Glück Warum kann Liebe nicht makellos sein?

Die Welt ist ein Schlaraffenland, das ständig mit neuen Versuchungen lockt. Doch hat man sich endlich entschieden, ist es das falsche. Oder sind nur unsere Erwartungen nicht die Richtigen?

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Meine Freundin Rieke ist da bei Weitem nicht die Einzige, der es so geht. Karen zum Beispiel ist das, was ich als Liebesjunkie bezeichnen würde. Beziehungen laufen bei ihr stets nach dem gleichen Muster ab. Zuerst kommt sie aus dem Schwärmen nicht mehr heraus: sein Lächeln, die Art wie er seinen Kaffee schlürft oder einfach nur der Klang seiner Stimme – „Das ist mein Traummann!“ Davon ist sie fast jedes Mal überzeugt. Allerdings leider immer nur so lange, bis sich plötzlich der Alltag in die bis dahin perfekte Zweisamkeit drängelt. Ein Schnarchgeräusch oder immer wieder diese lächerliche Streichbewegung, mit der er ständig seine Haare aus der Stirn wischt. Ach, und wo wir schon dabei sind: Im Bett war er auch mal besser. Höchste Zeit, weiterzuziehen. Schließlich wimmelt es draußen nur so von wahnsinnig attraktiven Kerlen, die ihren Kaffee auch leise trinken können. So ist Karen zu einer Liebesnomadin geworden – rastlos getrieben von einem Gedanken: „Das geht noch besser!“ Genau wie viele andere: Studien zufolge sehen sich 65 Prozent der fest Liierten heimlich im Netz weiter um. Immer darauf vorbereitet, auf die nächsthöhere Stufe zu springen. Wenn sie denn kommen mag…

Nur leider ist niemand perfekt, auch wenn man noch so sehr versucht, daran zu arbeiten. Und je mehr wir nach Perfektion suchen, desto weiter entfernen wir uns von der Möglichkeit, glücklich zu sein. „Persönliches Glück liegt nicht in der Vollkommenheit“, sagt Ursula Nuber. „Anstatt immer nur nach dem Besten zu suchen, sollten wir uns lieber fragen, was gut genug für uns ist.“ Mittelmaß also als Lösung aller Probleme? „Nein! Wir müssen nur erkennen, dass zu einem Leben Tiefen genauso gehören wie Höhen.“ Viele glauben, mit dem idealen Partner gäbe es keine Probleme. Doch das ist ein Irrtum. Wer immer beim ersten Luftzug die Segel streicht, wird wahrscheinlich nie erfahren, wie es ist, jemandem wirklich nah zu sein. Denn am Ende sind es vielleicht die Schmetterlinge, die uns zusammenbringen, aber sich irgendwann von seinen Schnarchgeräuschen in den Schlaf summen zu lassen – das ist Liebe!

Autor: Yvonne Adamek