Nachhaltigkeit Reparieren, Upcycling und Co: Nachhaltigkeit selbst in die Hand nehmen

Nachhaltigkeit ist nicht nur gesamtgesellschaftliche Verantwortung, sondern liegt auch in den Händen jedes Einzelnen. Wer sich auf Impulse aus Politik und Industrie verlässt, kann lange warten. Nachhaltigkeit ist längst zum Lebensstil für Viele geworden: Mehr Menschen als je zuvor leben und konsumieren bewusster. Dazu gehört auch die Wiederverwertung von Materialien. Nicht jede Verpackung muss sofort nach Gebrauch weggeworfen werden; kaputte Kleidung hat immer noch einen Materialwert; elektrische Geräte können oft mit simplen Handgriffen wieder fit gemacht werden. Reparieren und Upcycling sind die Trends der Stunde. Wir stellen die spannendsten Ideen vor und erklären, wie Nachhaltigkeit am besten gelebt werden kann.

DIY

Nachhaltigkeit ist mehr als Recycling

Bewegungen wie Fridays for Future oder Extinction Rebellion haben für lange öffentliche Diskurse über unseren Konsum und Umgang mit Rohstoffen gesorgt. Nachhaltigkeit ist endlich in der breiten Gesellschaft angekommen. Moderne Konzepte zur Wiederverwertung von Verpackungsmüll, reduzierter Plastikkonsum und ressourcenbewusstes Leben finden besonders bei den jüngeren Generationen Anklang. Natürlich ist Recycling nach wie vor wichtig, doch den Müll einfach nur in die richtigen Tonnen zu werfen, ist heute längst nicht mehr genug.

Eines der Schlagworte der Nachhaltigkeitswelle, die große Teile der Gesellschaft mitgerissen hat, ist Upcycling. Wo beim Recycling Produktabfall in seine Bestandteile zerlegt wird, um einen kleinen Anteil wiederverwertbarer Materialen zur Sekundärproduktion neuer Produkte zu erhalten, wird mit Upcycling ein anderer Weg eingeschlagen: Hierbei werden vermeintliche Abfallprodukte in komplett neuwertige Produkte umgewandelt.

Oft ist Upcycling mit kreativen Prozessen und Zweckentfremdung verbunden. Möbel aus alten, ausrangierten Euro-Paletten sind eines der bekanntesten Beispiele, wie „nutzlose“ Materialien in neuwertige Produkte verwandelt werden können. Der Clou beim Upcycling: Für das neue Produkt werden keine zusätzlichen Rohstoffe verbraucht.

Auch immer beliebter wird die DIY-Reparatur. Mit einfachen Handgriffen und auch ohne handwerkliches Geschick lassen sich viele Alltagsgegenstände und E-Geräte schnell wieder flott machen.
Zerbrochenes Geschirr kann einfach mit Flüssigkleber oder Leim wieder zusammengefügt werden. Wird dem Klebstoff zuvor künstlicher Goldstaub hinzugefügt, entstehen aussagekräftige „neue“ Teller und Tassen, die ihre Bruchstellen nicht verstecken, sondern elegant betonen. Ursprünglich kommt diese Art der Reparatur zerbrochener Keramik aus Japan, wo die Kunst „Kintsugi“ genannt wird.

Nachhaltigkeit liegt im Trend und ist heute wichtiger denn je. Möglichkeiten der stilvollen Reparatur oder des kreativen Upcyclings gibt es viele. Wir stellen die besten Ideen vor.

Upcycling – aus alt mach neu

Upcycling ist kinderleicht. Einige Ausgangprodukte sind besonders ideal für die Aufwertung und Zweckentfremdung geeignet. Leere Glasflaschen, Marmeladengläser oder Einweckgläser sind die perfekten Ausgangstoffe für allerlei einmalige dekorative Hingucker wie:

  • Tischlampen oder Windlichter; unterschiedliche Glasfarben und Größen sind gar kein Problem, sondern sorgen für Abwechslung in den Räumen und im Garten.
  • Blumenvasen mit Wasser gefüllt oder ohne Wasser für Trockengestecke sind zeitlos und schlicht, perfekt für minimalistische Einrichtungen.
  • Gewürzspender aus alten Einweckgläsern oder Flaschen mit Drehverschluss und Deckel.
  • Kerzenständer; besonderes Highlight hierbei: Je mehr Wachs die Flasche herunterläuft, desto uriger und verzauberter sieht der Kerzenhalter aus.

