Durch dick und dünn Der große Freundinnen-Knigge

Mit ihnen kann man über alles reden: tolle Männer, nervige Chefs und verrückte Träume. Nur wenn es um Probleme miteinander geht, fehlen einem manchmal die Worte. So löst ihr kleine und große Krisen

Gute Freundinnen gehen spazieren

Eigentlich ist alles okay. Wenn sie sich nur nicht so oft die gleichen Klamotten kaufen würde wie man selbst. Oder mal über ein anderes Thema reden könnte als ihr Baby. Oder einem nicht dieses blöde Geheimnis erzählt hätte. Und schließlich ist man selbst auch nicht ganz ohne. Aber müssen wir da unbedingt drüber reden? Ja, sagt die Kölner Diplompsychologin Daniela Scharf. Und auch kleine Dinge, die einen stören, besser gleich klären, damit gar nicht erst eine große Sache draus werden kann. Zum Beispiel so wie in den folgenden 15 typischen Situationen.

1. Der Auftritt im Partner-Look

DIE SITUATION: Sie haben sich ein tolles Kleid gegönnt. Plötzlich siehst du doppelt: Die Freundin, der du deine Errungenschaft zuerst vorgeführt hattest, hat sich exakt das gleiche Teil gekauft – und sagt auch noch stolz: „Guck mal, hab ich jetzt auch!“ Als das kürzlich schon mal vorkam, dachtest du noch, es sei Zufall. DIE LÖSUNG: Du könntest dich für die Treffen mit ihr in die Fetzen hüllen, die Sie schon in den Lumpensack gesteckt hatten. Oder dir sämtliche Garderobe maßschneidern lassen. In Erwägung ziehen, nur noch schwer zu Beschaffendes auf Reisen zu besorgen („Du, das hab ich irgendwo in Soho gekauft“ – ätsch). Oder ausschließlich Einzelteile bei Ebay ersteigern. Zu kompliziert? Dann sprich die Dame freundlich darauf an: „Stimmt, das Kleid ist toll, aber ich laufe nicht gern im Partner-Look rum.“ Bitte sie, in deinem Beisein etwas anderes zu tragen. Und biete dich als Einkaufsberaterin an. Dann finden beide etwas Tolles.

2. Sich bei ihr zu Hause einnisten

DIE SITUATION: Du übernachtest bei einer Freundin. Die empfängt dich mit den einladenden Worten: „Fühl dich ganz wie zu Hause.“ Aber was heißt das eigentlich genau? DIE LÖSUNG: Wenn du die Einladung wörtlich nimmst und „wie zu Hause“ stundenlang telefonierst, deine Klamotten im Flur verstreust, Haare im Duschausguss lässt und die 100-Euro-Antifalten-Creme auf dem Badezimmerbord halb aufbrauchst, könntest du bald eine Freundin weniger haben. Daniela Scharf: „Wie weit man sich in einer fremden Wohnung frei bewegen kann, hängt sehr von der Art und Tiefe der Freundschaft ab. Vorsicht ist in jedem Fall geboten bei allem, was verschließbar ist: Schubladen, Kleider- und Vorratsschränke, Tiegel. Auch der Kühlschrank ist manchmal eine Art Intimzone.“ Im Zweifel lieber einmal zu viel fragen und die Erlaubnis der Freundin einholen.

3. Mitwisserin wider Willen

DIE SITUATION: Du sitzt mit einer Freundin im Beachclub. Beim x-ten Mai Tai erwähnst du, der Freund einer gemeinsamen Freundin sehe ein bisschen aus wie Jake Gyllenhaal. Da guckt Ihr Gegenüber komisch. „Was ist?“, fragst du noch und ahnst es: Sie hatte was mit „Jake“. Schon erzählt sie, wie es dazu kam (Sommerfest), wie er küsst (toll). Und zum Schluss: „Aber das bleibt ja unter uns?!“ DIE LÖSUNG: Im Drama hieße deine Situation „tragisch“: Deine Freundin hat dir ein Geheimnis anvertraut. Und erwartet – zu Recht –, dass du nichts weitererzählst. Auf der anderen Seite steht die zweite Freundin. Sollte die nicht erfahren, was ihr Liebster heimlich treibt? Und dass eine ihrer Freundinnen schwindelt? Die Psychologin: „Denk in so einer Situation vor allem an dich selbst und daran, womit du dich am besten fühlen.“ Feste Prinzipien können helfen. „Wenn du für dich festgelegt hast, dass Geheimnisse – egal, welcher Art – zu wahren sind, bist du aus dem Schneider.“ Ansonsten abwägen: Welche Freundin ist mir wichtiger? Und: Läuft die Affäre noch? Vielleicht war es ja „nur“ ein Ausrutscher? Dann ist es oft besser, den Mund zu halten.

4. Zu wenig Zeit, um sie zu treffen

DIE SITUATION: Du musst dienstlich nach Berlin. Dort wohnen zwei deiner Freundinnen. Mit Freundin I hast du dich für abends verabredet. Freundin II bekommst du nicht mehr in deinem Terminplan unter. Preisfrage: Musst du trotzdem Bescheid sagen, dass du in der Stadt bist? DIE LÖSUNG: Musst du nicht. Trotzdem solltest du, so die Expertin, gedanklich eine Szene durchspielen: Was sagst du, wenn du die ahnungslose Dame zufällig beim Italiener triffst? „Ähh, ich ähhh ...“ Schlauer wär’s, vorher eine E-Mail zu schicken: „Ich bin in der Stadt, werde aber leider keine Zeit haben, dich zu sehen. Ich hoffe, es klappt nächstes Mal.“

5. Mamma mia–nur noch ein Thema

DIE SITUATION: Deine Freundin ist Mutter geworden und redet nur noch über Brei und Bäuerchen. Ist es besser, sich erst mal zurückzuziehen? Muss man sich als Babysitter anbieten, obwohl man mit dem Zwerg nichts anfangen kann? Umgekehrt: Was, wenn du selbst Mutter geworden bist – ist Schnullerschwatz mit kinderlosen Freundinnen tabu? DIE LÖSUNG: Ändern sich bei einer die großen „Lebensthemen“, wird’s in der Freundschaft schwierig. Niemand muss sich stundenlang Geschichten über Windelinhalte anhören, umgekehrt ist es aber blöd, sich gerade das Thema zu verkneifen, das den Alltag bestimmt. Das Zauberwort heißt Empathie – also sich ineinander einzufühlen. Die Psychologin: „Es macht eine Freundschaft aus, dass man zentrale Ereignisse miteinander teilt.“ Beide Seiten sollten ebenso zuhören wie erzählen. Neu-Mütter können der Freundin eine Baby-talk-Stopp-Taste anbieten: „Sag bitte, wenn es zu viel wird.“ Und: Wer sich mit Babysitten überfordert fühlt, lässt es eben.

6. Deiner oder meiner? Männer.

DIE SITUATION: Der Typ ist eine Erscheinung, da sind du und deine Freundin sich einig: diese Rehaugen, der Humor, die gut proportionierten 1,85 m ... Doch du bist bereits in festen Händen. Deine Freundin hingegen ist gerade mal wieder Single. Darfst du ihn trotzdem anflirten? DIE LÖSUNG: Natürlich darfst du als glücklich Liierte auch mal einen Blick auf hübsche Kerle werfen und den ein oder anderen Augenaufschlag riskieren. Ruhig auch gemeinsam mit deiner Freundin, so ein Dreierflirt hat seine speziellen Reize und beschert euch für Wochen Gesprächsstoff. Ist deine Single-Freundin aber ernsthaft an dem Mann interessiert – im Zweifel klärst du das kurz auf der Damentoilette –, gehört es zum guten Ton, ihr den Vortritt zu lassen. Und mal ehrlich, was willst du mit zwei Männern? Andererseits ...

7. Unterlassene Hilfeleistung?

DIE SITUATION: Deine Freundin soll mehr Steuern nachzahlen, als ihr Dispo hergibt. Sie druckst rum: „Du, kannst du mir was leihen – so 2.000 Euro?“ Vielleicht arbeitest du auch in einer Bank, und eine Freundin bittet dich, für sie Erkundigungen über eine Firma einzuziehen. Käme das raus, wärst du allerdings sofort deinen Job los. DIE LÖSUNG: „Zieh klare Grenzen. Freundschaft bedeutet nicht, dass man alles füreinander tun muss“, erläutert Daniela Scharf. Natürlich kannst du deiner Freundin 2.000 oder 20.000 Euro leihen, wenn du zum Beispiel Heidi Klum heißt und mit Werbeverträgen Millionen scheffelst. Faustregel: keine Summe verleihen, die man nicht auch verschenken würde. Hast du aus anderen Gründen ein ungutes Gefühl: Lass es! Biete deiner Freundin lieber an, gemeinsam mit ihr einen Finanzplan zu erstellen. „Finger weg“ gilt für Bürgschaften und alles Illegale, ob es „nur“ um ein paar Infos geht oder um härteren Tobak wie Drogenbeschaffung. Aus Gefälligkeit ins Gefängnis kommen möchtest du sicher nicht, oder?

8. Eine Freundschaft beenden

DIE SITUATION: Die Treffen mit ihr bringen dir schon lange nichts mehr. Du hast das Gefühl, dass die gemeinsame Basis futsch ist. Und zu erzählen fällt dir deshalb auch nichts Wichtiges mehr ein. Dir reicht’s, du möchtest die Freundschaft beenden. Aber wie? DIE LÖSUNG: Viele Freundschaften verlaufen im Sande. Weil sich eine von beiden auf E-Mails, SMS oder Anrufe nicht mehr meldet. Die Psychologin: „Die meisten Leute kapieren irgendwann, wie der Hase läuft.“ Halte also eine Weile durch. „Beharrt das Gegenüber weiter auf Kontakt, kommt man nicht drumherum mitzuteilen, dass man die Freundschaft als beendet betrachtet.“ Der einzige allgemeingültige Tipp dafür: Sei ehrlich. Weh tut’s in jedem Fall. Sieh es positiv: Nachdem du das Gespräch hinter dich gebracht haben, bleibt dir mehr Zeit für deine wahren Freundinnen.

9. Vom Geben und Nehmen

DIE SITUATION: Ewig hörst du nix – und plötzlich meldet sich deine verschollene Freundin mit den blumigsten Worten. Schnell durchschaut: Sie will sich mal wieder dein Auto borgen. Deine Hilfe beim Umzug anfragen. Oder deinen i-Pod für den Urlaub leihen. DIE LÖSUNG: Kommen solche Situationen immer wieder vor, musst du lernen, „nein“ zu sagen. Oder „Ich fühle mich ausgenutzt.“ Darauf muss sie reagieren. Aber dass du ihr in Notsituationen jederzeit hilfst, ist ja wohl Ehrensache, oder?

10. Modische Fehlgriffe entlarven

DIE SITUATION: Dir wird schwindelig, denn vor dir wirbelt ein kreischbuntes Wesen herum und fragt: „Wie findest du’s?“. Unglücklicherweise hat die fragwürdige Umhüllung eines Jung-Designers so viel gekostet wie ein halbes Reitpferd. Musst du jetzt die Wahrheit sagen und die Freundin davor bewahren, sich zum Gespött zu machen? DIE LÖSUNG: Musst du. Dafür sind Freundinnen da – falls sie ein Gewissen haben. Natürlich lässt sich über Geschmack streiten, aber du solltest deine Bedenken zumindest äußern: „Wenn du mich so fragst, muss ich dir ehrlich sagen: gefällt mir nicht.“ So hat deine Freundin Gelegenheit, die Sache zu überdenken und sich nicht wie der Kaiser mit den „neuen Kleidern“ lächerlich zu machen, weil alle höflich behaupten, sie sähe toll aus. Vielleicht kann sie den halben Gaul ja auch zurückbringen – oder in den Secondhand-Laden.

11. Gemeinsame Pläne wackeln

DIE SITUATION: Zusammen habt ihr einen Kurz-Trip gebucht. An die Ostsee, mit allem Pipapo. Seit Monaten redest du davon – dann fällt dir ein großartiges Jobangebot vor die Füße. Der Haken: Du musst dich in der Woche vorstellen, in der ihr an die Ostsee wolltet. DIE LÖSUNG: „Diskutiert solche Interessenkonflikte offen“, rät die Psychologin. „Vielleicht findet ihr gemeinsam eine Alternativlösung.“ Eine echte Freundin wird triftige Gründe verstehen (eine spontane Einladung deines Lovers nach Südfrankreich gilt nicht als triftiger Grund!). Möglicherweise könnt ihr den Urlaub auch um ein paar Tage verschieben. Oder deine Freundin vergnügt sich zwei Tage allein. Hilft alles nichts und ihr müsst stornieren, versteht es sich von selbst, dass du die Kosten für beide trägst.

