Reise-Tipp Ein Besuch auf der Osterinsel

Die Luft ist mies und die Architektur gewöhnungsbedürftig. Dafür bezirzt die Millionenstadt Santiago de Chile mit ihrer Farbenlust und hilfsbereiten Menschen. Ein Reisebericht aus der südamerikanische Metropole. 

Santiago de Chile

Chilenische Osterinsel 

Nach zwei kurzen Tagen wird es Zeit, die südamerikanische Metropole zu verlassen und weiterzureisen. Fünf Stunden fliegt man von Santiago bis nach Rapa Nui, dann steigt man aus dem Flieger und atmet die Luft ein. Warm ist es hier. Jetzt stehe ich also auf der Osterinsel. Die wird so genannt, weil der Niederländer Jakob Roggeveen im Auftrag der Westindischen Handelskompanie am Ostersonntag, dem 5. April 1722, mit drei Schiffen dort landete. Heute gehört die Osterinsel politisch zu Chile, liegt aber im Bereich von Polynesien, wie auch Hawaii oder Neuseeland. 5000 Menschen leben hier, die Hälfte von ihnen sind eingeborene Rapa Nui, die andere meist vom Festland zugezogene Chilenen.

Sightseeing 

Natürlich will ich die berühmten Tuffsteinfiguren sehen, die Wahrzeichen von Rapa Nui. Moai werden die Monumente genannt, sie wurden aus dem Hang des Vulkans geschlagen, sind zwischen fünf und sieben Meter groß und 40 bis 70 Tonnen schwer. Rund 1000 Stück von den schweren Jungs stehen oder liegen auf der Insel verteilt, viel mehr, als ich dachte. Wir fahren zu der Plattform Ahu Tongariki nahe des Vulkankraters Rano Raraku, weil dort fünfzehn aufrechtstehende Moais zu bewundern sind. Plötzlich denke ich, ich sehe nicht richtig: Auf der Gegenspur kommt ein Reiter auf uns zu, im gestreckten Galopp jagt er das Pferd über den Asphalt. Was ich vergaß: Erst in den 50er-Jahren landete hier das erste Flugzeug, nicht jeder Haushalt ist mit Elektrizität ausgestattet, Autos gelten als Luxus, öffentliche Verkehrsmittel gibt es nicht. Da reitet man schon einmal mit einem Pferd von A nach B.

Ein entspanntes Inselvolk

Überhaupt scheint auf Rapa Nui die Zeit stehen geblieben zu sein. Die meisten Einwohner leben in einfachen Hütten über die Insel versprengt. An einer Hauptstraße finden sich Geschäfte, ein paar Einheimische verkaufen Gemüse vom offenen Wagen und verschwinden wieder in der Einöde. Das Ende der Welt ist leer: Auf einen Quadratkilometer kommen 23 Einwohner, in Deutschland sind es 230. Und der Spruch „In der Ruhe liegt die Kraft“ wurde hier erfunden. Im sogenannten Zentrum zu leben – das ist den meisten viel zu aufregend. Was machen die Menschen hier bloß den ganzen Tag? Baden gehen jedenfalls nicht: In den zwei einzigen Sandbuchten der Insel tummeln sich ausschließlich Touristen. 

Dort stehen sie nun. 1500 Jahre sind die Moais etwa alt, jetzt ragen sie vor mir auf wie ein dreistöckiges Haus und werfen lange dunkle Schatten auf das helle Grün. Ich bin ein Floh. Zu ihren Füßen fühle ich mich winzig und unbedeutend. Nichts scheint im Angesicht dieser Wunderwerke unmöglich – Aliens, Ufos, Weltuntergang, Yetis. Die Moais sollen Ahnen sein, eine Verbindung zwischen dem Diesseits und dem Jenseits. Wie riesige düstere Mahnmale recken sie sich in den Himmel und blicken über mich hinweg in die Ferne. Mit einem Mal stolziert zwischen zwei Statuen ein Hahn hindurch. Er bleibt stehen und kräht aus voller Kehle, als ob er auf einem Misthaufen in Dithmarschen stehen würde. 

Nicht gerade ein Ureinwohner. Ich denke darüber nach, wie anders es ausgesehen haben muss, als die Statuen errichtet wurden. Dichte Palmwälder bedeckten einst die vulkanische Insel, dann kam der Mensch. Die Polynesier rodeten fast sämtliche Bäume – wahrscheinlich, um die Figuren an ihren Bestimmungsort zu rollen, sie schleppten fremde Tiere und Pflanzen ein – ein ökologischer Super-GAU. Was geblieben ist, sind ihre Steinfiguren, die ungerührt über das kahle Land blicken. Hinter den Moais rauscht das Meer, türkisblaue Wellen brechen sich am schwarzen Vulkanstein, weiße Gischt stäubt ins Blau. Ein paar Einheimische angeln am Meer, wie wahrscheinlich schon vor 1500 Jahren. Das tut man hier also den ganzen Tag. Fischen. Manche Dinge verändern sich nicht. 

 

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