Wenn die Freundin zur Feindin wird Wie konnte sie mir das bloß antun?

Sie waren mal beste Freundinnen. Dann der Verrat: Die eine nahm der anderen den Job weg – und den Mann. Nach sieben Jahren Funkstille treffen sie zufällig wieder aufeinander. Kann man der Rivalin vergeben? Eine wahre Geschichte. 

Verrat unter Freundinnen 1


Ich fühlte mich, als hätte Mike Tyson persönlich zugeschlagen. Ein unmenschlicher Schmerz breitete sich in meinem Magen aus, Fassungslosigkeit lähmte mich.Wiekonnten sie mir das antun? Von Susanne war ich noch enttäuschter als von Martin, denn sie war meine Seelenverwandte – hatte ich jedenfalls gedacht. Unsere vielen Gespräche, unsere Nähe – bedeutete ihr das nichts? War Martin, den sie kaum kannte, es ihr wirklich wert, alles aufs Spiel zu setzen? 


Ich verkroch mich bei meiner Schwester, schaltete das Handy ab und vergoss so viele Tränen, dass man locker ein Hallenbad damit hätte füllen können. Susanne sprach tausend Entschuldigungen auf meine Mailbox, schickte mir SMS-Enzyklopädien und stand sogar einmal vor der Tür. Aber sie war zu weit gegangen. Niemals würde ich ihr das verzeihen. Ihr im Job weiter jeden Tag zu begegnen, hätte ich nicht ertragen. Darum kündigte ich. Schon länger hatte ich überlegt, mich selbstständig zu machen – nun blieb mir keine Wahl mehr. Ich brach jeglichen Kontakt zu den beiden ab, flüchtete in die Märtyrer- Rolle und quälte mich mit der „Warum“- Frage: Warum kam Martin nicht zu mir zurück? War Susanne besser im Bett? Auch da tougher, hemmungsloser, dominanter? Tatsächlich griff ich an einem Betrunkenen Abend zum Hörer und fragte Martin genau das. Er legte sofort auf. Und ich fühlte mich noch schlechter, noch zerquetschter.

In den folgenden Monaten stieg Susanne zur Star-Architektin auf, übernahm die Firmen-Dependance in NewYork, ab und an erschien sogar ein Foto von ihr in der Zeitung. Unterdessen rappelte ich mich äußerst mühsam wieder hoch, gründete meine eigene kleine Firma und fantasierte mir in schlaflosen Stunden Aufträge wie den Bau der Hamburger Elbphilharmonie herbei. Kurz: Ich sehnte mich danach, es Susanne und Martin so richtig zu zeigen, und ich träumte davon, eines Tages mit erhobenem Kopf und einem Fernsehteam im Schlepptau an den beiden vorbeizuziehen. Der große Ruhm blieb vorerst aus, aber meine Projekte begannen, mir Spaß zu machen. Ich kehrte ins Leben zurück, und irgendwann balsamierte auch eine neue Liebe mein Herz. Nur manchmal, in stillen Stunden, zuckte der Schmerz wieder auf, wie wenn man Eis an einen empfindlichen Zahn hält. Führte sie das tollere Leben? Machte sie alles richtig? Neid ist ein fieses Gefühl. Es nagt von innen an den Eingeweiden und hinterlässt ätzende Spuren von Zweifel. „Erst wenn du nicht mehr hasst, sondern segnest, bist du frei“ heißt eins der Ratgeberbücher, die ich damals verschlang. Doch ich segnete Susanne nicht. Sie wurde mir einfach irgendwann egal. Ihr Bild und der Schmerz verblassten mehr und mehr – wie ein Schiff, das am Horizont verschwindet.

Autor: Claudia Thesenfitz

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