
In der Hautpflege spielen vor allem fünf Wirkstoffgruppen eine wichtige Rolle: Niacinamid, Hyaluronsäure, Ceramide und Aminosäuren, Retinoide sowie Säuren. Welche Stoffe tatsächlich enthalten sind, siehst du auf der Rückseite des Produkts. Dort steht die sogenannte INCI-Liste. Sie zeigt dir, an welcher Stelle ein beworbener Wirkstoff in der Rezeptur steht. Die Position kann dabei einen Hinweis auf die enthaltene Menge geben, hat aber auch ihre Grenzen.
Am einfachsten ist der Abgleich bei Marken, die den Wirkstoff direkt in den Produktnamen schreiben. The Ordinary hat dieses Prinzip bekannt gemacht, The INKEY List und Paula's Choice arbeiten genauso. Bei Douglas stehen diese Marken inzwischen neben den klassischen Pflegemarken im Sortiment, was den direkten Vergleich zweier Etiketten leicht macht.
Es gibt noch einen weiteren Grund, genauer hinzusehen. Duftstoffe müssen auf Kosmetik inzwischen genauer angegeben werden, und für Retinol gelten feste Höchstmengen. Für Verbraucher lohnt sich deshalb ein Blick aufs Etikett. Dort finden sich heute mehr Angaben, und manches ist neu gekennzeichnet.
Wie liest du eine INCI-Liste richtig?
Die wichtigste Regel ist einfach. Inhaltsstoffe werden nach ihrem Anteil im Produkt aufgelistet. Was am meisten enthalten ist, steht also zuerst. Das hilft dabei, die Zusammensetzung einer Creme oder eines Serums besser einzuschätzen.
Bei Inhaltsstoffen unter einem Prozent gibt es eine Ausnahme. Sie müssen nicht in einer bestimmten Reihenfolge aufgeführt werden. Steht ein Wirkstoff also weit hinten auf der Liste, bedeutet das nicht automatisch, dass nur eine winzige Menge davon enthalten ist. Vor allem bei Wirkstoffen, die schon in sehr niedrigen Konzentrationen eingesetzt werden, kann ein hinterer Listenplatz völlig normal sein.
Wichtig: Die genauen Prozentangaben müssen Hersteller in der Regel nicht auf der Verpackung nennen. Die INCI-Liste zeigt dir, welche Inhaltsstoffe im Produkt stecken. Wie viel von jedem einzelnen enthalten ist, kannst du daraus aber nicht genau ablesen.
Was bringt Niacinamid?
Niacinamid ist die Amid-Form von Vitamin B3 und einer der am besten untersuchten Wirkstoffe in der Hautpflege. Er kann die Hautbarriere unterstützen, das Hautbild glatter und ebenmäßiger wirken lassen und das Erscheinungsbild feiner Linien und dunkler Flecken mildern. Bei zu Unreinheiten neigender Haut kann Niacinamid außerdem dazu beitragen, dass die Haut weniger glänzt.
Bei der Konzentration lohnt sich ein genauer Blick auf die Prozentzahl auf der Vorderseite. Mehr bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung. Die dichteste Studienlage liegt laut PTAheute bei etwa zwei bis fünf Prozent, während auf dem Markt auch Seren mit zehn oder 13 Prozent angeboten werden. Bei empfindlicher Haut oder Haut, die schnell rot wird, kann eine hohe Konzentration unangenehm sein.
Ein gutes Beispiel dafür, wie sich eine Werbeaussage mit der Zutatenliste abgleichen lässt, ist das Niacinamide 10% + Zinc 1%, das unter anderem bei Douglas erhältlich ist. Niacinamid steht dort direkt hinter Wasser an zweiter Stelle. Das liegt daran, dass die Inhaltsstoffe nach ihrer Menge geordnet sind. Was weiter vorne steht, ist meist in größerer Menge enthalten. Die INCI-Liste kann die beworbenen zehn Prozent allerdings nicht exakt bestätigen, weil Hersteller die genaue Konzentration einzelner Inhaltsstoffe nicht angeben müssen.
Hyaluronsäure: Klein dosiert, aber trotzdem wirksam?
