petras Life - Ausprobiert Grüner Luxus

Das Auto verkaufen, den Fernseher abschalten, Bambusunterwäsche tragen: Funktioniert das? PETRA-Mitarbeiterin Heike Predikant folgte zwei Wochen lang ihrem Neujahrsvorsatz, eine moderne Umweltschützerin zu werden. Ein Experiment mit nachhaltigen Folgen.

LOHAS - ein Öko-Selbstversuch

Die neuen Genießer lieben den Luxus – aber bitte in Grün!  

Vom „Kaffee für den täglichen Aufstand“ – er wird vom Hamburger Café Libertad Kollektiv aus dem Hochland Mexikos importiert – nehme ich gleich vier Päckchen mit. Schließlich möchte auch ich die zapatistischen Bauern unterstützen, damit sie weiterhin in traditioneller Weise anbauen und auf Kunstdünger verzichten können. Und tatsächlich: Der Kaffee schmeckt köstlich! Die Chips aus Jasmin-Reis allerdings finde ich gewöhnungsbedürftig. Und für den Nackthafer und den hirseähnlichen Amarant muss ich erst mal passende Rezepte suchen. Die verrottbaren Abfallsäckchen, die zertifizierten Putzmittel und Wattepads hingegen kommen gleich zum Einsatz und leisten mir beste Dienste. 

Würde ich es allerdings noch genauer nehmen, müsste ich nackt herumlaufen. Denn mein Kleiderschrank weist eine katastrophale Ökobilanz auf. Der Stapel mit Teilen aus Kunstfasern wirkt wie ein Achttausender – imVergleich zu dem Häufchen mit dem Poncho aus organischer Wolle, den handgemachten Sandalen aus Capri und der selbstgestrickten Mütze. Den ganzen Altbestand auf einen Schlag gegen grüne Neuware auszutauschen  käme jedoch einer Materialschlacht gleich, die wiederum jeden Ökoaktivisten auf den nächsten Baumtreiben würde. Außerdem bräuchte ich einen Fünfer im Lotto mit Zusatzzahl. Mein Sanierungsplan: Die Sachen auftragen und Mich nach und nach mit GreenFashion eindecken. Als modisches Signal für die Zukunft kaufe ich schon mal ein Oberteil aus Biobaumwolle (100 Prozent!): ein schwarzes Mahnmal in meinem Schrank. Meine kritischen Freunde lästern: Ablasshandel. Karmakonsum. Shoppen fürs gute Gewissen. So nennen sie mein verändertes Kaufverhalten. Seit Neuestem begrüßen sie mich auch noch mit „A-loha“. Doch ich bemühe mich, die anderen eines Besseren zu belehren. Als etwa Florian eine XXLSchublade öffnet und mir stolz seinen Vorrat an herkömmlichen Glühbirnen präsentiert, klappt mein Zeigefinger so schnell hoch wie meine Kinnlade runter.   Wie eine strenge, übereifrige Dozentin höre ich mich sagen:„Was willst du mit diesen Dinosauriern? Wenn wir alle Sparlampen verwenden würden, könnten wir bis 2020 soviel Energie einsparen, dass man damit elf Millionen Haushalte versorgen kann. Täglich.“