Spaß im Nachtleben, ohne typische Ü-30-Partys „Fürs Feiern ist niemand zu alt“

Tanzen gehen, im Morgengrauen nach Hause - mit süßen 18 kein Problem. Aber jetzt? PETRA wollte wissen, wie coole Frauen heute feiern. Und stellte fest, dass entspanntes Ausgehen keine Frage des Alters ist

Party machen mit über 30

Aber: Im besten Fall heißt die Devise „Fürs Feiern ist niemand zu alt“ und wir ignorieren schlicht die Tatsache, dass der perfekte Laden für „Ü30er“ noch nicht erfunden wurde. Den gab es früher übrigens auch nicht, man störte sich nur nicht daran. Und was viel wichtiger ist: Spaß ist keine Frage des Drumherums, sondern der Einstellung. Die Regeln der Nacht kennen wir, das Tanzen und die Musik wurden in den letzten zehn Jahren bestimmt nicht neu erfunden – auch, wenn „Discos“ jetzt Clubs“ heißen. Die einzige Sorge bleibt unser Alter. Ja und? Ist doch egal! Während die jüngeren Semester damit beschäftigt sind, cool auszusehen und lässig zu wirken, spielen wir schamlos die Trumpfkarte „welterfahrene Frau mit Stil“ aus. Wir schlängeln uns mit der Freundin am Türsteher vorbei, wie das geht, wissen wir aus dem Effeff. Die schrägen Blicke der Lolitas um uns herum ertränken wir im Sekt auf Eis. Was heißt hier blamieren? Über diesen Punkt sind wir längst hinaus.

Also rauf auf die Tanzfläche und rein in die Musik. Und was ist das für ein vertrauter Sound – spielen die etwa Depeche Mode? Nein, es ist nur die Retro-Welle, die den Klang von einst wieder aufnimmt. Endlich wieder zum Beat hüpfen und die Haare fliegen lassen! Und während wir uns noch fragen, ob dieser Knabe dahinten an der Säule tatsächlich mit uns zu flirten versucht, wird klar: Ja, er startet einen Flirt, denn höchstwahrscheinlich findet er diese unübersehbar tiefenentspannte Person (uns!) zwischen all den verklemmten jungen Hühnern ziemlich attraktiv. Schließlich mühen sich die Mädchen aus seiner Altersklasse pausenlos damit ab, ob der Minirock sitzt und warum der DJ sie nicht wiedererkennt. Wir aber können einfach in den Abend springen und auf dem Parkett hemmungslos die Hüften schwingen.

Ja, das Beste ist: Wir sind jetzt zwar älter, aber wir ersparen uns den Stress um perfekt sitzende Trendklamotten und pseudo-cooles Gehabe. Bestätigung holen wir uns nicht mehr von anderen. Wir spiegeln uns nicht mehr in der Masse, sondern blicken selbst in den Spiegel, um zu sehen, was wir an uns haben. Wir brauchen das Lächeln des DJs nicht mehr, um unser Selbstbewusstsein damit zu pimpen. Wir sind mehr oder weniger gut in unserem Beruf und wissen um unsere Stärken und Schwächen – zumindest meistens.

Einst definierte sich der persönliche Erfolg darüber, wie viele Telefonnummern und wie viele fadenscheinige Komplimente wir an so einem Abend von irgendwelchen fremden Typen einheimsten. Dass es sich dabei zu 90 Prozent um Jungs handelte, die zu viel Gel im Haar und zu bunt gemusterte Boxershorts unter der Jeans trugen, hätten wir niemals zugegeben. Es kam eben damals auf die Quantität an, nicht auf die Qualität.

Und wo wir schon bei Qualität sind: Vielleicht findet in unserem Leben nicht mehr jeden Tag eine Party statt – aber inzwischen wissen wir genau, wie wir uns selbst feiern können. Wenn wir ausgehen, tun wir es um des Ausgehens willen. Gut, vielleicht sitzt der Hintern nicht so, wie wir uns das wünschen. Aber das hat er noch nie, und wird er wohl auch nicht mehr tun. Und das hält uns nicht davon ab, ordentlich mit ihm zu wackeln, wenn die Musik stimmt. Ja, es ist anstrengend, sich spät am Abend noch aufzuraffen und einen guten Ort zu finden. Aber es muss ja nicht immer der perfekte Abend werden! Manchmal reicht es schon, im Rudel oder zu zweit durch die Nacht zu segeln und Partyluft zu schnuppern, im Takt zu wippen und zu flirten. Einfach um der Sache willen. Ein paar neue Gesichter sehen, ein bisschen der Musik lauschen und sich ohne Sinn, Ziel und Zweck amüsieren. Vielleicht sind wir selbst nicht mehr ganz so jung – aber die Nacht ist es noch immer.

Autor: Wiebke Borcholte

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