16. März 2010
Richtiger Umgang mit Falten

Richtiger Umgang mit Falten

»Die Haut ist nie perfekt und das ist auch gut so!« – behauptet Beauty-Redakteurin Rüyam Altan und sagt, wie sie lernte, mit der Falte zu leben 

Richtiger Umgang mit Falten
© laurent hamels - fotolia.com
Richtiger Umgang mit Falten

Alarm! Rotes Telefon! Houston, wir haben ein Problem! Als ich an jenem Wintermorgen 1988 in den Spiegel blickte, begrüßte mich aufdringlich mein allererster Pickel. Ausgerechnet an meinem 13. Geburtstag. Ein Geschenk, auf das ich gern verzichtet hätte. Nach einer Schrecksekunde schnappte ich mir jedoch den Erste-Hilfe-Kasten und klebte fix ein Pflaster auf den neuen Mitbewohner. Ich fand die Gegenmaßnahme genial. Bis ich den Schulhof betrat: Noch Wochen später kursierte das Gerücht, ich würde mich rasieren. Tröstlich allenfalls, dass die Akne damals flächendeckend wütete, gerade die Jungs mit ihren Gesichtern wie Pizzabelag waren echt zu bedauern. Über die Jahre kamen und gingen weitere Pickel. Dank Cremes bekam ich das Problem jedoch in den Griff, bis es sich irgendwann mit dem Abflauen der Pubertät von selbst erledigt hatte. Endlich pickelfrei! Ich war der glücklichste Mensch auf Erden. Doch freuen konnte ich mich nur kurz. Da war sie nämlich: meine erste Falte!

Was sagt uns das? Der Kampf gegen die Natur lässt sich nicht gewinnen. Man geht abends mit makellosem Gesicht ins Bett, schläft nichts ahnend ein – und hat am nächsten Morgen größte Mühe, die Frau im Badezimmerspiegel wiederzuerkennen. Dieser Mitesser, diese erste feine Linie – die waren doch gestern noch nicht da, oder doch? Hautprobleme enden nie, sie wechseln mit dem Alter einfach nur ihren Look. Die Uhr tickt, und die Zeit hat sich scheinbar gegen uns verschworen. Deshalb tun wir alles, um Falten zu verhindern, zu verzögern, wegzumogeln. Ein Aufwand, bei dem man sich manchmal nach seinen Pickeln zurücksehnt. Denn die verschwinden bei den meisten von ganz allein. Falten leider nicht.

Das einzig wahre Rezept: Achselzucken und Abdeckstift

Eine Erkenntnis, die schon ein bisschen weh tut. Also trinken wir literweise Wasser wie Marathonläufer, ölen und cremen fieberhaft, und gnadenloses Neonlicht meiden wir wie Knoblauch vorm ersten Date. Verrückt, aber im Vergleich zur Freak-Show, die vieleHollywood-Stars veranstalten, noch harmlos: Goldie Hawn, 55, ist seit 20 Jahren 35 (Facelifting!), Nicole Kidman kann der Regieanweisung „Bitte lächeln“ längst nicht mehr folgen (Botox!), und Mickey Rourke hat sein Gesicht in Hundefutter verwandelt (Kollagen-Spritzen!). Mit Falten hat also jeder zu kämpfen. Ich behaupte sogar: Natur ist die einzig echte Demokratie – vor der Runzel sind wir alle gleich.

So wie unser Äußeres sich unweigerlich verändert, wandelt sich aber zum Glück auch unsere Persönlichkeit. Klar, die Uhr tickt für alle, aber die Zeit ist eben doch nicht zwingend unser Feind: Sie macht uns nämlich auch gelassener, selbstbewusster, und eines Tages wissen wir tatsächlich, worauf es im Leben ankommt – zumindest ein bisschen. Sind uns Pickel und Falten deshalb egal? Nein. Aber es gelingt uns besser, sie zu tolerieren. Mal mit einem Achselzucken, mal mit einem Abdeckstift. Es hat Jahre gedauert, aber ich habe endlich meinen Frieden gefunden. Bis heute morgen: Da entdeckte ich im Spiegel mein erstes graues Haar.

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