjährt Schmerz? Zeugt es wirklich von Größe oder Weisheit, jedes Vergehen zu verzeihen? Ist betrügen so schlimm wie lügen? Ich schickte Susanne eine SMS: „Hast du morgen Zeit auf ein Glas Wein? Ich würde mich freuen!“ Die Antwort kam prompt, enthielt einen Bar-Vorschlag, eine Uhrzeit – und einen Smiley. 

Showdown: Ich hatte keine Erwartungen, wollte keine Erklärungen, keine Entschuldigungen. Ich wollte mich nur nicht mehr verstecken. Lieber wollte ich mich mit dem Trauma konfrontieren und es endlich ausheilen. Manchmal verlieren Schatten ihren Schrecken, wenn man den Mut hat, das Licht anzuschalten. Dachte ich. Und wie immer, wenn man nichts erwartet, bekommt man alles: Nach zwei Gläsern Wein legte Susanne einen kompletten Seelen-Strip hin. Sie gestand mir, dass sie nicht mehr begreifen könne, was sie damals getan habe. „Heute weiß ich, was das für ein Verrat war.“

Wie eine Ertrinkende sei sie damals durchs Leben getaumelt und habe nach allem gegriffen, was Halt bot: Karriere, Alkohol, Männer – absolut egoistisch. Sie spielte, um zu spielen, folgte dem Reiz des Verbotenen, ohne den geringsten Gedanken an die Konsequenzen, erzählte sie. Dann sei ihr klar geworden, dass sie zu weit gegangen war. Sie litt an ihrer Schuld wie ich an dem Verrat. Während ich meine Wunden leckte, betäubte sie ihren Schmerz mit Arbeit. Und mit Martin. Allerdings nur fünf Monate. Dann lernte er die Frau kennen, mit der er heute verheiratet ist und zwei Kinder hat. 

Immer wieder hatte ich mich gefragt, warum ich damals nicht souveräner mit der Situation umgehen konnte. Warum ich mir alles wegnehmen ließ und nicht kämpfte? Meine Schwäche konnte ich mir nie verzeihen. Und nun sagte Susanne mir, wie sehr sie die Echtheit meiner Gefühle berührt hatte, auch meine Verletztheit. Ich fühlte mich seltsam rehabilitiert. Nicht nur ihr, sondern auch mir selbst verzeihen zu können – dieses Geschenk machte Susanne mir an diesem Abend. „Jetzt beruhig dich!“ war – möglichst beunruhigt geschrien – unser Running Gag gewesen. Als Susanne diesen Satz nun nach ihrem Geständnis weich lächelnd zum ersten Mal wieder sagte, war es, als ob ein trauriger Film plötzlich mit einem Happy End überrascht. Grinsend stießen wir an und gingen vom Wein zum Armagnac über. Happy und noch lange nicht am Ende. 
 

Autor: Claudia Thesenfitz

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