Positive Power Nette Nebeneffekte des Neids

Niemand ist frei von dem fiesen Gefühl – und das ist auch gar nicht schlimm. PETRA-Autorin Katja Bosse zeigt, wie man aus Missgunst Motivation zieht und giftige Gedanken in positive Power verwandelt.

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Nette Nebeneffekte des Neids

Wer sich auf sich selbst besinnt, konkrete Pläne fasst und die beneidete Person als Vorbild akzeptiert, nutzt nette Nebeneffekte des Neids: Selbsterkenntnis, Ansporn und Zielstrebigkeit. „So mancher kommt beim Nachdenken auch zu der Erkenntnis, dass er das, was er neidet, in Wahrheit gar nicht haben will“, sagt der Experte. Ihre Schwägerin macht zwar Karriere und hat ein sattes Plus auf dem Konto – fürs Shopping bleibt ihr aber kaum Zeit. Ihre Freundin hat einen Partner, der den Haushalt schmeißt – ihren Kinderwunsch teilt er trotzdem nicht. Dann doch lieber eine Handtasche weniger haben und einen Handschlag mehr machen, sagen Sie sich vielleicht – und sind dem neidfreien Glück schon ein ganzes Stück näher.

Für andere entwickelt sich aus dem motivierenden Neid eine solche Spirale, dass sie nur noch nach Höherem streben und sich permanent mit Leuten vergleichen, die schöner, erfolgreicher, glücklicher sind. „Man sollte wissen, wann es nicht nur besser, sondern auch mal gut ist“, sagt Haubl, der hierzu das Buch „Neidisch sind immer nur die anderen. Über die Unfähigkeit, zufrieden zu sein“ (Beck, 325 Seiten, 12,95 Euro) geschrieben hat. Wer sich einredet, nur noch glücklich sein zu können, wenn er jemanden übertrumpft, wird dieses Ziel wohl nie erreichen.

Und was ist zu tun, wenn das Ding, das ich will, gar nicht zu bekommen ist? Weil ich eben nie so dicke Haare haben werde, dass das Zopfgummi nur zweimal rumpasst, oder weil mein Chef nicht umsonst beschlossen hat, mir eine Vorgesetzte vor die Nase zu setzen, die er offenbar für fähiger hält? „Dann sollten Sie das akzeptieren – und auf das schauen, was Sie haben, und sich endlich mal wieder für Ihre eigenen Verdienste und Talente auf die Schulter klopfen“, rät Coach Frisch. Neid erwächst meist aus einem Mangelgefühl; wer sich klarmacht, was er in anderen Bereichen schon erreicht hat, wofür er dankbar ist und was richtig gut läuft, kann so ein Manko leicht kompensieren. „Manchmal verlieren wir auch aus dem Blick, dass nicht alle Lebensumstände des Menschen, den wir beneiden, gleich begehrenswert sind“, sagt Frisch.

Das kommt mir bekannt vor: Es gibt durchaus Tage, da beglückwünsche ich innerlich die Frau an der Supermarkt-Kasse: Weil sie ihren Kopf auch mal abschalten kann, wenn sie Ware für Ware über den Scanner zieht – während ich mir Wort für Wort aus dem Hirn saugen muss und mich vor lauter Ehrgeiz in meinem Job überfordert fühle. Dabei lasse ich ungerechterweise außer Betracht, dass ich dieser Tätigkeit weder täglich nachgehen, noch bis 23 Uhr arbeiten oder von fiesen Filialleitern gemobbt werden möchte. „Verklären Sie die Situation nicht und versuchen Sie stattdessen, den Blick für das Ganze zu wahren“, rät Martina Frisch. „Zu der Erkenntnis, das Leben tauschen zu wollen, kommen Sie dann höchstwahrscheinlich nicht.“ Stimmt. So gesehen, würde ich meine geliebte Altbauwohnung auch nie für volleres Haar eintauschen, meine Gelassenheit nicht für den perfekten Nasallaut und meine kleine Familie für kein Geld der Welt.

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