Beauty-Mythen Super-Food: Das ist dran an Goji Beeren & Co.

Rohen Grünkohl zum Knabbern, Kaffee mit extra Fett, Wunderbeeren: Müssen wir eigentlich alles nachfuttern, worauf Promis gerade schwören? Wo die Wahrheit liegt und was nur Mythos oder Marketing ist

super-food-oder-nicht-das-ist-dran-an-goji-beeren-co

GREEN SMOOTHIES:

Sie sind gerade in aller Munde und werden bei Gesundheits- und Schlankheits- Freaks als neuer heißer Scheiß gehandelt. Doch Vorsicht: Damit das Ganze auch einigermaßen schmeckt, muss man bis zu 70 Prozent Obst zum Gemüse mixen, und damit ist der Schlank-Effekt schnell dahin – von kalorienreichen Fertigdrinks ganz zu schweigen. Damit die Vitalstoffe nicht flöten gehen, sollte man Green Smoothies frisch zubereiten: im Standmixer, nicht mit dem Pürierstab; der wird zu warm und killt Vitamine. Experten raten, nur Bio-Ware zu verwenden, weil Blätter, Schale, Kerne und Strunk mitgemixt werden. Folgt man diesen Regeln, sind die Drinks reich an Enzymen und Ballaststoffen und kurbeln die Fettverbrennung an.

QUINOA:

Hat seit einiger Zeit schon den Ruf als Superfood und wird ihm auch bei näherer Betrachtung tatsächlich gerecht. Seit Heidi-Trainer David Kirsch den hohen Eiweißgehalt des Getreides lobte und der Society verklickerte, wie viele essenzielle Aminosäuren im Samen stecken, war nicht nur die vegane Welt verrückt nach Quinoa-Korn in Salaten, Risotto, Müsli. Studien ergaben außerdem, dass die enthaltenen Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel nur sanft erhöhen. Und Gesundheitsexperten fanden heraus, das Quinoa sogar bei Migräne hilft, weil sein Magnesium schmerzlindernd wirkt. Noch superer scheint nur Freekeh zu sein: gerösteter Weizen aus dem Mittleren Osten, der noch mal doppelt so viele Ballaststoffe hat – und 2015 in aller Munde sein soll.

BULLETPROOF COFFEE:

Kugelsicheren Kaffee kann sich nur ein Cowboy ausgedacht haben? Stimmt. Erfinder ist der Amerikaner Dave Asprey. Seiner Story zufolge probierte er bei einer Bergtour in Tibet Tee mit Butter – und gab fortan ebenfalls Fett in seine Kaffeetasse. Fitnessjunkies und Diätgurus reagierten be geis - tert, weil das Gesöff angeblich stundenlang satt, zudem wacher und leistungsfähiger macht. Deutsche Verbraucherschützer entgegnen, dass das gute alte Butterbrot morgens zum Käffchen dem Gehirn genauso nütze – und besser schmeckt.

GRÜNKOHL:

In Zeiten neuer Glaubenskriege konvertiert man am besten zum Kalevangelismus: Die friedliche Fangemeinde betet rohen Grünkohl („Kale“) an. Jennifer Aniston liebt das Wintergemüse blanchiert, Kelly Rowland knabbert Kale-Chips; und die „New York Times“ kürte den Kohl gar zum Mode-Gericht der Stunde. Was ihn so hip macht? Grünkohl hat mehr Vitamin C als Orangen, liefert mehr Kalzium als Milch, hat mehr Vitamin A als jedes andere Gemüse und beugt Krebs, Demenz und Depressionen vor. Ökotrophologen raten jedoch, die „Friesische Palme“ mit Fett zu verzehren, damit der Körper die Karotinoide gut aufnehmen kann: Nein, wir meinen nicht Kohlwurst und Pinkel – Pflanzenöle sollten es sein.

MATCHA LATTE:

Liv Taylor schlürft ihn literweise, Eva Padberg kann nicht ohne: Wer in ist, trinkt Matcha-Tee. Das Power-Pulver gewinnt man aus Grünteeblättern, die wochenlang beschattet, gedämpft und getrocknet wurden. Bei diesem Luxus- Treatment verwundert es kaum, dass der Preis beträchtlich ist: 100 Gramm kosten gern 30 Euro. Dafür hat Matcha viel Vitamin C und Antioxidantien. Sämtliche Wirkstoffe bleiben im Wasser, statt nur durchgesiebt zu werden. Zusätzlicher Kick: Der grüne Staub hat fünfmal mehr Koffein als Kaffee. Allerdings raubt er einem auch den letzten Nerv; einmal aufgegossen, möchte er mit einem speziellen Bambusbesen (Chasen) aufgeschäumt werden. Wem das grasige, herbholzige Aroma nicht zusagt, mischt ihn mit Sojamilch. Oder trinkt einfach was anderes. Wie gesagt: Man muss nicht alles mitmachen!

GOJI-BEEREN:

Vielleicht sollte Madonna sich weiterhin an junge Kerle schmeißen, statt an die Anti-Aging-Wirkung einer umstrittenen Beere zu glauben. Zwar futterte die Sängerin so viele Gojis, dass die Tibet-Rosine mächtig in Mode kam. Mittlerweile ist aber erwiesen, dass ihre Inhaltsstoffe mit einem Apfel vergleichbar sind und dass 99 Prozent der Beeren nicht wie deklariert aus dem Himalaja stammen, sondern aus dem Ningxia-Tal in China, wo gern mit Schadstoffen hantiert wird …