Body Bye-Bye Winkearme - effektive Mittel für die Oberarme

Seien wir ehrlich: Frauen mit etwas fülligeren Oberarmen beschleicht irgendwann das Gefühl, dass da etwas gefährlich schlackert. Zumal sich Winkeärmchen auch nicht gerade leicht verscheuchen lassen. Aber es gibt sie – effektive Mittel gegen unsere neue „Lieblings“-Problemzone

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Mit einem Blick über die Schulter in der Umkleidekabine den eigenen Hintern checken – haben wir das nicht alle schon einmal gemacht? Der Kehrseiten-TÜV bekommt neuerdings Konkurrenz von einem Move, der aus einem Shakira- Video stammen könnte: kräftig mit den erhobenen Armen wackeln, dabei jedoch gebannt verfolgen, wie die Haut unter dem Trizeps Wellen schlägt. Klingt schräg, liegt aber voll im Trend. „Erstaunlicherweise gibt es kaum eine Frau ab Mitte 30, die mit ihren Oberarmen voll und ganz zufrieden ist“,sagt der Dermatologe Gerhard Sattler. Der Mann weiß, wovon er spricht. Ihm wurden wahrscheinlich schon mehr Beauty-Sorgen offenbart als irgendeinem anderen Menschen in Deutschland: Sattler leitet mit der Rosenpark Klinik in Darmstadt eine der ersten Adressen für Schönheit. Seit 1996 wird hier in zwei Jugendstilvillen geliftet, gepeelt, Fett abgesaugt und unterspritzt, was das Zeug hält.

Straff - das ganze Jahr über 

Hochsaison für das Armproblem war früher der Sommer, heute kommt der Wunsch nach weniger Winkfleisch ganzjährig zur Sprache. Über die Mutter des Hypes gibt es keine Diskussionen, das ist natürlich Michelle Obama, die laut „Daily Mail“ dreimal pro Woche 90 Minuten Work-out in ihren Bi- und Trizeps investiert. Die First Lady belohnt sich für die Mühen, indem sie ihre Beauty-Muskeln bei wirklich jeder Gelegenheit spielen lässt. Da wird auch schon mal bei Frost im Februar im ärmellosen Narciso- Rodriguez-Dress ins Volk gewunken.

Arme seien das neue Dekolleté, heißt es seither, und auch bei Auftritten in kleinerem Kreis dürfen weder schlaffe Haut noch puddingweiches Fleisch den Look ruinieren. Was erst einmal zu einer 1a-Onlinepräsenz des Themas führte: Auf Twitter wird spekuliert, ob Winkfleisch im Rolls-Royce besser aussieht als im Astra, während die Bloggerin Stefanie Luxat behauptet, dass ihr „Tantenschwabbel“ nach dem Winken auch dann noch schwabbelt, wenn die Gäste schon lange weg sind. Komikerin Martina Hill nimmt Arm-Neurosen zur Primetime auf die Schippe, und die Briten witzeln über Wind unter Bingo-Flügeln – bei ihnen heißt das Extra am Arm ja „Bingo Wing“. Kaum eine Problemzone hat die Fantasie je so angeregt, für keine andere wurden wohl jemals so viele böse Bezeichnungen gefunden wie für diese. Tantenschwabbel, Bingo Wing, Winkfleisch, Jabba Flabba: Nirgends hat Fett so viele Namen wie am Arm.

Bei den allermeisten Frauen liegt allerdings der klassische Bingo Wing vor, sprich leicht herabhängende Haut ohne exzessiven Fettüberschuss. Wie kommt es überhaupt zu dem Formverlust? Schuld ist wie so oft das weibliche, flexible Bindegewebe, das je nach Veranlagung früher oder später schwächelt. Kennt man ja vom Kehrseiten- TÜV aus der Umkleidekabine in Form von Cellulite, betrifft aber auch die Arme, die genau wie die Beine als Östrogendepot dienen. Statt alles straff in Form zu halten, verliert das Bindegewebe hier an Kraft, wird dünner und wirkt, als sei die Haut eine Nummer zu groß. Faktoren wie starke Gewichtsabnahme, falsche Ernährung und Bewegungsmangel verstärken den Effekt, doch vor allem zehrt das Alter am Arm, erklärt Gerhard Sattler: „Erschlaffte Oberarme entstehen und verschlimmern sich durch die allgemeine Hautalterung.“ Gemeinerweise entzieht sich Winkfleisch privaten Optimierungsversuchen hartnäckig. „Sport, gesunde Ernährung und gezielte Straffungsübungen helfen nur in sehr bedingtem Rahmen“, bestätigt der Dermatologe. Denn lässt sich das Bindegewebe erst einmal hängen, bringen es auch noch so viele Obsttage und Liegestütze nicht wieder in Form.

Das kann der Beauty-Doc.