Glasbehälter und Flaschen sind dankbare Ausgangsmaterialien für Upcycling-Projekte. Bevor den ausrangierten Flaschen und Gefäßen aber neues Leben eingehaucht wird, sollten sie unbedingt gründlich ausgewaschen werden. Getränke- oder Lebensmittelrückstände müssen vor der kreativen Transformation restlos beseitigt werden. Ebenso sollten Etiketten und Klebstoffrückstände entfernt werden. Dies gelingt problemlos, indem die Flaschen oder Gefäße für 15 Minuten in warmes Seifenwasser gelegt werden. Die Klebstoffe lösen sich auf und die Entfernung der Etiketten ist dann kinderleicht.

Upcycling bei Kleidungsstücken

Besonders in Zeiten, in denen die Fast-Fashion-Industrie Kauf- und Konsumverhalten bestimmt und Mode zu Wegwerfprodukten macht, finden viele Menschen kreative und nachhaltige Möglichkeiten, alter, abgewetzter Kleidung zu neuem Glanz zu verhelfen. Fashion-Upcycling ist dabei ganz leicht, denn aus alter Kleidung können viele neuwertige Produkte hergestellt werden. Oft braucht es dazu nur wenige Stunden Arbeit und den Einsatz von Nähmaschine und Co. und fertig ist das neue Lieblingsteil. Besonders Jeansstoffe lassen sich hervorragend aufwerten:

  • Aus abgetretenen Jeans für (Klein-)Kinder lassen sich im Handumdrehen Jeans-Shorts machen; dabei müssen nur die Jeansbeine entsprechend gekürzt und mit einem neuen Abbund versehen werden.
  • Mehrere alte Jeansteile können zu robusten Trage- oder Laptoptaschen vernäht werden
  • Mit etwas Nähgeschick lassen sich aus einer am Saum und Knie durchgescheuerten Jeans tolle Jeans-Röcke herstellen; dazu müssen die Beine gekürzt und der Schritt aufgetrennt werden; anschließend wird alles mit einer robusten Naht vernäht; schon ist die eigentlich „nutzlose“ Jeans fit für den nächsten Sommer.

Alles kann aufgewertet werden

Genauso leicht wie sich aus alten Textilien völlig neuwertige Kleidungsstücke und Accessoires kreieren lassen, können ausrangierte Geräte, Holzstücke, Bauteile und Gegenstände aller Art in neue Produkte verwandelt werden. Europaletten werden mittlerweile von vielen Menschen mit etwas Feinschliff zu individuellen Gartenmöbeln oder Wohnstubentischen gearbeitet.

Die splittrigen Paletten sollten vorher allerdings gründlich abgeschliffen und anschließend lackiert und versiegelt werden. Besonderes Augenmerk sollte beim Upcycling von Paletten auf hervorstehende Nägel gelegt werden. Da die Paletten im ersten Leben nur zu Transportzwecken eingesetzt wurden, sind sie rau, unbehandelt und grob zusammengebaut. Manchmal wird es beim Upcycling von Europaletten daher notwendig sein, Astlöcher auszusägen und Nägel zu ziehen oder mit dem Trennschleifer abzuflexen.

So gut wie jeder Gegenstand bietet ganz eigene Upcycling-Potenziale. Mit etwas Einfallsreichtum und Kreativität lassen sich neue Bestimmungen für fast jedes eigentlich „nutzlose“ Stück finden. Hier nur eine Auswahl:

  • Uralte Blechspringformen aus Omas Backküche können als Blumentöpfe Wiederverwendung finden; dafür muss der Bodeneinsatz mit Winkelstücken oder Flüssigkleber befestigt werden; mit Erde befüllt und dem passenden Unterteller versehen, kann die neue Blumenspringform innen oder außen bepflanzt werden.
  • Total im Trend sind zur Zeit Projekte, bei denen alte Nähmaschinentische in Einrichtungsgegenstände verwandelt werden; die eisernen Unterteile können neue Tischauflagen tragen oder als Waschbeckenuntertisch verwendet werden und sorgen garantiert für rustikalen Charm.
  • Besondere Hingucker an den Wänden sind Schubladen ausgemusterter Schränke; die Holzschubladen können vertikal an der Küchenwand befestigt werden; mit eingezogenen Regalbrettern sind die zweckentfremdeten Schubladen schnell zu individuellen Hängeschränken für Kaffeetassen geworden.

