Hautpflege Beauty-Wundermittel Apfel-Stammzellen

Das ist ja ein revolutionäres Früchtchen! Stammzellen aus Apfel sollen die Hautalterung bremsen. Aber wie knackig und frisch kann unser Gesicht damit wirklich werden? Das verraten wir Ihnen hier.

Frau mit Pflegecreme im Gesicht isst Apfel

STAMMZELLEN Was ist das eigentlich?

Unsere eigenen Stammzellen sind eine Mischung aus Chefarchitekt und Hochleistungsfabrik unseres Körpers. Im Gegensatz etwa zu spezialisierten Nerven- oder Knochenzellen kann aus einer Stammzelle grundsätzlich jede Art von Zelle werden, und sie kann sich unendlich oft teilen. In der Hautoberfläche und im Unterhautgewebe leisten Stammzellen einen wichtigen Beitrag zur ständigen Erneuerung. Denn schließlich ist unsere Haut vielfältigen Reizen ausgesetzt (Sonne, Kleidung, kleinere Verletzungen) und muss sich danach regenerieren. Mit dem Älterwerden lässt die Fähigkeit zur Selbstreparatur jedoch nach: Während unser Körper mit 20 noch zu acht Prozent aus Stammzellen besteht, sinkt der Anteil bis zum 60. Lebensjahr auf weniger als die Hälfte. Damit heilen von Jahr zu Jahr nicht nur kleine Wunden langsamer, unsere Haut verliert auch optisch an Spannkraft und Frische, wird dünner und weniger elastisch. Pflanzen bestehen genau wie der menschliche Organismus zu einem gewissen Teil aus Stammzellen: Diese Multitalente können sich zu verschiedenen Teilen wie Wurzeln, Strunk oder Blüten entwickeln.

Wie nützen die PFLANZENZELLEN der menschlichen Haut?

Dr. Harald Gerny ist Dermatologe und Gründer der Schweizer Firma Med Beauty, einer Vorreiterin der neuen Technologie. Er sagt: „Pflanzliche Stammzellen selbst sind zu groß, um in die Haut einzudringen. Deshalb werden sie zertrümmert. Daraus gewinnen wir einen konzentrierten Cocktail aus Zellflüssigkeit. Und der wirkt wie Kraftnahrung auf die hauteigenen Stammzellen, die normalerweise nur über den Blutkreislauf versorgt werden. So wie bessere Ernährung den Körper insgesamt leistungsfähiger macht. Die Hautstammzellen können unseren Studien zufolge sogar die genetischen Eigenschaften des Pflanzencocktails übernehmen – genau wie es eine Wechselwirkung zwischen dem eigenen Körper und unserer Ernährung gibt.“ Nach etwa vier bis fünf Wochen, so Gerny, sollte die Anwendung ein sichtbarer Erfolg sein. Theoretisch könnte man für den gleichen Effekt auch tierische Stammzellen verwenden, das bringt allerdings Probleme mit sich – ethische, rechtliche und auch hygienische, etwa die Belastung durch gefährliche Keime wie den Rinderwahn-Erreger BSE. Auch Versuche, mithilfe von Implantaten aus körpereigenen Stammzellen die Hautalterung zu bremsen, haben kein durchschlagendes Ergebnis gebracht: zu aufwendig, zu teuer, zu wenig wirkungsvoll.

Warum sind gerade ÄPFEL so gute Lieferanten?

Nicht alle Äpfel eignen sich gleich gut, sondern nur ganz bestimmte – wie der „Uttwiler Spätlauber“, eine fast ausgestorbene Sorte von Schweizer Winteräpfeln. Der lässt sich besonders lange lagern, ohne runzlig zu werden. Ein sehr wichtiges Kriterium zu Großmutters Zeiten, als es noch nicht rund ums Jahr frisches Obst und Gemüse zu kaufen gab. Als haltbares Vitamindepot spielt der „Uttwiler Spätlauber“ heute keine Rolle mehr, aber seine Langlebigkeit macht ihn als Stammzellen-Lieferanten äußerst begehrt: Jetzt soll er eben bei uns für pralle Apfelbäckchen und ein knackiges Äußeres sorgen. Dafür muss die alte Sorte nicht etwa neu gezüchtet werden, sondern die Zellkulturen werden ganz bequem im Labor vermehrt, ohne dass man dazu frische Früchte bräuchte.

Für wen eignen sich KOSMETIKA mit pflanzlichen Stammzellen?

„Pflanzen-Stammzellen können Haut nicht reparieren, aber den momentanen Zustand länger erhalten“, verspricht Dermatologe Harald Gerny. Also keine 50-plus-Kosmetik, sondern auch etwas für Jüngere. Nur wer allergisch auf Äpfel reagiert, sollte die Finger von Produkten mit Apfel-Stammzellen lassen, denn die Allergene sind darin in konzentrierter Form enthalten. Es gibt jedoch Alternativen, beispielsweise Himbeer- und Trauben-Stammzellen.

In welchen BEAUTY-PRODUKTEN kommen Stammzellen zum Einsatz?

Eigentlich bei allen. Vom Reinigungsschaum über Augen- und Gesichtscremes bis zur Ampullenkur mit hochkonzentriertem Stammzellextrakt. Mittlerweile basieren komplette Pflegeserien auf dem neuartigen biologischen Reparaturprogramm. Aber auch bei kleineren Beauty-Eingriffen kommen pflanzliche Stammzellen zum Einsatz: So wird die Haut etwa beim „Microneedling“-Verfahren mit einem Nadelroller leicht geritzt. Dabei dringt der Stammzellextrakt auch in tiefer liegende Hautschichten ein und soll die dort sitzenden Haut-Stammzellen anregen, die bei oberflächlicher Anwendung nicht erreicht werden.

Was ist der Unterschied zu anderen TREND-ZUTATEN, etwa Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure, das Beauty-Wundermittel der letzten Jahre, wirkt auf die Haut wie ein zusätzliches Feuchtigkeitskissen. Angenehm, allerdings hält der Polster-Effekt nicht lange vor und muss immer wieder erneuert werden. Die große Hoffnung der Kosmetikindustrie: mit Stammzellen buchstäblich an die Wurzel des Problems zu gelangen und die Hautalterung genetisch zu verzögern.

FUNKTIONIERT das denn wirklich?

Die Hersteller geben sich optimistisch und verweisen auf vielversprechende Testergebnisse. Unabhängige Wissenschaftler und Hautärzte sind deutlich zurückhaltender. Hauptkritik: Die Effekte der Cremes könnten genauso auf die enthaltenen Pflanzen extrakte wie Vitamine und Peptide zurückgehen – und das wäre nichts Neues. Immerhin: Forschungen aus den USA haben ergeben, dass die pflanzlichen Stammzellen tatsächlich die Kollagenproduktion der Haut ankurbeln, also den Stoff, der die Haut fest, prall und jugendlich erscheinen lässt. Ob sie in der Lage sind, auf den Gencode menschlicher Stammzellen einzuwirken und dadurch den biologischen Alterungsprozess zu verlangsamen, das ist zumindest umstritten. Fazit: klingt nach einer vielversprechenden Technologie – aber Wunder sollte man (noch) nicht erwarten.

Autor: Verena Carl

Quelle: Petra, Ausgabe 02/2014