11. März 2021
Beruf, Familie und Pflege – wie lässt sich Pflege mit dem Alltag vereinbaren?

Beruf, Familie und Pflege – wie lässt sich Pflege mit dem Alltag vereinbaren?

Viele Frauen sind heute absolute Multitalente: Sie glänzen im Job, schmeißen den Haushalt und sorgen dafür, dass die Kinder pünktlich in Kita und Schule ankommen. Natürlich sind all diese Aufgaben kräftezehrend und die so wichtige „Me-Time“ wird zum Drahtseilakt. Doch was passiert, wenn dann noch ein Familienangehöriger pflegebedürftig wird?

© Pixabay.com
Wenn die eigenen Eltern pflegebedürftig werden, ist das ein Schock und eine Belastung für die Kinder. Wie sollen sie plötzlich alles unter einen Hut bringen?

Wenn sich die Rollen zwischen Eltern und Kindern umkehren

Studien zufolge verbringen Eltern und Kinder rund 50 Jahre gemeinsam auf unserer Erde. Natürlich bestätigen hier, wie so oft, Ausnahmen die Regel. Immer wieder sterben Eltern oder Kinder viel zu früh. Gleichsam werden die Menschen im Schnitt immer älter: Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass Mädchen heute eine Lebenserwartung von rund 83 Jahren haben. Jungen werden im Schnitt 78 Jahre alt.

Mit dem Alter kommen dann die Krankheiten. Ob körperliche Erkrankungen wie Arthrose, Morbus Bechterew oder Parkinson oder geistige Erkrankungen wie etwa Demenz – das Alter fordert seinen Tribut. Und so kann es passieren, dass sich die Rollen der Eltern und Kinder umkehren. Plötzlich sind es nicht mehr die Eltern, die sich kümmern. Stattdessen sind die, nun zumeist erwachsenen Kinder gefordert. Dieses Altern geht Hand in Hand mit den Sorgen, die sich die Kinder machen. Sie haben Angst, dass die eigenen Eltern sterben könnten oder dass sich etwas an der etablierten Beziehung ändert. Diese Angst ist wichtig und ernst zu nehmen, denn sie hilft den Kindern dabei, in ihre neue Rolle hineinzuwachsen.

Selber pflegen oder Profis beauftragen?

Wenn Eltern älter werden und nicht mehr so fit sind wie gewohnt, sollten Kinder die Gelegenheit nutzen, und über die Zukunft sprechen. Wichtige Themen sind dabei das Testament, eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht. Es ist unabdingbar, über diese ernsten Themen zu sprechen, wenn die Eltern noch fit genug sind, um eigene Entscheidungen treffen zu können. Das Bundesjustizministerium hat hierzu wichtige Unterlagen und Informationen zusammengestellt.

Tritt der Fall ein, dass ein Angehöriger sich nicht mehr selbst um Dinge kümmern kann, muss er die nötige Unterstützung bekommen. Die meisten Menschen sind sich dessen bewusst. Dennoch ist es schwierig, die eigenen Bedürfnisse und die Pflegebedürftigkeit unter einen Hut zu bekommen. Oft haben die Kinder ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich aus Zeitmangel nicht selbst um die Pflege des Angehörigen kümmern können. Für solche Fälle gibt es professionelle Pfleger und Pflegerinnen, die sich der Aufgabe widmen. Die Deutsche Seniorenbetreuung vermittelt beispielsweise eine häusliche Pflege.

Viele Kinder sind der Meinung, sie müssten die Pflege von Angehörigen selbst übernehmen. Sie denken, sie seien es ihren Eltern schuldig. Das stimmt so nicht. Wichtig ist, realistisch einzuschätzen, ob jemand die Pflege wirklich leisten kann. Denn wer einen Vollzeitjob hat, Kinder betreut, eine Partnerschaft führt und vielleicht sogar verschiedenen Hobbys nachgeht, kann oft nicht zusätzlich die nötige Pflege leisten. Für Pflegebedürftige ist es wichtig, eine verlässliche Pflege nach ihren Bedürfnissen zu erhalten. Diese darf durchaus von Profis kommen.

