Beruf Musikproduzent und Schauspielerin

Die Miete gerade so bezahlt, der nächste Urlaub weit weg — sechs Menschen erzählen, worauf sie für ihren Traumjob verzichten und was sie dafür gewinnen

Frau malt ein Bild

„Für mich reicht es", Matthias, 34, arbeitet als Musikproduzent und Komponist am Nr.-1-Hit

Mir ist wichtig, dass ich machen kann, was ich will – auch wenn ich dafür oft eine 60-Stunden-Woche reißen muss. Wenn ich eine CD produziere, dauert das ein halbes Jahr. Und selbst dann weiß ich nicht, ob es ein Erfolg wird. Trotzdem: Die Kreativität muss raus, das kann ein üblicher Bürojob nicht leisten. Durch einen festen Nebenjob als Lehrer an einer staatlichen Musikschule für soziale Brennpunkte ist meine Miete gesichert. Ich verdiene zwar nicht im Überfluss, aber es reicht. Ein Urlaub ist auch mal drin. Ich habe bisher keinerlei Rücklagen. Ich hoffe, ich lande mal einen großen Hit. Und so lange komponiere ich einfach fleißig weiter. Matthias Internetseite finden Sie unter matmoti.de

Esther, 37, verdient als Schauspielerin nicht die Welt

Ganz ehrlich: Existenzängste begleiteten mich schon immer. Als freie Theaterschauspielerin werde ich auf Projektbasis engagiert, habe also kein vorhersehbares Einkommen. In diesem Beruf lebt man oft am Rande des finanziellen Minimums, deshalb verschwende ich viel Energie darauf, mir Sorgen über meinen ganz normalen Lebensunterhalt zu machen. Manchmal möchte ich alles hinschmeißen und denke: „Dann werde ich eben Prinzessin.“ In dieser Branche wird man halt nicht immer anständig bezahlt. Und trotzdem würde ich keinen Job annehmen, bei dem mir zwar 5000 Brutto sicher sind, aber mein Herz nicht aufgeht. Theater ist meine Liebes-Botschaft an die Welt, meine Form der Auseinandersetzung und meine Verbindung zu ihr. Ich wünsche mir, dass Initiativen wie „art but fair“, die sich für die Rechte freier Künstler stark machen, Erfolg haben und wir unsere Arbeitsbedingungen verbessern können. Erfüllt sich dieser Wunsch nicht, gibt es für mich aber keine Alternative zur Schauspielerei. Dieser Augenblick, in dem man Emotionen beim Zuschauer weckt, das ist etwas, was mir kein anderer Job bieten kann. Das möchte ich nicht missen.

 

Autor: Bonnie Stenken

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