Musik Abseits von Klavier und Gitarre - besonders klangvolle Instrumente, die kaum jemand kennt

Viele von uns haben als Kind gelernt ein Musikinstrument zu spielen. Meistens war das eine Blockflöte, ein Klavier oder ein Schlagzeug. Neben diesen in unseren Breiten sehr verbreiteten Instrumenten gibt es aber auch klangvolle Instrumente, die kaum jemand kennt. Wir stellen Euch ein paar sehr schöne und gut klingende Musikinstrumente vor, von denen Ihr vielleicht noch nie etwas gehört habt.

Didgeridoo

Es müssen nicht immer die „Klassiker“ sein

Manchmal kommen unsere Kinder schon im Kindergartenalter, spätestens aber in der Schule im Rahmen des Musikunterrichts mit verschiedenen Musikinstrumenten in Berührung. Nicht selten wird dabei ein besonderes Talent entdeckt und das Kind lernt den Umgang mit dem Musikinstrument. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um die folgenden „Klassiker“:

Blockflöte/Querflöte
Klavier/Keyboard/Orgel
Gitarre/E-Gitarre
Schlagzeug/Percussion
Violine/Cello/Kontrabass

Ursache für diese eingeschränkte Vielfalt ist der Lehrplan, der vor allem das Kennenlernen der in Deutschland bzw. in Europa bekannten Musikinstrumente und der dazugehörigen Historie vorsieht. Das älteste, gefundene Musikinstrument ist übrigens eine 35.000 Jahre alte Flöte aus einem Knochen des Gänsegeiers.

Neue Horizonte in der Musik – „exotische“ Musikinstrumente

Wenn wir die echte Vielfalt kennenlernen möchten, die es im Bereich der Musikinstrumente gibt, dann müssen wir im wahrsten Sinne Grenzen überschreiten und in weiter entfernte Länder oder Kontinente blicken.

Cajón – von der Lebensmittelkiste zum Musikinstrument

Percussioninstrumente sind bei vielen Musikern aufgrund ihrer großen Flexibilität und ihrer Klangintensität beliebt. Mit den Cajónes ist eine kaum noch wegzudenkende Variante hinzugekommen. Ursprungsort der Cajón ist Peru. Der Begriff stammt aus dem Spanischen und kann mit „Schubkasten“ oder „Schublade“ übersetzt werden. Cajónes haben sich aus Transportkisten für Lebensmittel und Fisch entwickelt, die von Sklaven als Musikinstrumente verwendet wurden. 


In Peru gab es bis ins 19. Jahrhundert hinein die Sklaverei und nachdem die aus Afrika stammenden Leibeignen ihre traditionellen Trommeln nicht mehr zur Verfügung hatten, nutzten sie einfache Holzkisten, um gemeinsam Musik zu machen und ihr Gemeinschaftsgefühl auszudrücken. Durch die Cajónes wird ein sehr warmer Grundton erzeugt, der besonders im Zusammenspiel mit anderen rein akustischen, unverstärkten Musikinstrumenten seine ganze Kraft entfaltet. Wenn Ihr dieses vielseitige Instrument richtig spielen möchtet, solltet ihr schon ein wenig Zeit investieren. Aber bekanntermaßen ist ja noch kein Meister vom Himmel gefallen. 


Tavalimba – Lamellophon mit afrikanischen Wurzeln

Die Tavalimba gehört zur Gattung der Lamellophone und ist sozusagen die nächste Generation der vielleicht eher bekannten Kalimba. Die Tavalimba gehört zu den Instrumenten, mit der traditionelle afrikanische Musik gemacht wird. Als Ursprungsort gilt das Afrika südlich der Sahara, wo sich verschiedene Formen von Musikinstrumenten entwickelt haben, die man zur Gattung der sogenannten Zupfidiophone zählt. Das Spielen ist relativ einfach, die Töne werden erzeugt, indem man mit den Fingern die Lamellen anzupft, die auf einem Resonanzkasten bzw. Brett befestigt sind. Die einzelnen Lamellen sind unterschiedlich lang, wodurch verschiedene Tonhöhen möglich sind. Vom Klang her erinnert die Tavalimba an ein Glockenspiel.

Didgeridoo – Musikinstrument der Ureinwohner Australiens

Bei uns weithin unbekannt, von vielen Musikliebhabern aber geschätzt, ist das Didgeridoo. Es zählt zu den Blasinstrumenten aus Holz, denn traditionell wird es aus dem Holz von Eukalyptusbäumen gefertigt. Erste Hinweise auf dieses nicht ganz einfach zu spielende Instrument sind bis zu 3.500 Jahre alte Höhlenmalereien, die im hohen Norden von Australien gefunden wurden. Das Didgeridoo wird von den Aborigines zur Begleitung von anderen Musikinstrumenten oder Gesängen verwendet. 

Damit wir einen Ton mit diesem Gerät erzeugen können, benötigen wir sogenannte „flatternde“ Lippen, mit denen das Instrument vorsichtig angeblasen wird. Ein Didgeridoo lässt sich nur mit guter Lippenkontrolle wirklich spielen, diese ist nämlich die entscheidend für die Kraft und Dynamik des Grundtones. Anders als von vielen vermutet, kommt es nicht so sehr auf die Luftmenge oder die Stärke des Anblasens an. Um bei diesem Musikinstrument eine Vielfalt an Rhythmus und Klang zu erzeugen, wird mit einer Kombination aus Stimmeffekten, Mundbewegungen sowie einer speziellen Atemtechnik gearbeitet.

Quinterne als Urgroßmutter von Mandoline & Gitarre sowie kleine Schwester der Laute

Dieses bei uns meist unbekannte Musikinstrument stammt ursprünglich aus Westeuropa, wo es im 13. Jahrhundert als „Guitarra“, „Chitarra“ oder auch „Guiterne“ bekannt war. Durch ihren Aufbau gilt die Quinterne als Vorfahrin der Mandoline und der Gitarre und als kleinere Schwester der aus dem arabischen Raum stammenden Laute. Sie besitzt einen durchaus kräftigen, durchdringenden und zugleich hellen Klang mit hohen Tönen. Deshalb wurde sie vor allem zur Begleitung von einstimmigem Gesang und später im Zusammenspiel mit der tieferklingenden Laute verwendet. Die Tatsache, dass man die Quinterne auch mithilfe eines sogenannten Plektrums spielt, zeigt ihre Verwandtschaft zur Mandoline und Gitarre.

Alghoza – Musikinstrument aus Indien

Ein aus Indien stammendes, unserer Flöte ähnliches Blasinstrument ist die Alghosa. Bei ihr handelt es sich um eine aus zwei Röhren bestehende Bambusflöte, die vor allem in der nordindischen volkstümlichen Musik bekannt ist. Sie wird oft von den Bauern während der Ernte gespielt und ist weithin hörbar. Die Röhren haben unterschiedliche Funktionen, denn eine erzeugt die Melodie während die zweite einen sogenannten Bordunton hören lässt. Die Alghosa wird aufgrund der zwei, meist gleichlangen Röhren unter anderem als Jori bzw. Ngoza bezeichnet, was soviel wie „ein Paar“ bedeutet. Zum Spielen dieses Instruments benötigen wir je Röhre drei Finger für die jeweils fünf vorhandenen Löcher. Die Töne werden durch schnelles Einblasen von Luft in einen dünnen Schlitz, der sich auch Kernspalte nennt, erzeugt. Die Luft wird auf der Schneidekante des Schlitzes gebrochen, wodurch die Töne entstehen. Die Alghosa findet als traditionelles Volksmusikinstrument hautsächlich Verwendung, um gesungen vorgetragene Legenden oder auch Volkstänze zu begleiten.

Ardin – Winkelharfe aus Westafrika

Wir alle kennen den angenehmen Klang einer Harfe. Ähnlich klingt eine Ardin, eine Winkelharfe, deren Ursprünge etwa 4.500 Jahre zurückreichen und in Ägypten liegen. Dieses Instrument besteht aus der Hälfte eines Flaschenkürbisses sowie einem Quersteg und einem etwa einen Meter langen Holzstock. Hinzu kommen eine Tierhaut als Abdeckung des Resonanzkörpers sowie die Seiten, deren Anzahl sich zwischen 10 und 16 Einzelsaiten bewegt, wobei häufig 12 Saiten verwendet werden. Um dem Musikinstrument Töne zu entlocken, werden die Saiten angeschlagen oder der mit Tierhaut überzogene Resonanzkörper als Trommel verwendet. Übrigens spielen in Mauretanien traditionell die Frauen die Ardin.

Biwa – Kurzhalslaute aus Japan

Die asiatische Schwester der bei uns bekannten Laute ist die in Japan weithin bekannte Biwa. Bei ihr handelt es sich um eine in Birnenform hergestellte, mit vier oder fünf Saiten versehene Variante der Laute. Ihren Ursprung hat die Biwa allerdings in China, genauer gesagt stammt sie von der sogenannten Pipa, die auch als Schalenhalslaute bekannt ist, ab. Diese fand ihren Weg im 8. Jahrhundert nach Japan. Dieses sehr traditionelle Saiteninstrument wird mit einem großen Plektrum dazu gebracht, Töne zu erzeugen. In ihrer Hochzeit wurde die Biwa sehr oft von blinden Mönchen gespielt, die sie als Begleitung verwendeten, wenn sie Balladen vortrugen. Heute wird dieses Instrument leider kaum noch gespielt. 

Kaum bekannte Musikinstrumente erweitern den musikalischen Horizont

Die Beschäftigung mit Musikinstrumenten abseits von Klavier, Violine oder Gitarre kann unseren Horizont erweitern. Wenn wir die einzelnen Instrumente kennenlernen, erfahren wir auch etwas über den Kulturkreis und damit auch über interessante Orte und die Menschen, die die Instrumente verwenden bzw. verwendet haben. Wir behaupten oft, dass Musik ein universal verständliches Medium ist, das Grenzen überwinden kann. Tatsächlich interessieren sich viele von uns für dieses Thema, weshalb es auch von eigentlich mit anderen Themen befassten Medien, etwa einem Fachmagazin für Fashion, Beauty und Lifestyle aufgegriffen wird.