Gelassen durch Mentaltechnik Die Spannung wird genommen, das Problem verschwindet

Redeangst, Unsicherheit, Zweifel – oft stecken verborgene Ängste dahinter. Introvision bringt sie ans Licht und hilft uns dabei, in brenzligen Momenten cool zu bleiben.

Illustration Introvision

Aber wie funktioniert das genau? „Machen wir doch weiter mit dem Traum. Was Sie darin beschreiben, ist klassische Redeangst, die kommt häufig vor“, erklärt Angelika Wagner. „Nun stellen Sie sich einen See vor. Dieser See ist das Problem, die Angst vor der Rede. Jetzt versuchen Sie, bis auf den Grund zu sehen, durch alle Trübungen hindurch.“ Und fügt hinzu: „Was Sie dort vorfinden, ist der Kern des Übels, das gefühlt Unangenehmste, das Schlimmste. Damit befassen wir uns.“ Aha! Wir blicken also dem Feind ins Auge. Jenem Gedanken, den wir lieber verdrängen möchten, weil er nicht zu unserem konstruierten Selbstbild passt.

Ich spiele weiter das Versuchskaninchen. Die Professorin stellt mir nun Fragen, wobei sie jeweils das aufgreift, was ich antworte. „Was genau ist so unangenehm, wenn Sie vor anderen reden sollen?“ – „Ich werde mich bestimmt versprechen, das darf nicht sein.“ – „Sie werden sich vielleicht versprechen. Was ist das Irritierende daran, was stört Sie?“ So fragt sie eine Weile weiter, bis er da ist, ein empfindlicher Stich im Magen. Und mit ihm die Schlussfolgerung: „Wenn ich versage, bin ich nichts wert.“ Etwas Enges legt sich um meinen Hals – ich habe wohl den Grund des Sees erreicht …

Angelika Wagner fordert mich auf: „Gucken Sie sich diesen Kernsatz wie ein Bild an, das an der Wand hängt, ohne zu werten.“ Zwei Minuten lang soll ich mir meine Worte verinnerlichen. Ob ich sie mir vorspreche oder sie tatsächlich vor mir sehe, ist dabei egal. Am Anfang finde ich es bedrückend, aber allmählich verschwindet die Enge in meinem Brustkorb. Weil ich erkenne, dass ich viel zu heftig und irrational über mich selbst geurteilt habe. So stark scheitern kann ich gar nicht, dass ich „meinen Wert“ verlie re. Unwillkürlich lache ich auf – was für ein befreiendes Gefühl!

Was passiert da mit mir? „Wir haben entdeckt, dass hinter mentalen Blockaden sogenannte Imperative stecken. Innere Befehle, die wir im Laufe des Lebens verinnerlichen und die größtenteils unbewusst unser Verhalten steuern.“ Befehle also, aha. Beispiel? „Der erste Imperativ, den wir bei Ihnen gefunden haben, war der Satz: Ich darf mich nicht versprechen“, sagt Wagner. „Daran war eine ganze Kette weiterer innerer Befehle geknüpft: Ich darf nicht versagen!“ Ja, kommt mir irgendwie bekannt vor. Und ich ergänze: Ich muss gut sein! Ich will gemocht werden! Es kann nicht sein, dass ich das nicht auf Anhieb kapiere! „Sobald wir den inneren Befehl hinter einem Konflikt gefunden haben, lösen wir ihn auf, indem wir ihn in eine nüchterne oder positive Aussage umformulieren.“ Ich soll also lieber sagen: „Es kann sein, dass ich mich verspreche. Na und? Dann fang ich den Satz eben noch mal an.“ So wird die Spannung weggenommen, und das Problem verschwindet. Und tatsächlich bin ich gleich viel gelassener geworden.

Schlagworte: