Musik Diese jungen Rockstars haben uns den Kopf verdreht

Von allen Seiten trällern uns derzeit wahnsinnig niedliche Jungs die Ohren voll. Sie singen von der Liebe, können gucken wie Bambi – und wir schmelzen ungebremst dahin. Aber: Die Musiker sind gerade mal halb so alt wie wir.

Ed Sheeran

Mädels mit einem gewissen Hang zur Melodramatik sollten in diesen Tagen iTunes, Radio und YouTube lieber meiden. Sie laufen nämlich erhöht Gefahr, sich schock zu verknallen. Ständig. Und immer wieder neu. Eine nie da gewesene Schwemme an Jungs mit Gitarren, brillanten Stimmen und den traurig-schönsten Texten der Welt bricht diesen Sommer über uns herein. Man weiß gar nicht, wen man zuerst toll finden soll. Vielleicht Jake Bugg? Der klingt nicht nur ein bisschen wie der junge Bob Dylan, sondern ähnelt ihm auch etwas – quasi eine weich gezeichnete Version mit dunkler Wuschelmatte und Kippe im Mundwinkel.

Einer süßer als der andere: Ed Sheeran, Harry Stiles und Max Prosa

Oder Ed Sheeran (oben), der Rotschopf mit dem Hundeblick und der Topsingle "The A Team"? Mit 19 spielte er über 300 Gigs, 2012 gab es zwei Brit Awards, heute ist er 22 und ganz oben angekommen. Harry Styles von der Band One Direction, dem Taylor Swift auch schon nicht widerstehen konnte? Oder Max Prosa, Dichter aus Berlin-Charlottenburg und 1990 geboren, der so zauberhaft wie lange keiner mehr vom Sichverlieben, Fröhlichsein und Barfuß-durch-das-nasse-Gras-Toben singt?

Zu jung zum Schwärmen?

Nach etlichen Jahren Gaga und gelecktem Plastikpop stürmen jetzt Singer-Songwriter die Charts, die schlau und hinreißend von Sehnsucht und Liebe singen. Diese Typen sind eine Wucht. In die muss man sich einfach verlieben. Oder sollte man nicht? Keiner dieser Jungs ist älter als 24. Das heißt, meine Damen: Die wurden in den Neunzigern geboren. Den Neunzigern! Wir erinnern uns: Als wir unseren ersten Apfelkornrausch hatten, tranken die noch Muttermilch. Diese Kiddies sollen uns jetzt das Herz stehlen? Also mal ehrlich, ist das nicht ein bisschen peinlich?

Jake Bugg und Cro - Muttersöhnchen?

Nehmen wir noch einmal Jake Bugg. Jahrgang 1994, seit Kurzem Superstar: Leona Lewis von der Chartspitze gekickt, mit Lana Del Rey und Noel Gallagher auf Tour. Neulich sprach ihn eine Reporterin auf seine Schuhe an. Die seien sehr hübsch. "Uhm, äh…", wand sich der neue Dylan wie ein Konfirmand, "das ist das erste Paar, das ich mir je selber gekauft habe." Und das auch nur, weil er auf Tour war. Sonst kümmert sich nämlich seine Mama um solche Sachen, bei der zu Hause er immer noch wohnt.

Wie auch der Stuttgarter Soft-Rapper Cro, 23, bis vor Kurzem. So viel zum Thema "Bitte Baby, mach dir nie mehr Sorgen um Geld, gib mir nur deine Hand, ich kauf dir morgen die Welt". Es müsste ja eigentlich heißen: "Wenn Mama einverstanden ist, darfst du zum Frühstück bleiben." Gestandene Mädels wie wir können sich doch nicht in singende Ödipussis verlieben.

Autor: Nina Anika Klotz

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Quelle: Petra, Ausgabe 07/2013