Lifestyle Teens und der Mythos der Verwandlung

Bücher, Filme, TV-Serien - Vampire sind überall. Warum faszinieren sie uns so sehr? Da muss doch mehr dahinter stecken als die vielen sexy Schauspieler...

Vampire in Hollywood

Der Vampir war zuerst Mensch und wird dann zum Überwesen. Besonders in zeitgenössischen Vampir-Geschichten nimmt der Konsument Teil an dieser Verwandlung. Wir sehen, wie Jessica in "True Blood" zum Vampir gemacht wird, wie Caroline in den "Vampire Diaries" plötzlich neue Zähne wachsen und wie Bella in "Twilight" nach dem Erwachen mit nun roten Augen in die Welt blickt. Eines haben alle Transformationen gemeinsam: Sie sind nicht leicht. Die frisch-gebackenen Vampire müssen sich an das neue Leben gewöhnen, an neue Gelüste (nach Blut, zum Beispiel), an neue Zwänge (wie die Gefahr der Sonne) und an eine neue Rolle in der Gesellschaft, in der sie leben. Meistens geht die Verwandlung sogar mit einem Abschied vom früheren Ich einher, mit einer Abkehr von der eigenen Familie und von Freunden. Auch Teenager machen eine Transformation durch, wenngleich eine nicht ganz so drastische. Auch sie lösen sich von ihrem kindlichen Selbst und häufig auch von ihren Familien. Sie erleben die Welt plötzlich anders; Eindrücke und Empfindungen verschieben sich, ihr Status in der Gesellschaft wird ein anderer. Die Parallelen zum Mythos der Vampirwerdung sind offensichtlich.

Dennoch wollen wir natürlich die bereits angesprochene sexuelle Komponente des Vampir-Phänomens nicht außer Acht lassen. Seien wir doch mal ehrlich Sex, bzw. die Andeutung von Sex, macht für Teenager alles ein wenig interessanter. Das bedient das Vampir-Genre perfekt. Wenngleich zu Beginn noch gut versteckt, hat der Vampir der Neuzeit stets einen sexualisierten Unterton. Psychologische Deutungen von Vampir-Filmen gibt es dabei viele: Der Vampir selbst ist der verboten Begehrte, der Biss steht für Sex. Ganz so metaphorisch muss man an die Sache vielleicht gar nicht rangehen. "Es ist ganz einfach", erklärt Schauspieler Ian Somerhalder ("Vampire Diaries"). "Als Vampir will ich an Deinen Hals. Und damit Du mich an Deinen Hals lässt, muss ich Dich verführen."

Formate für Teenager haben dabei eine deutlich andere Herangehensweise als Formate für Erwachsene. Teilweise fast moralisierend werden für die heranwachsenden positive Rollenmuster aufgezeigt. Die Zuschauer sind zum Großteil weiblich und gerade sie, junge Mädchen, sollen starke Rollenvorbilder präsentiert bekommen. Eine der erfolgreichsten Vampir-Serien aller Zeit, "Buffy - Im Bann der Dämonen", lebt von der starken Hauptfigur, einer Vampir-Jägerin die sich zwar in Vampire verliebt, sich von ihnen aber niemals ihrer eigenen Kraft berauben lässt. Buffy und auch Kollegin Faith stehen für feminine Selbstsicherheit, gute Vorbilder für werdende Frauen. Auch Sex ist noch nicht so provokativ wie in Vampir-Formaten für Erwachsene. Lange wird in der "Twilight"-Reihe nur geschmachtet, Sex wird gar als gefährlich für die viel zu zerbrechliche (weil menschliche) Bella gezeichnet. Dennoch ist der Sex, das Begehren, natürlich die ganze Zeit gegenwärtig; schließlich bleibt dem Mädchen dieses besondere Vergnügen nur verwehrt, weil ihr derzeitiger Lover eben ZU leidenschaftlich, ZU animalisch ist. Sexualität zwischen verruchtem, gar zerstörerischem Tabu und unvergleichbarem, Erfüllung verheißendem Versprechen.

Autor: Judith Schröder