Abnehmen Von Hunger-Diäten und dem optimalen Mittagspausen-Snack

In 24 Stunden zwei Kilogramm abnehmen? Im PETRA-Interview verrät Achim Sam, Ernährungswissenschaftler und Lifestyle-Redakteur, wie die von ihm entwickelte 24-Stunden-Diät funktioniert und wie er selbst rund 20 Kilo abnehmen konnte. Dazu gibt uns der Activia-Wohlfühlexperte Wohlfühl-Tipps für den Alltag. 
 

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Sind Crash-Diäten sehr ungesund?
Wenn man schnell abnehmen will, muss man darauf achten, die Muskulatur zu behalten. Das ist bei den üblichen Crash-Diäten nicht so. Da nimmt man nur wenige Kalorien zu sich und der Körper greift auf die Muskulatur zurück. So verliert der Körper bis zu 75 Gramm reines Muskelfett. Das ist nicht gut. Mann will ja an die Fettspeicher.

Wie vermeidet man den bösen Jojo-Effekt?
Viel Eiweiß zu sich nehmen. Joghurt, Milchprodukte, Eier. Der Jojo-Effekt hängt immer mit dem Verlust eines gewissen Muskelanteils zusammen. Das sollte man dringend vermeiden. Bei der 24-Stunden-Diät muss man deshalb unbedingt 800 bis 1000 Kalorien zu sich nehmen. damit die Muskulatur erhalten bleibt. Und man muss gute Eiweißquellen zu sich nehmen, weil der Körper so nicht
auf das eigene Muskelprotein zurückgreift. Das sind die entscheidenen Faktoren, um effektiv abzunehmen.

 

Was passiert bei Hunger-Diäten?
Viele Frauen wundern sich, warum sie nach einer Hunger-Diät an den falschen Stellen abnehmen. Dabei ist es doch so: Wenn man nichts isst, nimmt man an Muskulatur ab. Auch wenn Frauen immer sagen, dass sie keine Muskeln wollen: Muskeln geben dem Körper eine Silhouette. Der große Vorteil für Untrainierte? Sie müssen viel weniger machen, um Fett zu verbrennen. Weil der Kohlenhydratspeicher viel geringer ist. Der zweite Vorteil: Wenn ich mich intensiver bewege verbessern sich die Hunger-Sättigungs-Hormone. Wenn man intensiv trainiert hat, bekommt man deswegen danach kaum einen Bissen runter. Aber es ist trotzdem wichtig unmittelbar nach dem Training zu essen, damit der Körper nicht an die Muskelproteine geht.

Du sprichst von Intervalltraining – also Ausdauertraining. Was rätst Du Frauen, die Crosstrainer und Co. verabscheuen?
Kohlenhydratspeicher können nur lokal geleert werden. Das heißt: Wenn ich mich auf ein Fahrrad setze und nur die Beine bewege, leeren sich nur die Kohlenhydratspeicher in den Beinen. Es ist also einfach wichtig, den ganzen Körper zu trainieren. Zum Beispiel Ganzkörper-Stabilisationsübungen oder viele gehen auch auf einen Bellicon-Trampolin. Wichtig ist, dass man zwischendurch immer mal runter fährt und dann wieder Gas gibt. Gut ist auch Seilspringen. Da geht der Puls enorm nach oben. Und dazwischen immer Mobilisations- und Stabilisationsübungen machen. Also das geht zur Not auch. Aber am besten ist natürlich Ausdauertraining. Radfahren, Laufen, Schwimmen.

Du warst selber mal übergewichtig. Wie hast Du angefangen, abzunehmen?
Ich war als Jugendlicher echt fett. Meine Mutter sagt immer „Du warst moppelig“, aber ich war eben dick. Seitdem habe ich habe 20 Kilo abgenommen. Ich bin in einer Metzgerei groß geworden. Ich hatte zwei liebe Omis, die mich immer schön gefüttert haben. So wurde ich recht schnell dick. Ich war in der Schule das typische Hänsel-Kind. Bei uns wurde immer gut und üppig gekocht. In der Pubertätsphase hab ich dann eine ziemliche Krise erlebt. Es ist schwer, wenn die anderen mit den ersten Mädels ankommen und du selber wirst nur gehänselt. Dann hab ich übers Radfahren angefangen abzunehmen. Samstags bin ich immer mit meinem Onkel Fahrrad gefahren und danach hab ich eiweißreich gegessen. Und dann gingen die Kilos runter wie ein Abreißkalender.

 

Wenn es im Büro stressig wird, greift man in der Mittagspause schnell zu Pizza und Schokolade. Wie ernähre ich mich im Job richtig?
Wenn ich in der Pause Kohlenhydrate zu mir nehme, machen die generell hungrig und müde. Weil Kohlenhydrate Insulin fördern. Das ist ein Hormon, das Energie in die Zelle holt. Und wenn ich dann Pasta esse, verdaut die der Magen recht schnell. Der Körper schüttet Insulin aus und versucht den Zucker in die Zelle zu holen. Dann ist kein Zucker mehr im Blut, weil schon alles in der Zelle ist. Aber es ist noch Insulin da. Dann fällt man kurzzeitig in eine Unterzuckerung und hat am Nachmittag Heißhunger auf etwas Süßes. Das passiert, wenn man mittags Kohlenhydrate isst. Bei Eiweiß ist das genau anders herum. Die machen satt und wach. Deswegen mein Tipp für die Mittagspause: eiweißreiche Ernährung. Joghurt ist ideal. Gerne mit ein paar Früchten. Oder ein Joghurt-Drink.

Wann hast Du das letzte Mal Heißhunger auf Süßes oder Fettiges verspürt?
Das hab ich heute gar nicht mehr. Früher war das noch anders. Weil ich mir immer etwas verboten habe. Und dann hab ich irgendwann den Kühlschrank geplündert. Nachts. Heute verbiete ich mir eigentlich nichts mehr. Wenn ich Lust habe, einen Schokoriegel zu essen, dann esse ich eben einen. Man muss das ganze Thema Figur etwas entspannter sehen und nicht so verkrampft.