Hyaluronsäure ist ein körpereigener Stoff, der große Mengen Wasser binden kann. In Hautpflege wird sie vor allem eingesetzt, um die Haut mit Feuchtigkeit zu versorgen und sie dadurch aufgepolsterter, glatter und weniger trocken wirken zu lassen. Sie kann bereits in sehr niedrigen Konzentrationen eingesetzt werden, typische Einsatzkonzentrationen in Seren liegen etwa zwischen 0,05 und zwei Prozent.
Hyaluronsäure zeigt gut, warum die Faustregel "Je weiter vorne ein Inhaltsstoff steht, desto besser" nicht immer stimmt. Liegt ein Inhaltsstoff unter einem Prozent, darf er in der INCI-Liste in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden. Hyaluronsäure kann aus diesem Grund weit unten auf der Liste stehen, ohne dass das automatisch bedeutet, dass nur eine unwirksame Menge enthalten ist.
Anders sieht es bei Inhaltsstoffen aus, die für ihre Wirkung höhere Konzentrationen benötigen. Glycerin wird beispielsweise häufig in Konzentrationen von drei bis fünf Prozent eingesetzt und steht deshalb meist weiter oben auf der Liste. Die Position eines Wirkstoffs sollte deshalb immer zusammen mit seiner üblichen Einsatzkonzentration betrachtet werden.
Auch die Kritik von Verbraucherschützern lässt sich nicht pauschal auf jedes Produkt übertragen. Steht ein Wirkstoff hinter Konservierungsstoffen oder Parfum, bedeutet das nicht automatisch, dass nur sehr wenig davon enthalten ist. Bei Wirkstoffen, die mehrere Prozent benötigen, kann ein sehr später Listenplatz tatsächlich ein Hinweis auf eine geringe Konzentration sein. Bei Hyaluronsäure, Ceramiden oder Peptiden lässt sich daraus dagegen deutlich weniger ableiten.
Wie unterschiedlich Produktname und INCI-Liste aussehen können, zeigt die zweite Generation der Hyaluronic Acid 2% + B5, die als Variante "with Ceramides" verkauft wird. In der öffentlich dokumentierten Rezeptur steht nicht einfach der Inhaltsstoff "Ceramide" auf der Liste. Stattdessen werden Phospholipids und Sphingolipids aufgeführt. Das ist nicht automatisch ein Widerspruch: Ceramide gehören zur Gruppe der Sphingolipide. Wer nur nach dem Wort "Ceramide" sucht, würde den entsprechenden Bestandteil auf der Packung also nicht erkennen. Das Serum ist unter anderem bei Douglas und Parfumdreams erhältlich.
Ceramide, Aminosäuren & NMF: Was braucht die Hautbarriere?
Ceramide, Aminosäuren und natürliche Feuchthaltefaktoren (NMF) gehören zu den wichtigsten Bestandteilen der Hautbarriere. Ceramide machen rund 50 Prozent der Lipidmatrix der obersten Hautschicht aus und arbeiten dort zusammen mit freien Fettsäuren und Cholesterol. NMF ist kein einzelner Wirkstoff, sondern eine Mischung aus verschiedenen Stoffen. Dazu gehören unter anderem Aminosäuren, Harnstoff, Laktat, Zucker und PCA.
Entscheidend ist nicht ein einzelner Inhaltsstoff, sondern das Zusammenspiel. Bei sehr trockener Haut oder Spannungsgefühl lohnt es sich, auf Produkte zu achten, die mehrere dieser Komponenten kombinieren. Erhältlich sind solche Pflegeprodukte unter anderem bei Douglas, Parfumdreams, Flaconi, Notino und Sephora. Welche Marke wo geführt wird, unterscheidet sich je nach Shop.
Auch hier lohnt sich ein Blick auf die INCI-Liste. Bei einer Pflege mit Natural Moisturizing Factors stehen zum Beispiel mehrere Aminosäuren hintereinander, während Glycerin weiter vorne zu finden ist. Harnstoff kann dagegen weiter hinten stehen. Das heißt nicht, dass er unwichtig ist, sondern kann einfach auf eine geringere Konzentration hinweisen.
Der häufigste Irrtum beim Wort "Alkohol"
"Alcohol" auf der Zutatenliste bedeutet nicht automatisch, dass ein Produkt die Haut austrocknet. Cetyl Alcohol und Stearyl Alcohol sind beispielsweise Fettalkohole. Sie werden vor allem als Konsistenzgeber eingesetzt und verhalten sich anders als kurzkettige Alkohole.