Doch selbst Ärzte stoßen bei den Oberarmen schnell an ihre Grenzen. Fancy Techniken wie die „Kryolipolyse“ helfen zwar gegen überschüssiges Fett, aber nicht gegen müdes Bindegewebe. Mit Hightech und selbstverständlich auch mit dem Allheilmittel Botox kann zwar einiges erreicht werden, doch für Gerhard Sattler steht das Nonplusultra der Maßnahmen fest: „Die Liposuktion, also die gezielte, dauerhafte Entfernung von Fettzellen, hat sich als effektivste Methode erwiesen.“

Anders als etwa bei üppigem Reiterhosenspeck darf der behandelnde Arzt an den Armen also nicht absaugen, was abzusaugen ist. Denn ein wenig wohlverteiltes Fett tut den Armen sehr gut: Es verhindert, dass sie den ausgezehrten Madonna- Look bekommen. Der Frau und ihrem Diät- und Trainingswahn verdanken wir ja die Erkenntnis, dass ein sichtbarer Absatz zwischen Deltamuskel und Bizeps „Muskelkerbe“ heißt – Wissen, über das ohne Madonna nur Bodybuilder-Kreise verfügen. Sattlers Lösung: „Wenn man ein schönes und vor allem natürliches Ergebnis möchte, darf man nur die Rückseite des Arms absaugen.“ Und auch da muss Millimeterarbeit geleistet werden. Wieso, das erklärt der Dermatologe mit einem Vergleich: „Man muss sich das Gewebe am Oberarm als mehrstöckiges Haus vorstellen. Die verschiedenen Stockwerke werden durch tragende Elemente stabilisiert. Das sind Kollagenfasern, Lymph- und Blutgefäße. Die Kunst besteht darin, die Fettzellen aus den Zwischenräumen zu saugen, und die tragenden Elemente stehen zu lassen.“ Wird in den richtigen Ebenen abgesaugt, entstehen zwar auch dort Mikroverletzungen, aber die sind gewünscht. „Sie verursachen im Heilungsprozess eine Vernarbung, die für einen Straffungseffekt im abgesaugten Bereich sorgt.“

Das größte Risiko bei einer Liposuktion der Arme besteht also darin, dass zu viel Fett entfernt wird – „Übersaugung“ nennen das Ärzte – und dabei hängendes Fleisch mit viel Tamtam und Teilnarkose in hängende Haut verwandelt wird (nebenbei bemerkt: Der englische Spitzname für dieses Phänomen lautet „arm charms“). Vor dieser Gefahr ist man aber gefeit, wenn man sich von einem erfahrenen Arzt behandeln lässt, versichert Sattler. Um „arm charms“ garantiert zu vermeiden, gibt es sogar eine spezielle Technik: Direkt im Anschluss an die Liposuktion wird mit einem Laserstrahl das abgesaugte Areal nachbearbeitet. „Die sogenannte Laserlipolyse strafft das Bindegewebe und die darüberliegende Haut, deshalb wird sie bei starkem Elastizitätsverlust empfohlen.“

Wer mit ärztlicher Hilfe dem Winkfleisch an den Kragen will, braucht erst einmal zwei Tage Urlaub. „Die Fettabsaugung selbst dauert nur etwa 45 Minuten, mit OP Vor- und -Nachbereitung muss man mit drei Stunden rechnen. In der Regel ist man nach zwei Tagen den Umständen entsprechend wieder weitgehend einsatzfähig“, sagt Sattler, erinnert aber auch an die mit einer Liposuktion verbundenen Operationsrisiken wie Thrombose, Embolie, Hämatome und Infektionen. „Man muss auch mit muskelkaterartigen Schmerzen rechnen, außerdem kann es zu vorübergehenden Taubheitsgefühlen an den behandelten Stellen kommen.“ 3450 Euro kostet in seiner Klinik ein Treatment der Oberarme, mit zusätzlicher Laserlipolyse knapp 4000 Euro. Kein Schnäppchen. Aber andererseits… Im ärmellosen Kleid so strahlend dastehen wie Madame Obama, das wär schon was, oder? Obwohl: Wenn wir die Arm-Baustelle im Griff haben, wird sich schon eine neue kollektive Problemzone finden. Lassen wir uns überraschen.

Treatment-Check

Infrarotlicht: Wenn schlaffe Haut mit Geräten wie dem „Harmony XL“ auf etwa 41 Grad erhitzt wird, stimuliert das das Bindegewebe zur Neubildung kollagener Fasern. Effekte sind ab einer Behandlung möglich (jeweils ab 200 Euro).

Skinbooster: neue Form des Hyaluronsäure- Treatments. Glättet knittrige Haut durch die großflächige Injektion dünnflüssiger Hyaluronsäure. Hält etwa 4–6 Monate, kostet ab 400 Euro.

SmoothShapes: softe Methode, die Fettzellen vorübergehend entleert und den Lymphabtransport anregt. Dabei macht Laserlicht die Membran der Fettzellen durchlässig. Acht Behandlungen 390 Euro.

Kryolipolyse: hilft gegen lokale Fettpolster, indem sie mit einem speziellen Aufsatz eingesogen und auf vier Grad herabgekühlt werden – was die Fett - zellen in der Regel nicht überleben. Kostet für beide Oberarme um 1400 Euro.

Radiofrequenz: Mit Radiowellen das Bindegewebe zu erhitzen strafft die Haut – auch am Arm (kostet je Sitzung z. B. mit dem „Accent Laser“ 200 Euro, Effekte zeigen sich nach mehreren Sitzungen).

Fraxel-Laser: strafft und verjüngt erschlaffte, pergamentartige Haut dauerhaft durch punktuelle Verletzung der Hautoberfläche und den so ausgelösten Heilungsprozess. Ab 800 Euro.

Autor: Angelika Brodde

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Quelle: Petra, Ausgabe 11/2014