Spaß im Nachtleben, ohne typische Ü-30-Partys „Allein schon der böse Teufel Alkohol“

Tanzen gehen, im Morgengrauen nach Hause - mit süßen 18 kein Problem. Aber jetzt? PETRA wollte wissen, wie coole Frauen heute feiern. Und stellte fest, dass entspanntes Ausgehen keine Frage des Alters ist

Party machen mit über 30

Allein schon der böse Teufel Alkohol: Obwohl man ab einem gewissen Alter nicht mehr wie ein Schlot raucht und lustige bunte Getränke namens „Bols Blau“ oder „Grüne Banane“ in sich reinschüttet, fühlen wir uns heute nach einer durchzechten Nacht, als müssten wir sofort für eine Woche zur Entgiftung in den Schwarzwald. Und wer bitte geht am Montag für uns arbeiten oder erklärt den Kindern, dass wir dringend ausschlafen müssen? Keiner! Also treten wir lieber auf der Tanzfläche etwas kürzer.

Doch selbst wenn wir plötzlich wild entschlossen wären, ein Wochenende komplett durchzufeiern – wohin sollten wir gehen? Die neuesten Läden kennt man nicht, die alten existieren nicht mehr. Für Nightlife-Experimente ist unsere Zeit zu knapp. Eigentlich fiele uns kein Zacken aus der Krone, wenn wir doch mal in einen unbekannten Club gingen. Also: Es wagen und einfach ausprobieren? „Ach, lieber nicht.“

Bleibt noch die Ü-30- Party. Doch vor den neonpinken Pappschildern, die auf die Veranstaltung hinweisen, haben wir uns schon als Teenie gegruselt. An jedem Baum im heimatlichen Vorort mahnte ein Plakat mit übergroßen Lettern, dass es irgendwann vorbei sein könnte. Mag ja sogar sein, dass es dort unheimlich fetzig zugeht, aber wirklich niemand geht freiwillig zu einer Veranstaltung, deren einzige Daseinsberechtigung darin besteht, dass die Besucher zu alt für alles andere sind. Wer ausgeht, will vergessen – und sich jung fühlen. Und wie soll das, bitte schön, auf einer Ü-30-Party gehen?

Und wenn wir dem Samstagnacht-Fieber doch mal eine Chance geben? Was passiert wirklich, wenn man den Wecker auf 23 Uhr stellt, sich vor den Spiegel robbt, sich aufrüscht und mit der Freundin ausrückt, um die Nacht zu erobern? Wer die erste Müdigkeitswelle durchgestanden hat, erlebt sein mitternachtsblaues Wunder. Im schlimmsten Fall finden wir uns in einer schmierigen Kaschemme mit seltsamen Figuren wieder und wundern uns, ob der Lärm aus den Boxen als musikalischer Trend zu verstehen ist. Schon fragt man sich, warum man a) nicht zu Hause geblieben ist, oder b) nicht schon selbst einen Laden aufgemacht hat. Wir wären reich! Schließlich sind wir mit unserem Ausgeh- Hunger nicht allein, alle unsere Freundinnen jammern, dass sie keinen erwachsenen Ort zum Ausgehen finden. Zugegebenermaßen sind die Ansprüche hoch: In der Lounge wollen wir gepflegt ein Getränk schlürfen, auf der Tanzfläche nebenan wollen wir zu guter Musik herumtoben – und das Publikum muss auch passen. Ein staubgrauer Gedanke schleicht sich an: Gehören wir doch zum alten Eisen? Nein, denn schließlich bleibt uns noch die letzte Bastion der Tanzwütigen: das Konzert. Hier stimmen die Beats – und meist auch die Menschen, die neben uns zur Livemusik tanzen. Nur die Location…

Autor: Wiebke Borcholte

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