Wenn auf Kosmetik von "Alkohol" die Rede ist, ist häufig Alcohol Denat. gemeint. Dieser flüchtige Alkohol kann bei empfindlicher oder trockener Haut ein Spannungsgefühl verursachen, erfüllt in leichten Texturen und Sonnenschutzprodukten aber ebenfalls eine wichtige Funktion.
Was macht ein Retinoid, und für wen ist es geeignet?
Retinoide werden in der Hautpflege eingesetzt, um das Erscheinungsbild von Hautalterung und Unreinheiten zu mildern. Sie beeinflussen die Zellerneuerung und können dadurch das Hautbild glatter und ebenmäßiger wirken lassen. Bei unreiner Haut können sie außerdem helfen, einer Verstopfung der Poren entgegenzuwirken.
Zu den bekanntesten Retinoiden gehört Retinol. Es muss in der Haut zunächst in seine wirksame Form umgewandelt werden. Hydroxypinacolone Retinoate (HPR), das unter anderem unter dem Namen Granactive Retinoid vermarktet wird, benötigt diesen Umwandlungsschritt nicht. Es wird deshalb häufig als besser verträglich beschrieben. Die Datenlage zu dieser Eigenschaft ist allerdings begrenzt und stützt sich teilweise auf Herstellerangaben.
Besonders bei Retinoiden lohnt sich ein Blick auf die Prozentangabe. Eine Angabe wie "2 % Granactive Retinoid" bedeutet nicht automatisch, dass zwei Prozent des eigentlichen Wirkstoffs enthalten sind. Beim Rohstoff bestehen die zwei Prozent in der Formulierung größtenteils aus Lösungsmittel. Er enthält rund zehn Prozent HPR und 90 Prozent Lösungsmittel. Zwei Prozent dieses Rohstoffs entsprechen damit ungefähr 0,2 Prozent HPR. Die Prozentzahl auf der Vorderseite sollte daher immer im Zusammenhang mit der verwendeten Rohstoffform betrachtet werden.
Auch die INCI-Liste kann zusätzliche Informationen liefern. Beim entsprechenden Produkt steht HPR direkt vor klassischem Retinol. Es handelt sich deshalb nicht um ein rein HPR-basiertes, retinolfreies Produkt. Die Prozentangabe und die Zutatenliste liefern also unterschiedliche Informationen und sollten zusammen betrachtet werden.
Für Retinol gelten inzwischen außerdem neue EU-Vorgaben. Bei bestimmten kosmetischen Produkten ist die Menge an Vitamin-A-Verbindungen begrenzt. Für Gesichtspflege gilt eine Höchstgrenze von 0,3 Prozent Retinol-Äquivalent. Retinol ist damit nicht verboten, seine Konzentration in Kosmetik aber begrenzt.
Retinoide werden in der Regel abends aufgetragen. Tagsüber ist ein guter Sonnenschutz wichtig. Mehrere Retinoid-Produkte sollten nicht ohne Weiteres miteinander kombiniert werden. Bei Schwangerschaft und Stillzeit sollte die Verwendung retinoidhaltiger Pflege ärztlich abgeklärt werden.
AHA oder BHA: Was ist der Unterschied?
AHA und BHA können beide abgestorbene Hautzellen lösen, eignen sich aber für unterschiedliche Hautprobleme. AHA wie Glykolsäure wirken vor allem an der Hautoberfläche und können helfen, raue, trockene oder uneben wirkende Haut glatter erscheinen zu lassen. BHA, meist Salicylsäure, ist fettlöslich und kann sich deshalb mit dem Talg in den Poren verbinden. Aus diesem Grund wird sie häufig bei fettiger Haut, verstopften Poren und Unreinheiten eingesetzt.
Der Unterschied lässt sich einfach erklären: Talg ist fettig. BHA kann sich darin lösen und erreicht dadurch den Inhalt der Pore besser. AHA ist wasserlöslich und eignet sich deshalb eher für die Pflege der Hautoberfläche. Es geht also nicht darum, dass BHA grundsätzlich "tiefer" wirkt, sondern darum, wo der jeweilige Wirkstoff seine Eigenschaften ausspielen kann.

Bei Säureprodukten solltest du außerdem nicht nur auf den Wirkstoff, sondern auf Konzentration und Anwendungshinweise achten.
