Glück Der Kampf gegen die Glückskilos

Die Welt ist ein Schlaraffenland, das ständig mit neuen Versuchungen lockt. Doch hat man sich endlich entschieden, ist es das falsche. Oder sind nur unsere Erwartungen nicht die Richtigen?

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Wer jetzt trotzdem noch auf breite Schultern und perfekte Manieren beharrt, sollte vielleicht einen kurzen Blick in den Spiegel werfen. Ein kleiner Bauchansatz? Peinliche Ticks? Herzlichen Glückwunsch – Sie sind ein ganz normaler Mensch! Diese Tatsache zu akzeptieren fällt mir übrigens genauso schwer wie meinen beiden Freundinnen Rieke und Karen. Denn wenn man mal ehrlich ist, hat doch bestimmt jeder eine ewig lange Liste von Anforderungen im Hinterkopf, die man gerne erfüllen möchte. Ich nehme mir zum Beispiel jeden Morgen nach dem Aufstehen fest vor, ab sofort mehr Sport zu treiben und weniger zu essen. Und zwar, weil ich der festen Überzeugung bin, mit den ersehnten fünf Kilo weniger auf der Waage ein anderer Mensch zu sein – schöner, ausgeglichener und viel, viel glücklicher! Allerdings kämpfe ich schon seit der Pubertät mit diesen vermeintlichen Glückskilos. Hätte ich mir mit der gleichen Intensität über all die Jahre eingeredet, dass alles gut ist, wie es eben ist, wäre ich mit Sicherheit viel zufriedener, als ich es jemals nach irgendeiner erfolgreichen Diät sein könnte.

Psychologen haben festgestellt, dass wir jede Minute zwischen 150 und 300 Worte an uns selbst richten. Viele davon sind belanglos, manche hilfreich, aber einige so gemein, dass wir sie einem anderen Menschen nie verzeihen würden. „Je kritischer wir mit uns ins Gericht gehen, desto mehr sinkt unsere Zufriedenheit mit uns selbst. Auf Dauer kann unser Selbstwertgefühl dabei sogar Schaden nehmen“, mahnt die Psychologin Ursula Nuber. Ohne es zu merken, geraten wir in eine Endlosschleife aus überhöhten Selbstanforderungen: Jeden Morgen setzen wir uns dieselben Ziele, nur um abends festzustellen, dass wir sie wieder nicht erreicht haben.

„Mehr erreichen zu wollen ist zunächst eine ganz normale und auch sehr hilfreiche Eigenschaft. Sie macht uns erfolgreich“, sagt Ursula Nuber. Ohne das Streben nach mehr hätte Einstein wahrscheinlich nicht die Relativitätstheorie entdeckt, und Picasso wäre vielleicht nur ein simpler Auftragsmaler geblieben. Nun kann aber nicht jeder ein Einstein oder Picasso sein. Mir persönlich würde eine Jennifer Aniston schon reichen. Zumindest ihr Körper. Diese Männergeschichten wären mir auf Dauer zu anstrengend. Besonders wo ich doch endlich jemanden gefunden habe, an dem ich (fast) nichts ändern will.

Autor: Yvonne Adamek