Der große Schertag

Diese Frau behauptet sich im letzten Männerberuf: Johanna Wokalek spielt in der Bestseller-Verfilmung „Die Päpstin“. Höllisch gut und himmlisch intensiv. Das PETRA-Interview, von ihr persönlich abgesegnet.

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PETRA: Als „Die Päpstin“ tragen Sie Tonsur. Jetzt sind die Haare wieder da

Zum Glück! Ich habe den Maskenbildner im Vorfeld gefragt, ob man das nicht anders lösen kann. Aber wir haben so lange in Marokko gedreht, da steht sogar im Oktober die Sonne senkrecht, da wäre es mühselig gewesen, ständig eine Tonsur anzukleben. Deshalb kam der große Schertag. Bis dahin hatte ich eigentlich immer lange Haare. Die kurzen Haare haben mir geholfen, ein Gefühl zu bekommen für das „Mann-sein“. 



Wie fühlte es sich an, eine Frau zu spielen, die so tun muss, als sei sie ein Kerl?

Es ist ja keine klassische Hosenrolle. Die Kutte ähnelt eher einem körperfernen Kleid. Natürlich musste ich anders gehen, aber als so großen Unterschied habe ich es nicht empfunden. 

„Die Päpstin“ wurde auf Englisch gedreht, mit John Goodman als Co-Star und Papst-„Vorgänger“. Wie viel Hollywood erlebten Sie am Set in Marokko?

Irgendwann hieß es: Jetzt kommt John Goodman. Es wurde sehr nett. Wir waren in Apartments untergebracht, ich klopfte bei ihm, und dann stand dieser riesige Mann vor mir, guckte an mir runter und meinte: „Da ist der kleine Papst, hier ist der Große.“ Und dann nahm er noch seine Mütze runter und sagte: „Guck dir mal meine große Tonsur an“, und ich hab meine kleine gezeigt. Der Dreh war für mich wirklich sehr schön! 

Wie war es, am Set allein unter Männern zu sein?

Ich fand es sehr angenehm, aber danach habe ich gedacht: Jetzt ist auch mal gut, jetzt mal wieder ein Kleid oder einen Rock. 

Fänden Sie es reizvoll, im Mittelalter zu leben?

Nein, auf keinen Fall. Schon gar nicht als Frau. Ein Mädchen, das damals lesen und schreiben lernen wollte, musste sich regelrecht widersetzen. 

Autor: Carolin Streck

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