Nahrung Mütterlicher Einfluss bei der Ernährung

Fast jede Frau hat schon eine Diät gemacht, fand sich zu dick oder die Waage zum Fürchten. Kann man nicht einfach mal wieder normal essen? Was hat unsere Mutter damit zu tun - und geht Liebe wirklich durch den Magen? Unser großes Dossier zum Thema Ernährung.

Frauen und Ernährung

Sicher spielen unsere Mütter eine entscheidende Rolle bei unserem Verhältnis zum Essen. Vielleicht haben wir schon mit der Muttermilch unsere Unschuld verloren, weil wir zu diesem Zeitpunkt lernten, dass Nahrung und Liebe eins sein kann. Aber spätestens als man begriff, dass es Süßigkeiten gibt, man sie immer haben will, aber nicht immer bekommt, verknüpfte sich das Essen mit den Emotionen auf fatale Weise. War man traurig, stillte Mutti den Kummer mit einem Trostbonbon. Schlechtes Benehmen bestrafte sie mit Süßigkeitenentzug, wer lieb war, bekam einen Lolli in die Patschehand gedrückt. Sätze wie „Du bist so brav, du kriegst dafür einen Schokohasen“ frästen sich in unser Gedächtnis. Noch heute funktionieren wir nach diesem Prinzip, belohnen und bestrafen uns selbst. Allerdings sind ein paar Kom- ponenten dazugekommen: Werbebot-chaften befeuerten uns, Slogans wie „Essen gut, alles gut“ und „Du bist, was du isst“ kann jeder im Schlaf aufsagen. Wir lernten, gute von bösen Lebensmitteln zu unterscheiden – und irgendwie verlor sich auch die Trennlinie zwischen dem Nahrungsmittel und der eigenen Persönlichkeit: Erst stand die Schokolade für Liebe, dann für schlechte Zähne und bald für einen schlechten Charakter, weil man zu gierig nach ihr war.

Jedes Mädchen erfasste mit der Zeit, was „Babyspeck“ bedeutet. Manche von uns wurden „moppelig“, besaßen „schwere Knochen“, andere galten als zu dünn und wurden für ihre Hühnerbrust und die dürren Spargelbeine gehänselt. Gewichtsprobleme? Was sollte das bitte sein – was stimmte denn nicht mit unserer Figur? Schließlich durften die Jungs alles essen, damit sie groß und stark wurden. Was folgte, war der Vergleich mit den Klassenkameradinnen. Gut, irgendwie sahen die Mädels alle verschieden aus – aber manche sahen noch verschiedener aus als andere. Endgültig verhunzt wurde unser Verhältnis zum eigenen Körper durch das Schönheitsideal, das durch die Medien transportiert wurde. Wir blickten erst auf die abgeliebte Barbie in der Hand, dann auf Heather Locklear aus der Fernsehserie „Ein Colt für alle Fälle“ und Kelly aus „Beverly Hills 90210“ – und schließlich an uns herunter. Oh, ein Bauch! Der musste weg. Plötzlich steckten wir uns mit zarten 14 Jahren Bleistifte in imaginäre Bauchfalten und unter den pubertären Busen, um zu sehen, wie sehr wir der Schwerkraft und der Fettsucht schon verfallen waren - vielen Dank Kelly.

Kein Wunder, dass 1995 auf den Fidschi-Inseln 15 Prozent der Mädchen innerhalb von drei Jahren bulimisch wurden, weil ein US-amerikanischer Fernsehkanal auf Sendung ging. Nichts ist schwieriger, als sich gegen die Bilderflut zu wehren, die uns aus dem Fernseher, von Plakaten und nicht zuletzt aus Frauenzeitschriften entgegenschwappt.

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