Was wir mit 18 gern schon gewusst hätten Verena Carl: Was Sie als Teenager gern gewusst hätte

Liebeskummer und Vollkrisen: Hätten wir damals manche Dinge schon früher gewusst, hätten wir in der Jugend sicherlich anders gehandelt. Zwei Autorinnen machen sich Gedanken.

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Verena Carl (41 Jahre, Schriftstellerin)

WAS HÄTTE SIE ALS TEENAGER GERN GEWUSST? DIE BUCHAUTORIN UND EXKOLLEGIN MACHTE SICH FÜR UNS GEDANKEN

Wahre Liebe? Mit 18 dachte ich, die müsste aussehen wie im Kino. Gefühle im Breitwandformat, mit Sonnenuntergangs-Beleuchtung und symphonischem Geigensound. Meine eigene Beziehung damals erinnerte allerdings eher an das Hobby-Aquarell einer angejahrten Paartherapeutin: braver Samstagnachts-Sex, im Februar die Juli-Busreise an die Costa Brava, und niemals zu viel vom Partner erwarten. Das stand jedenfalls in den Ratgebern, die ich meiner Mutter vom Nachttisch klaute. Einen der wichtigsten Sätze über die Liebe las ich erst zehn Jahre später in der Abschieds-E-Mail eines Kurzzeit-Geliebten: „Man bekommt immer, wonach man fragt.“

Der Mann hatte recht. Es sind keine Schicksalswendungen à la Hollywood, die bestimmen, wie und wen wir lieben. Es ist unsere ureigenste Entscheidung. Auch wenn wir sie in dem Moment selbst nicht durchschauen. Warum tun wir uns mit freundlichen Langeweilern zusammen? Weil wir uns selbst unterschätzen. Oder weil unsere Seele Wellnessurlaub braucht. Warum verlieben wir uns in Männer, die uns schlecht behandeln, verheiratet sind oder gerade nach Aserbaidschan auswandern? Weil wir das Drama brauchen, aber auch die Gewissheit: Dieser Kerl wird uns nie so nahe kommen, dass wir ihm einen Platz in der Wirklichkeit einräumen müssen.

Egal wie die Liebes-Odyssee unserer jüngeren Jahre verläuft, immer bringt sie eine wichtige Lektion mit sich. So lernen wir, dass nicht alle schönen Männer langweilig im Bett sind. Oft sind sie aber so von ihrer Performance eingenommen, dass das Gefühl zu kurz kommt. Wir erleben, dass Begehren durch Fremdheit entsteht und Liebe durch Nähe – und dass beides schwer unter einen Hut zu bekommen ist.

Und wir wissen, dass es verschiedene Liebes-Stile gibt. Manche beglücken uns als hartes Tennis-Match, andere als warmes Wannenbad. Und aller spätestens mit 30 ist (hoffentlich!) Schluss mit der „galoppierenden Interpretitis“. Die klingt etwa so: „Er hat zweimal im Gespräch seine Mutter erwähnt! Heißt das nun, er hat einen Mutterkomplex, oder meint er es besonders ernst mit mir?“ Ziemlich oft leiden wir auch an überzogener Nachsicht: „Er hat gesagt, er braucht Zeit – da kann ich es ihm kaum übel nehmen, wenn er mit seiner Exfreundin für ein Wochenende nach Paris fliegt.“ Dabei ist warten und leiden immer die schlechteste aller Möglichkeiten. Schließlich gibt es stets einen Ausweg: Einfach gehen zum Beispiel, auch wenn’s wehtut.

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