Neues aus der Glücksforschung Glück heißt Gelassenheit

Endlich im Lotto gewinnen, fünf Kilo weniger, die Gehaltserhöhung bekommen. Dann wäre man doch wirklich wunschlos glücklich, oder? PETRA-Autorin Wiebke Brauer über den neuesten Stand der Glücksforschung – und warum es meist ganz andere Dinge sind, die uns happy machen, als wir immer denken.

Glückliche Menschen

Der amerikanische Psychologe und Autor Mihaly Csikszentmihalyi prägte Mitte der 70er-Jahre den Begriff des „Flow“. Damit bezeichnete er den Zustand, den wir fühlen, wenn wir in einer Tätigkeit völlig aufgehen und Raum und Zeit keine Rolle mehr spielen. Klingt nach Drogen und bunte Smarties rauchen? Kann sein, aber Glück fühlt sich eben wie ein kleiner Rausch an. Voraussetzung für den „Flow“ ist, dass man sich von der Aufgabe zwar gefordert, aber ihr auch gewachsen fühlt – klar, denn wer von uns steht schon drauf, zu scheitern? Erfolge machen immer mehr Freude. Genau deswegen lieben wir unsere persönlichen Hobbys – wobei das Wort so uncool ist wie um acht Uhr in die Disko zu gehen. Meist handelt es sich bei unseren Hobbys um Tätigkeiten, in denen wir besonders gut sind und uns trotzdem beweisen können. Niemand quatscht uns rein, wir tun es nicht für Geld, Ruhm oder Anerkennung.

Eine weitere Zutat für das Glück heißt – Gelassenheit. In diesem Zusammenhang gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die schlechte lautet: Mit 45 Jahren haben wir unser absolutes Glückstief erreicht. Spätestens zu diesem Zeitpunkt müssen wir einsehen, dass wir kein Rockstar mehr werden und der Prinz auf dem Schimmel mehr Ähnlichkeit mit einem Gebrauchtwagenhändler hatte. Lebensträume versickern im Sand, Hoffnungen werden begraben. Nicht aufhören zu lesen, jetzt kommt die gute Nachricht! Mit dem Alter kommt die Gelassenheit. Nun können wir getrost unsere Rockerjacke mit Benzin tränken, in Flammen aufgehen lassen und es uns gut gehen lassen, denn die Glückskurve steigt ab 45 rasant und unaufhaltsam. Rente, wir kommen!

Okay, ob diese gesammelten Weisheiten so in Stein gemeißelt werden können – man weiß es nicht. Manche Frauen leben sehr gut ohne Hobby und noch besser ohne Kerl, andere flattern mit 45 ihrem absoluten Hoch entgegen – ein Schema F wie „Frohsinn für alle“ existiert nicht. Zum Glück. Allerdings: Wir alle können uns auf ganz bestimmte winzig kleine Momente einigen, in denen das Herz ein bisschen zieht. Die behagliche Sekunde, wenn jemand einen zudeckt und die Decke feststeckt. Oder der Augenblick, in dem eine Tür zufällt und man es noch knapp schafft, rasch und elegant durchzuhuschen. Das Knacken, wenn man die prallen Bläschen der Luftpolsterfolie zerdrückt. Oder wenn man seinen Wintermantel das erste Mal wieder aus dem Schrank fischt, anzieht, eine Hand in die Tasche steckt und einen Zehner darin findet – zusammen mit einer Kastanie aus dem letzten Jahr. Vielleicht liegt der Zauber des Glücks einfach in der Flüchtigkeit, in der Vergänglichkeit des Augenblicks. Zack, weg war er. Aber der nächste kommt bestimmt.

Autor: Wiebke Brauer

Schlagworte: