3. Juni 2019
Tampon-Steuer: Ist die Periode ist (k)ein Luxus?

Tampon-Steuer: Ist die Periode ist (k)ein Luxus?

Mit "The Tampon Book" hat The Female Company eine deutschlandweite Diskussion ausgelöst. Sind Tampons und Binden wirklich Luxus-Artikel, die mit 19 Prozent besteuert werden müssen? 

© unsplash.com/@josefin

Menstruation – alles andere als Luxus

Sie ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens: die Periode. Mal kommt sie zu früh, mal zu spät und ab und zu hat sie ein paar Begleiterscheinungen, wie Krämpfe; Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen im Gepäck. Natürlich gehört die Periode zu unserem Leben dazu und ist quasi ein Symbol der Weiblichkeit, aber als Luxus würden wir die monatliche Blutung nun wirklich nicht bezeichnen.

Mehrwertsteuer in Deutschland: Schokolade 7% aber Tampons & Co. 19%

Wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, wird sehen, dass das Thema Mehrwertsteuer in Deutschland ein etwas konfuses Konstrukt ist. Gemüse wird mit sieben Prozent besteuert – der Gemüsesaft allerdings mit 19 Prozent. Für die meisten Lebensmittel gilt der ermäßigte Steuersatz, während Hygieneartikel unter den höchsten Satz fallen. Da auch bei Zeitschriften und Bücher nur die sieben Prozent fällig werden, hat sich der Bio-Tampon Hersteller "The Female Company" eine sehr wirkungsvolle Strategie überlegt und "The Tampon Book" in den Bundestag geschickt.

100 Ausgaben von "The Tampon Book" gingen in den Bundestag

Um darauf aufmerksam zu machen, dass die Besteuerung von Hygieneartikeln mit 19 Prozent zu hoch ist, hat das Stuttgarter Start-up "The Tampon Book" auf den Markt gebracht. Da Bücher unter den ermäßigten Steuersatz fallen, umgeht das Unternehmen so die "Luxus-Steuer". Im April 2019 wurden 100 dieser Bücher an Politiker in den Bundestag geschickt – und das mit Erfolg. Mehrere Parteien luden die Gründerinnen zum Gespräch ein und sprachen sich für eine Senkung von 19 auf 7 Prozent Mehrwertsteuer aus.

Petitionen und "The Tampon Book" zeigen Erfolg

Am Weltfrauentag haben Nanna-Josephine Roloff & Yasemin Kotra die Petetion „Die Periode ist kein Luxus“ auf der Kampagnenplattform change.org ins Leben gerufen und konnten seitdem über 200.000 Stimmen sammeln. Kurz darauf starteten auch das NEON Magazin gemeinsam mit einhorn die Petition #keinluxus. Auch hier kamen innerhalb kürzester Zeit über 80.000 Stimmen zusammen.

Ein großer Schritt: Am 21. Mai 2019 reichte DIE LINKE einen Antrag zur Senkung der Tampon-Steuer im Bundestag ein. Dadurch muss das Thema im Bundestag diskutiert werden.

Tampon-Steuer-Rechner

Hast du dich schon mal gefragt, wie viel Geld du bislang für Tampons, Bindne & Co. gezahlt hast? Finde es jetzt mit dem Tampon-Steuer-Rechner heraus!

Das sagen Politiker zum Thema Tampon-Steuer

Norbert Müller MdB, Die Linke: "Menstruationsprodukte sind notwendig, um auch während der Periode am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Es ist ein Unding und wenig nachvollziehbar, dass nicht schon längst der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 Prozent gilt. Das will meine Fraktion Die Linke ändern.

Maik Beermann MdB, CDU: "Ich bin klar für die Absenkung der Tampon Tax. Hygieneartikel für Frauen sind Alltags- und keine Luxusgüter und sollten daher mit sieben Prozent besteuert werden. Wenngleich es sicher dringendere frauenpolitische Themen gibt, passt diese finanzielle Diskriminierung auch nicht mehr in die heutige Zeit."

Nicole Bauer MdB, FDP: „Vor fast 60 Jahren wurde in Deutschland festgelegt, dass auf ‚bestimmte Güter des lebensnotwendigen Bedarfs ein ermäßigter Steuersatz entfällt. Die weibliche Menstruation wird hingegen auch heute oft tabuisiert oder als Randthema angesehen. Ausdruck findet dies unter anderem in der Besteuerung von Damenhygieneprodukten. (...) Wir Freie Demokraten wollen das ändern. Auf dem Bundesparteitag haben wir beschlossen: Tampons, Binden und ähnliche Artikel sollen künftig mit einem ermäßigten Umsatzsteuersatz von 7 Prozent besteuert werden. Derzeit zahlen wir dafür im Handel noch 19 Prozent Mehrwertsteuer. Schlimm genug, dass das lange Zeit so war. Ich möchte, dass wir es Ländern wie Kanada und Kenia endlich gleichtun und die sogenannte „tampon tax“ abschaffen.“

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