Upcycling kann auf ganz vielfältige Weise von jedem selbst in die Hand genommen werden. Viele Projekte sind mit wenig Vorkenntnissen umsetzbar, nicht immer braucht es Spezialgerät oder handwerkliches Geschick. Mittlerweile haben sich ganze Industriezweige auf das Upcycling von Materialien eingestellt. Verbraucher finden heute schon mühelos in Kaufhäusern und Ladengeschäften Kleidungsstücke, die besonders nachhaltig produziert wurden.

Bademode und Socken aus Kunststofffasern, die aus alten Fischernetzen hergestellt sind, sind längst keine Seltenheit mehr. Umweltbewusste Modehersteller verwenden heute schon Gummi aus alten Autoreifen, um Zehenstegsandalen zu produzieren. Möbelmanufakturen stellen bisweilen Tische, Stühle und Schränke aus dem Holz alter Baugerüste her. Es gibt unzählige Projekte und Hersteller, die den Geist der Zeit erkannt haben und Upcycling zum Geschäftsmodell gemacht haben.

Reparieren statt neukaufen

Wer nachhaltig und bewusst leben will, wird am DIY-Spirit nicht vorbeikommen. Natürlich gibt es nichts an Neuanschaffungen auszusetzen, aber dem Dauerkonsum nachzugeben, den die Wegwerfgesellschaft predigt, ist auch nicht der richtige Weg. Besonders dann nicht, wenn einem bewusst wird, wie einfach viele Gegenstände repariert werden können. Wenn der Toaster nicht mehr toastet, muss nicht zwangsläufig ein neues Gerät gekauft werden. Selbst für komplexere Geräte wie eine Waschmaschine gibt es im Internet hilfreiche Anleitungen mit wichtigen Infos zum richtigen Vorgehen bei einem Defekt.

Repair-Cafés

Für alle, die handwerklich nicht begabt sind, gibt es selbstverständlich weite Unterstützungsnetzwerke. In fast jeder Stadt finden in regelmäßigen Abständen Repair-Cafés statt. Bei diesem Veranstaltungsformat treffen sich Menschen aus einer Nachbarschaft in geselliger Runde und helfen sich gegenseitig bei der Reparatur defekter E-Geräte, Haushaltsgegenstände oder sonstiger reparaturbedürftiger Stücke. Die Veranstalter solcher Repair-Cafés sorgen dafür, dass fachkundige Heimwerker und erfahrene Reparateure vor Ort sind, die Hilfesuchenden mit Rat und Tat zur Seite stehen und live vor Ort ihre defekten Geräte reparieren.

FabLabs

Repair-Cafés sind in gewisser Weise die Pop-up-Variante des Konzepts der Selbsthilfewerkstatt. Selbsthilfewerkstätte werden meist von sozialen Einrichtungen betrieben und bieten Menschen die Möglichkeit, Werkzeug und Geräte zur Reparatur kostenlos zu nutzen. Damit wird Hilfe zur Selbsthilfe geleistet. Besonders einkommensschwache Familien, die sich umfassende Werkzeugsammlungen nicht ohne Weiteres leisten können, finden in Selbsthilfewerkstätten alles, was das DIY-Herz begehrt.

Nach dem gleichen Prinzip funktionieren auch die neumodischeren FabLabs. In dieser Art offener Werkstatt wird Privatleuten die kostenfreie Nutzung modernen technischen Geräten zur Herstellung und Fertigung von Einzelstücken angeboten. FabLabs halten eine ganze Palette technisch fortschrittlicher Geräte bereit. Privatpersonen haben hier Zugang zu 3D-Druckern, Laser-Cuttern, Pressen oder Fräsen. Damit können erfahrenere Heimwerker maßgeschneiderte Ersatzteile selbst anfertigen und defekte Geräte und Möbelstücke zu Hause reparieren – nachhaltig, ressourcenschonend und ökologisch weitsichtig.