Ernährung Die Vorteile von veganer Ernährung

Knapp 700.000 Deutsche verzichten bereits auf Fleisch, Milch, Eier & Co. Nur wird das Leben dadurch nicht unnötig kompliziert und fad? PETRA-Autorin und Käseliebhaberin Yvonne Adamek hat es ausprobiert und lebte einen Monat vegan.

Frau kocht vegan

Genau so ein Meinungsaustausch brachte mich schließlich auf die Idee, es selbst einmal auszuprobieren. 
Als ich allerdings am ersten Morgen einen Blick in meinen Kühlschrank warf und anstelle meines geliebten Gruyère-Käses nur ein paar Pasten auf Auberginen- und Tomatenbasis sah, tat ich mir sofort sehr, sehr leid und verfluchte mich innerlich für meine bescheuerten Ideen. Aber Hohn und Spott vonseiten des Mannes galt es unter allen Umständen zu vermeiden. Der weiß nämlich leider genau, wie gut ich darin bin, frisch gefasste Vorsätze mit fadenscheinigen Begründungen über Bord zu werfen. Also rauf aufs Brot und rein in den Magen. Zu meiner Überraschung schmeckten die Pasten dann doch so gut, dass ich für einen kurzen Moment meine Liebe zu Käsebroten vergaß.

Abnehmen dank veganer Ernährung

Der Nachteil: Das Sättigungsgefühl trat erst nach der doppelten Portion ein. Ich beruhigte mich mit dem Gedanken, dass Gemüse ja viel weniger Kalorien als Käse habe und die vier Brote somit eigentlich nur für zwei zählten. Mit dem gleichen Argument schob ich mir mittags zwei eilose Pfannkuchen auf Sojamilch-Basis rein und nahm mir beim Abendessen noch mal einen ordentlichen Nachschlag. Es ist schon beeindruckend, welche Mengen Gemüse man in sich reinschaufeln kann, wenn nicht schon ein Steak den Magen füllt. Übrigens: Meine Gemüsetheorie scheint zu stimmen. Nach den vier Wochen zeigt meine Waage ganze 2,5 Kilo weniger an. Selbst die kleine Plauze auf der Couch neben mir ist sichtbar geschrumpft. Und das, obwohl ich fürsorglich jede Woche einen Essensplan aufgestellt hatte, damit Herzilein die Möglichkeit hatte, sich unterwegs etwas zu holen, wenn es ihm zu gemüsig wurde. Aber er meinte: "Nee, wenn du das kochst, esse ich das mit. Eigentlich schmeckt es mir sogar ganz gut." In seiner Stimme lag so etwas wie Begeisterung, als er das sagte.

Vegan schmeckt lecker

Gut, manchmal brauchte er noch einen Berg Käse über dem Gemüse, aber immer noch besser als Hack-Krümel oder Schinkenstreifen. Sogar mein Sohn haute beim gemeinsamen Abendessen ordentlich rein. Wurden ein paar Wochen vorher noch die traditionellen Frikadellen mit einem angewiderten Zitronengesicht auf den Boden gespuckt, hörte ich beim Probieren meines selbst gemachten Bohnen-Grünkern-Bratlings ein lautes "Mmmmmh!" von dem kleinen Kerl. Damit hatte die vegane Küche eindeutig ihren letzten Praxistest in unserem Haushalt bestanden. Man kann sich nur wundern. Ich muss sagen: Hat man sich einmal eingerichtet, lässt sich der tierlose Lebensalltag gut aushalten. Käme ihm nur nicht immer diese eine klitzekleine Nebensache in die Quere: das Sozialleben.

Vegane Ernährung und auswärts essen

Am ersten Wochenende meines Selbstversuchs hatten Freunde zum großen Wildessen eingeladen – nur uns nicht. Das wäre ja wie "Perlen vor die Säue werfen", meinte der Gastgeber. Nun ja, wir hätten sicher auch die Beilagen gegessen und ansonsten konstruktiv zur Unterhaltung beigetragen. Doch damit war es wohl offiziell: Ab jetzt war ich die Spaßbremse. Immerhin, zum Kaffeetrinken ein paar Wochen später durften wir kommen. Es gab sogar vegane Kekse und Muffins – sehr aufmerksam. Trotzdem wurden wir die ganze Zeit gelöchert, wann dieses unsägliche Experiment denn nun endlich ein Ende habe. "So richtig gesellschaftsfähig ist man damit doch nicht. Man kann ja nicht immer ’ne Extrawurst zubereiten", warf man uns vor.

Auch wenn ich diesen Kommentar engstirnig und unhöflich fand, steckte darin eine ernst zu nehmende Frage: Wie weitermachen? Nach allem, was ich in den letzten vier Wochen so alles gelesen habe, möchte ich ungern wieder so essen wie vor dem Experiment. Auf der anderen Seite habe ich aber auch keine Lust, von meinen Freunden zum Essens-Nerd abgestempelt zu werden, auch wenn ich die ein oder andere Meinung ziemlich antiquiert und intolerant finde. Meine kulinarische Zukunft wird also der hoffentlich goldene Mittelweg sein: zu Hause vegetarisch/vegan und unter Freunden dann ruhig das volle Programm. Und so ganz unter uns, ich freue mich schon sehr auf mein erstes Käsebrot.

Autor: Yvonne Adamek

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