AHA kann die Haut zudem sonnenempfindlicher machen. Deshalb gehört bei der Anwendung tagsüber Sonnenschutz dazu. Auf empfindlicher, schuppender oder bereits gereizter Haut sollten stärkere Säureprodukte nicht angewendet werden.
Welche Wirkstoffe solltest du nicht kombinieren?
Nicht jede Kombination, die in Beauty-Foren als "No-Go" gilt, ist tatsächlich problematisch. Entscheidend ist vor allem, wie stark die einzelnen Wirkstoffe die Haut beanspruchen.
Ein Beispiel ist Niacinamid und Vitamin C: Die häufige Warnung, beide Wirkstoffe dürften nicht gemeinsam verwendet werden, gilt heute nicht als zwingende Regel. Wer empfindliche Haut hat oder auf Nummer sicher gehen möchte, kann die beiden Produkte trotzdem auf morgens und abends verteilen.
Anders sieht es bei Retinoiden und direkten Säuren wie AHA oder BHA aus. Beide können die Haut stärker beanspruchen. Werden sie gleichzeitig angewendet, kann das die Wahrscheinlichkeit für Rötungen, Trockenheit und Irritationen erhöhen. Hier ist es sinnvoller, die Wirkstoffe auf unterschiedliche Abende zu verteilen.
Hyaluronsäure und Ceramide lassen sich gut miteinander kombinieren. Beide unterstützen die Hautbarriere und passen zu vielen anderen Wirkstoffen.

Welches Produkt passt zu welchem Anliegen?

*Diese Produkte werden abends angewendet und nicht am selben Abend miteinander kombiniert. Bei Säuren und Retinoiden gehört tagsüber konsequenter Sonnenschutz dazu.
Häufige Fragen zu Inhaltsstoffen in der Hautpflege
Wo kann ich diese Produkte online kaufen?
Diese Produkte sind bei großen Beauty-Onlineshops wie Douglas, Parfumdreams, Flaconi, Notino und Sephora sowie in Apotheken und direkt bei Herstellern erhältlich. Wichtiger als der einzelne Shop ist, dass es sich um einen autorisierten Händler handelt. So kannst du besser erkennen, ob die Ware für den europäischen Markt bestimmt ist und richtig gelagert wurde.
Welches Produkt eignet sich für Anfänger?
Für den Einstieg eignen sich Produkte ohne Kombinationseinschränkungen und ohne Sonnenwarnung. Hyaluronsäure-basierte Feuchtigkeitspflege und Produkte zur Unterstützung der Hautbarriere erfüllen beides und lassen sich täglich anwenden. Beide sind unter anderem bei Douglas erhältlich. Säuren und Retinoide kommen sinnvollerweise erst dazu, wenn die Basispflege steht.
Kann ich Niacinamid und Retinol zusammen verwenden?
Ja. Niacinamid und Retinol lassen sich grundsätzlich kombinieren. Wer empfindliche Haut hat, kann die beiden Wirkstoffe zunächst in unterschiedlichen Routinen anwenden. Retinoide und direkte Säuren wie AHA oder BHA sollten dagegen eher an unterschiedlichen Abenden verwendet werden, da beide die Haut stärker reizen können.
Woran erkenne ich, ob ein Wirkstoff hoch genug dosiert ist?
An der INCI-Liste lässt sich die genaue Konzentration meist nicht ablesen. Zwar stehen die Inhaltsstoffe grundsätzlich in abnehmender Menge auf der Liste, unter einem Anteil von einem Prozent darf die Reihenfolge jedoch frei gewählt werden. Außerdem müssen Hersteller die genauen Prozentangaben in der Regel nicht nennen. Ein Wirkstoff am Ende der Liste ist deshalb nicht automatisch zu niedrig dosiert.
Methodik & Quellen. Kriteriengestützter Überblick auf Basis öffentlich zugänglicher Herstellerangaben und Inhaltsstofflisten, ergänzt um behördliche Quellen zur Kennzeichnung, kein eigener Produkttest und keine Rangliste. Rezepturen, Sortiment und Verfügbarkeit können sich ändern, Stand ist der 14. August 2026. Die genannten Produkte sind kosmetische Mittel und keine Arzneimittel, bei anhaltenden oder entzündlichen Hautveränderungen gehört die Abklärung in dermatologische Hände.
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