12. Das Dilemma des Verleihens

DIE SITUATION: Deine Freundin entdeckt den neuen Roman von Cecilia Ahern in deinem Regal – und fragt, ob sie ihn mitnehmen kann. Im Buch steht aber eine Widmung der Autorin, und nach deiner Erfahrung sieht man diese Art Leihgaben nie wieder. Musst du trotzdem ja sagen? DIE LÖSUNG: Nein. Sag ihr, dass du generell keine Bücher (CDs, Klamotten) verleihst. An niemanden. Niemals. Keine weitere Erklärung nötig. Daraufhin ist sie vermutlich beleidigt. Wenn du findest, dass kein Buch das wert ist, gib es ihr mit der Bitte, es unbedingt zurückzubringen. Und erinnere sie nach sechs Monaten freundlich daran.

13. Zusammen verreisen

DIE SITUATION: Ihr fahrt mit deiner Mädels-Clique ins Wellness-Hotel, versteht euch blendend. Na ja, fast. Denn eine leistet der Harmonie beharrlich Widerstand. Will lesen, wenn alle spazieren gehen, und rumlaufen, wenn alle sich ausruhen. Meckert am Essen rum, beschwert sich über Personal und Wetter. Kurz: eine echte Nervensäge. DIE LÖSUNG: „Hinter Gemecker steckt oft ein anderes Problem“, sagt Daniela Scharf. Versucht darum erst mal zu ergründen, ob sie privaten Kummer oder Stress hat – ein Gespräch wirkt manchmal Wunder. Ansonsten gilt: nicht still ärgern und auch keinesfalls ständig nachgeben, sondern sofort ansprechen, was euch am Benehmen der Mitreisenden stinkt. Und zur Not einfach getrennte Wege gehen.

14. Aufmerksamkeits-Defizit

DIE SITUATION: Deine Freundin hat Probleme. Seit Monaten jammert sie über den bösen Chef, den gemeinen Partner, das Minus auf dem Konto ... Andere Themen (deine zum Beispiel) kommen gar nicht mehr aufs Tapet. Kann man ihr höflich zu verstehen geben, dass sie ziemlich egoistisch ist? DIE LÖSUNG: ... besteht manchmal in professioneller Hilfe. Freunde sind keine permanenten Seelenmülleimer. „Gib zu, dass du dich überfordert fühlst und nicht weiter weißt“, sagt Daniela Scharf. „Frag sie, ob sie schon mal daran gedacht hat, sich Rat beim Psychologen zu holen. Auf keinen Fall solltest du dich so lange zutexten lassen, bis du selbst so genervt bist, dass die Freundschaft sowieso im Eimer ist.“ Auch Ablenkung kann manchmal funktionieren: Geht zusammen ins Kino, macht Sport, so kommt deine Freundin auf andere Gedanken – und Themen.

15. Wir müssten mal wieder ...

DIE SITUATION: Du hast ordentlich was um die Ohren: die Kinder, deinen Job, die Bulldogge mit Aufmerksamkeits-Defizit, den Mann mit ähnlichen Symptomen ... Schon wieder sind zwei Monate rum, in denen du nicht mal mit einer deiner Freundinnen telefoniert hast. Gibt es Richtlinien, wie oft man sich bei Freunden melden sollte? DIE LÖSUNG: Manche Freundschaften sind genügsam wie Kakteen und fühlen sich sogar nach langen Nichtmelde-Phasen noch nah und vertraut an. Doch auch Kakteen gedeihen besser, wenn man sie ab und an gießt, und Blüten bekommen sie nur bei ausdauerndem Düngeprogramm. Der Zeitmanagement-Papst Lothar Seiwert empfiehlt deswegen folgende Systematik: Ruf alle zwei Tage zwei deiner guten Freundinnen an, alle ein bis zwei Monate triffst du dich mit jeder für mindestens ein paar Stunden. Psychologin Scharf plädiert für Qualität: „Nimm dir Zeit. Gebt euch gegenseitig Raum, über Gefühle zu sprechen. Die Hauptfunktion von Freundschaften sind heute emotionaler Austausch und Bindung.“ Und: „Übe kleine Gesten. Wenn du am gemeinsamen Lieblingscafé vorbeigehst, schicke ihr einfach eine SMS: Musste gerade an dich denken! Wie geht’s?“

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