Macke, Psychologie, Life Keine Sorge: Wenn das Handy im Kühlschrank liegt

Jeder kennt sie, jeder hat sie: ein paar Ticks oder Spleens. Und das ist gut so! Denn unsere Eigenheiten machen uns sympathisch – und unverwechselbar

Macken

Wenn das Handy im Kühlschrank liegt

Denn schließlich sollen (wollen?) wir doch in jeder Lebenslage souverän, geschmeidig, nonchalant durchs Leben gleiten. Gefühlte 100 Millionen Ratgeberbücher erklären uns, wie wir „besser, schneller, effektiver“ lieben, arbeiten – letztlich: funktionieren. Doch so glatt und reibungslos läuft das Leben eben nicht – glücklicherweise! „Take it easy – kleine Macken hat doch jeder“, sagt auch Diplom-Psychologin Marion Sonnenmoser in ihrem gleichnamigen Buch (Herder, 160 S., 8,95 €).

Und liefert zahlreiche beruhigende Erklärungen für vermeintliche „Fehler“. Anders gesagt: Nicht jeder individuelle Tick deutet gleich auf eine schwerwiegende Störung hin. Oft handelt es sich bloß um eine Dosis Menschlichkeit, für die wir meist auch Verständnis aufbringen, jedenfalls, wenn wir den anderen Menschen mögen, schätzen, lieben – und zwar trotz oder geradewegen seiner Macken, die ihn ja auch zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit machen. Ein Beispiel: Angenommen, Sie müssen vor einer Abendeinladung – trotz des notorisch drängenden Gatten – schweißgebadet immer 15 bis 22 verschiedene Outfits anprobieren, dann sind Sie nicht etwa Opfer einer Kleiderschrank-Neurose! Sondern haben einfach nur zu viel – oder zuwenig – Auswahl in Ihrer Garderobe.

Das fanden US-Psychologen des Dartmouth College heraus. Leider wurde die optimale Anzahl Kleidungsstücke für die schnelle Entscheidungsfindung nicht erforscht. Doch in der Tendenz half es – sowohl dem überforderten Gehirn der Betroffenen als auch dem Nervenkostüm der Umwelt–, wenn„mittelviel“zur Auswahl stand. Auch falls Sie glauben, bereits mit 30 an Demenz zu leiden, weil Sie Ihr Handy ständig verlegen und es beim Suchanruf vom Festnetz plötzlich aus dem Kühlschrank bimmeln hören, seien Sie beruhigt: Besonders in Stress-Situationen führen wir Handlungen oft automatisiert durch.

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