Selbstversuch Was macht am glücklichsten?

365 Tage glücklich – geht das? Gretchen Rubin hat den Selbstversuch gemacht. Für ihr Happiness-Projekt probierte sie einiges aus: Ratgeber-Bücher, Lach-Yoga, Entrümpelungs-Aktionen. Ob ihr das mehr Lebensfreude brachte, verrät sie in unserem Interview.

Frau im Blumenfeld

Sie haben in einem Jahr allerhand angebliche Glücksgaranten ausgetestet: im Job etwas Neues gewagt, eine Leidenschaft ausgelebt, den Kleiderschrank ausgemistet… Was hat Ihnen denn am meisten Spaß gemacht?
Da kann ich mich echt nur schwer entscheiden! Es war ein großartiges Gefühl, eine Lesegruppe für Kinder zu gründen. Oder in nur vier Wochen eine Novelle zu schreiben. Entrümpelungs-Aktionen tun tatsächlich ganz schön gut. Wenn man sich von Ballast befreit, fühlt man sich viel besser und regelrecht erleichtert. Und in der Zeit, in der ich albern und unvernünftig sein durfte, hatte ich ebenfalls echt richtig Spaß.

Das hört sich so an, als seien Sie jetzt wirklich glücklicher als zuvor?
Oh ja, absolut. Ich bin selbst überrascht, wie viel glücklicher ich dank meines Projektes geworden bin. Und das, obwohl mein Leben ja irgendwie immer noch das gleiche ist. Aber ich habe mich eben verändert durch all die Dinge, die ich getan habe.

Welcher Rat hat Ihnen persönlich am meisten gebracht?
Das mag banal klingen, aber es war die Erkenntnis, dass ich stets ich selbst sein muss. Ich nenne das „Gretchen sein“. Denn nur, wer sich selbst versteht und akzeptiert, kann glücklich werden. Aber es gibt da noch was…

Und das wäre?
Nicht lachen… aber Singen am Morgen ist der Hammer! Das kostet zwar Überwindung und Energie, aber die bekommt man tausendfach zurück, weil man so viel unbeschwerter und gelöster in den Tag geht.

Okay, merken wir uns glatt! Gab’s denn auch etwas, was nicht funktioniert hat?
Oh ja. Lach-Yoga zum Beispiel war gar nicht meins. Viele Leute lieben es, weil sie danach besser drauf sind. Ich hingegen hatte danach schlechte Laune. Diese künstlichen Lach-Übungen, schrecklich! Noch schlimmer war der Rat, nichts zu tun. Weil wir angeblich nichts selbst tun können, um unser Glück zu steigern. Aber das habe ich einfach ignoriert!

Waren Sie vor dem Projekt eigentlich unglücklich?
Nein, das nun nicht. Ich war sogar relativ glücklich. Nur manchmal, da habe ich mich gefragt, ob das alles im Leben ist. Außerdem stand ich mir auch manchmal selbst im Weg.

Inwiefern?
Ich verliere leicht die Fassung, bin ungeduldig und hasse es, wenn ich beim Arbeiten unterbrochen werde. Und dann bin ich ziemlich, sagen wir, scharfzüngig. Daher zielten viele meiner Maßnahmen darauf ab, dankbarer, geduldiger und liebevoller zu sein.

Und wir vermuten mal, dass das in Ihrer Umgebung gut ankam…
Sie sagen es! Als ich begann, gelassener zu sein, reagierten meine Kinder sofort darauf. Positiv! Auch als ich aufhörte, an meinem Mann rumzunörgeln, wurde er viel umgänglicher. Einmal zum Beispiel war er ziemlich down. Normalerweise hätte ich ihn mit Fragen bombardiert, warum und wieso. Aber ich hielt mich zurück. Ich umarmte ihn und meinte nur, dass morgen alles besser werden würde. Und so war’s.

Sie waren zufriedener – das wiederum hat Ihre Familie zufrieden gemacht. Glücksgefühle sind also ansteckend?
Und wie! Manche denken, es sei unheimlich egoistisch, nach dem eigenen Glück zu streben. Dabei ist es schlicht so, dass glückliche Menschen auch andere glücklich machen. Sie sind hilfsbereiter, kreativer, sie haben mehr Energie und werden seltener krank.

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