19. Oktober 2021
Späte Schwangerschaft: Wunder oder Risiko?

Späte Schwangerschaft: Vor- oder Nachteil für Mutter und Kind?

Im Jahr 2020 waren die meisten Frauen, die ein Kind geboren haben, zwischen 30 und 33 Jahren alt. Im gleichen Jahr wurden immerhin 187 Frauen im Alter von 50 Jahren oder später zur Mutter. Welche Vor- oder Nachteile eine so späte Schwangerschaft für Mutter und Kind haben kann, erfährst du in diesem Artikel.  

Gründe für eine späte Schwangerschaft

Schwanger mit 50: Was für viele Frauen sicher undenkbar ist, stellt für andere die Traumvorstellung dar. Gründe für oder gegen eine Schwangerschaft lassen sich in jeder Lebenssituation finden und dabei spielt das Alter nur bedingt eine Rolle. 

Eine späte Schwangerschaft zu planen, kann zum Beispiel daran liegen, dass erst zu diesem Zeitpunkt eine Partnerschaft besteht oder dass sich diese erst dann sicher genug anfühlt, um ein oder mehrere Kinder haben zu wollen. Zudem möchten sich Frauen in der heutigen Zeit ebenfalls gern beruflich weiterentwickeln und vielleicht eine Karriere anstreben, was beides oftmals nur schwierig mit der Familienplanung in Einklang gebracht werden kann. Selbstverständlich kann es aber auch vorkommen, dass es bereits in jüngeren Lebensabschnitten einen Kinderwunsch gab, welcher sich nicht erfüllen ließ. Die Gründe hierfür können genauso vielfältig sein, wie die, die für eine späte Schwangerschaft sprechen.

Tritt eine späte Schwangerschaft ein, so muss dies allerdings nicht zwangsläufig bedeuten, dass diese auch geplant und sehnlichst erwünscht ist. In dem angesprochenen Lebensabschnitt um 50 Jahre rechnen viele Frauen nicht mehr damit, überhaupt schwanger werden zu können. Diese Annahme ist auch nicht unbegründet, denn in der Regel nimmt die Fruchtbarkeit schon deutlich vorher ab und die Wechseljahre treten etwa zu diesem Zeitpunkt ein. Als sogenannte „Spätgebärende“ gilt eine Frau immerhin schon ab dem 35. Lebensjahr, weshalb eine Schwangerschaft schon dann als „Risikoschwangerschaft“ bezeichnet wird. 

Vorteile einer späten Schwangerschaft

Die Tatsache, dass eine späte Schwangerschaft als Risikoschwangerschaft bezeichnet wird, stellt für manche Frauen durchaus eine mentale Belastung inklusive der damit einhergehenden Ängste dar. In diesem Zusammenhang solltest du dir vor Augen halten, dass dieses Kreuzchen, welches im Mutterpass gesetzt wird, zunächst allein dein Alter widerspiegelt. Nicht aber deine Gesundheit oder dein gesundheitsbezogenes Verhalten vor und während der Schwangerschaft. Du kannst es als Vorteil ansehen, dass deine späte Schwangerschaft engmaschig kontrolliert wird. 

Ein weiterer Pluspunkt für eine späte Schwangerschaft kann sein, dass du zu diesem Zeitpunkt in der Regel mit beiden Beinen fest im Leben stehst. Du hast bereits Lebenserfahrung gesammelt, vielleicht die angestrebte Karriereleiter erklommen und du bist insgesamt gelassener als jüngere Frauen. Hinzu kommt, dass Frauen im mittleren Lebensabschnitt häufig schon ohne bestehende Schwangerschaft ihre Mahlzeiten gesünder gestalten und seltener zu Genussmitteln greifen. All dies sind gute Voraussetzungen für eine gesunde späte Schwangerschaft. 

Risiken einer späten Schwangerschaft

Ein wichtiger Punkt soll an dieser Stelle direkt geklärt werden. Frauen, die eine späte Schwangerschaft erleben, müssen nicht zwingend unter Komplikationen leiden. Lediglich das Risiko hierfür ist erhöht, doch du kannst auch eine späte Schwangerschaft ohne Sorgen oder Probleme erleben. Nicht umsonst fließen in die Risikobewertung auch der Gesundheitszustand und Lebensstil vor Eintreten der Schwangerschaft genauso ein, wie eventuell bestehende Vorerkrankungen. 

Dennoch: Einige Risiken für das Auftreten bestimmter Erkrankungen sind während einer späten Schwangerschaft erhöht und so wird bei den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen verstärkt auf folgende Faktoren geachtet:

Blutzucker – das Risiko für die Entstehung von Schwangerschaftsdiabetes steigt mit zunehmendem Alter der Frau an. Daher wird allen Schwangeren ein Glukosetoleranztest zur Abklärung empfohlen. Dies gilt ganz besonders dann, wenn eine späte Schwangerschaft vorliegt und Risiken ermittelt werden sollten. 

Blutdruck – das Risiko für Bluthochdruck steigt mit dem Alter der Frau grundsätzlich, aber ganz besonders während der Schwangerschaft an. In diesem Zusammenhang erhöht sich auch das Risiko für das Auftreten einer Präeklampsie. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die mit Bluthochdruck sowie einer gesteigerten Eiweißausscheidung einhergeht und ein hohes Risiko für die mütterliche Gesundheit aufweist. 

Im Rahmen der Pränataldiagnostik kann des Weiteren das Risiko für das Auftreten von Chromosomenanomalien beim Ungeborenen abgeklärt werden. Zwar steigt mit zunehmendem mütterlichen Alter das Risiko für Anomalien wie zum Beispiel das Down-Syndrom, doch die Pränataldiagnostik in Form einer Blutanalyse kann lediglich die Wahrscheinlichkeit ermitteln. Konkrete Angaben erhältst du nur dann, wenn kindliche Zellen analysiert werden können, was beispielsweise im Rahmen einer Fruchtwasseruntersuchung geschehen kann. 

Bei Frauen, die eine späte Schwangerschaft erleben, steigt zudem die Rate an Fehl- oder Frühgeburten sowie Geburtskomplikationen, wie Fruchtwasserembolien, Nierenversagen oder lebensbedrohlichen Kreislaufschwierigkeiten. 

Das Wunder der Schwangerschaft

Unabhängig davon, in welchem Alter und auf welchem Weg eine Schwangerschaft eintritt: Du kannst nicht alles beeinflussen, aber doch einiges dafür tun, dass deine Schwangerschaft gesund verläuft. Achte auf deine Lebensmittelauswahl und einen insgesamt gesunden, moderat aktiven und entspannten Lebensstil. Genieße die Zeit, in der ein neues Leben in dir heranwächst.  
 

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