Wichtig: Die eigene Gesundheit nicht aus dem Blick verlieren

Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, richtet sich der Fokus schnell auf diese Person. Das ist gut und wichtig, da hier eine große Veränderung passiert. Dennoch ist es wichtig, nicht den Fokus für die eigenen Probleme und Dinge zu verlieren. Kinder von Pflegebedürftigen haben eine Verantwortung für sich selbst, für ihre Partnerschaft und möglicherweise sogar für die eigenen Kinder. Diese Verantwortung verschwindet nicht, nur weil die eigene Mutter nun etwas Unterstützung benötigt.

Wer die eigenen Angehörigen pflegt, muss auf die eigene Gesundheit achten, körperlich wie mental. Wenn der Ausgleich zum anstrengenden Job und zur anstrengenden Pflege fehlt, kann das schnell zu einer Depression oder einem Burnout führen. Es gibt verschiedene Warnzeichen, auf die es zu achten gilt. Das Netzwerk Gesundheitsstadt Berlin erklärt den Unterschied zwischen den beiden Krankheitsbildern sehr anschaulich.

Für Kinder von Pflegebedürftigen ist es unerlässlich, die verschiedenen Bedürfnisse und Bereiche des Lebens im Blick zu haben und abzuwägen, wo die Prioritäten liegen. Diese können sich natürlich immer wieder verändern, so wie sich auch die äußeren Umstände verändern.

Pflege bedeutet nicht, dass jemand seine Eltern nicht liebt!

Kinder haben oft ein schlechtes Gewissen, wenn sie professionelle Pflegekräfte beauftragen, sich um ihre Eltern zu kümmern. Doch das ist nicht notwendig. Zum einen haben viele Kinder kein einfaches oder unbekümmertes Verhältnis zu ihren Eltern. Trotzdem bedeutet die professionelle Pflege in keinem Fall, dass ein Kind seine Eltern nicht liebt. Vielmehr ist es doch so, dass die Profis sich komplett der nötigen Betreuung widmen können. So wird die Zeit, die Kinder und Eltern zusammen verbringen, wieder zur Quality Time. Zum anderen gibt es die sogenannten Pflegegrade. Je nachdem, welchen Pflegegrad eine Person erhält, bekommt sie eine gewisse monatliche Unterstützung von der Pflegekasse. Dieses Geld kann unter anderem für eine professionelle Pflegekraft aufgewendet werden. Das zeigt, dass die professionelle Pflege unterstützt wird, sodass Angehörige nicht alles irgendwie unter einen Hut kriegen müssen. Wichtig ist, dass sich alle Beteiligten mit der Lösung wohlfühlen!

Die Qual der Wahl: Pflegeheim oder häusliche Betreuung?

Wer sich schlussendlich für professionelle Pflege der Angehörigen entschieden hat, steht wiederum vor einer Wahl. Einerseits gibt es, wie oben bereits beschrieben, die häusliche Pflege. Hier kommt eine Pflegekraft in die eigenen vier Wände der pflegebedürftigen Person und kümmert sich dort um sie. Der Vorteil liegt natürlich darin, dass die Person nicht aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen wird. Sie kennt sich weiterhin aus und kann alles, was sie noch schafft, selbst machen. Im Gegenzug ist die häusliche Betreuung oft teuer. Auf der anderen Seite steht das klassische Pflegeheim, heute auch gern Seniorenresidenz genannt. Hier hat jeder Bewohner sein eigenes Zimmer, das er nach Belieben dekorieren und einrichten kann. Im Heim arbeiten zahlreiche Pflegekräfte, die sich gemeinsam um alle Bewohner kümmern. Der Vorteil ist hier, dass die pflegebedürftigen Personen ständig soziale Kontakte haben. Das tut ihnen oft sehr gut und sie vereinsamen nicht. Auf der anderen Seite fühlen sich gerade demente Patienten nicht wohl, wenn sie nicht in ihrem gewohnten Umfeld sind. Hier gilt es also klar abzuwägen, welche Form der Pflege für die eigenen Angehörigen die bessere ist. Oft kann der Medizinische Dienst der Krankenkassen bei der Entscheidungsfindung helfen. Auch der Hausarzt der pflegebedürftigen Person ist ein guter Ansprechpartner.

Lade weitere Inhalte ...