Kultur Der Horror-Film wird weiblich

Grusel! Kreisch! Immer mehr Frauen gucken Horrorfilme, Hollywood setzt auf Schocker mit Starbesetzung. PETRA-Autor Olaf Schneekloth fragte sich, was hinter diesem Trend steckt.

Frau schaut Horrorfilme

Eine Beobachtung, die sich mit der aktuellen Studie "Der Horrorfilm und seine Zuschauerinnen" der Kulturwissenschaftlerin Solveig Wrage deckt. Sie fand heraus, dass gerade dieses Wechselbad der Gefühle einen großen Reiz ausmacht – und dass diese Filme keine heile Welt vorgaukeln. Eine Romanze mit Happy End lässt die Zuschauerin unter Umständen eher unbefriedigt zurück, weil sie irreale Sehnsüchte weckt. Horror funktioniert genau andersherum. Ist der "schreckliche" Film erst einmal überstanden, folgt pure Erleichterung: Gott sei Dank sieht’s in meinem Leben nicht so düster aus.

Den männlichen Beschützer brauchen wir nicht mehr

Außerdem kann man sich völlig gefahrlos, aber dafür lustvoll mit den eigenen Ängsten auseinandersetzen. Genuss aus sicherer Distanz, am liebsten mit Gleichgesinnten – aber ohne Männer. Denn nur so lässt es sich hemmungslos gruseln, zittern, mitgehen, ohne einen aufdringlich "tröstenden" Beschützerarm um die Schultern fürchten zu müssen. Über dieses blöde Klischee sind Frauen nämlich längst hinaus, so Solveig Wrage.

Die neuen Horror-Filme bedienen weibliche Themen

Filme, die sich für einen Horror-Mädelsabend eignen, gibt es mittlerweile auch mehr als genug. Hollywood hat schon vor Jahren erkannt, dass diese Zielgruppe mit Heldinnen, weiblichen Bösewichten und weiblichen Blickwinkeln bedient werden will. Frauen ausschließlich auf die bloße Opferrolle zu reduzieren – geschenkt! In nächster Zeit toben deshalb viele furchterregende Übermütter ("Mama") und unheimliche Mädchen ("Stoker", "Carrie") über die Leinwand. Ein Underground-Schocker wie "American Mary" verarbeitet das Frauenthema Schönheits-OPs auf sehr einschneidende Weise – und gedreht wurde dieser wirklich eklige Film von Frauen: den kanadischen Zwillingsschwestern Jen and Sylvia Soska. Und am Drehbuch des "Evil Dead"-Remakes sorgte Oscarpreisträgerin Diablo Cody für den Female Touch. Sie verspricht einen "unglaublich gewalttätigen Film". Na dann!

Horror macht schlank - wirklich wahr!

Wer sich so gar nicht für Horror erwärmen kann, den stimmt vielleicht eine Studie der Universität von Westminster um. Dort fand man heraus, dass Gruselschocker beim Abnehmen helfen. Am erfolgreichsten: "Shining" von Stanley Kubrick. Durchschnittlich verbrannten die Testpersonen beim Schauen vor Aufregung so viele Kalorien wie bei einem halbstündigen Spaziergang. Wenn das kein Grund ist, ins Kino zu gehen.

Autor: Olaf Schneekloth

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