17. März 2010
Beauty-Korrekturen. Wer schön sein will, muss schneiden?

Beauty-Korrekturen. Wer schön sein will, muss schneiden?

Sie sind auf dem besten Weg, so normal wie der Gang zum Friseur zu werden: Schönheitsoperationen. Dabei gibt es inzwischen auch effektive sanfte Verschönerungs-Methoden – ganz ohne Skalpell!

Schönheits-OP
© Andrejs Pidjass - fotolia.com
Schönheits-OP

Wenn ich dich noch mal lifte, kannst du dir den Lidschatten auf die Oberlippe schminken“, sagt der Schönheits-Chirurg zu Goldie Hawn im „Club der Teufelinnen“. „Plastische Chirurgie ist für mich wie Zähneputzen“, erklärt sie später ihren Freundinnen. Damit liegt sie voll im Trend: Rund eine Million Menschen haben sich 2008 unters Messer gelegt. Aus den Zeitschriften lächeln uns Chefärzte schönheits- chirurgischer Institute an und versprechen uns ein schöneres Leben.

Brigitte Nielsen lässt sich live auf RTL sanieren, in jeder größeren Stadt gibt es Mini-Kliniken, die mit verführerischen Beautys werben. Keine Frage, die Hemmschwelle, sich mit ärztlicher Hilfe optimieren zu lassen, sinkt. Die Sehnsucht nach Schönheit ist uns schließlich angeboren: Sie ist ein evolutionäres Signal für Gesundheit. Doch bitte langsam!

Enttäuschung ist nämlich programmiert, wenn jemand nicht „nur“ schön, sondern eigentlich lieber jemand anders sein möchte – und sich zum Beispiel „einen Körper wie Heidi Klum“ wünscht. Frauen, die dagegen seit der Pubertät unter dem Spitznamen „Zwerg Nase“ leiden, werden mit einer neuen Gesichtsmitte schon eher glücklich. Oder unbekannt: Haben Sie sich mal gefragt, warum Sie Jennifer Grey, den Star aus „Dirty Dancing“, nie wiedersahen?

Des Rätsels Lösung: Von ihrer Gage leistete sich die Schauspielerin eine ersehnte Nasen-Verkleinerung. Blöderweise erkannte sie hinterher keiner mehr, Casting-Agentenwinktenab.Spätersagte sie: „Als Star betrat ich die Klinik, als Nobody verließ ich sie.“

Rund eine Million Menschen legten sich 2008 unters Messer

Oft sind vermeintliche Makel das, was uns unverwechselbar macht – und Sex-Appeal kann man sowieso nicht kaufen. Auch die Wiener Psychologin Barbara Habinger, die Menschen vor und nach Beauty- OPs berät, mahnt zur Umsicht: „Chirurgische Eingriffe sind immer mit medizinischen Risiken verbunden.“ Die psychischen Folgen der Verwandlung werden ebenfalls zuweilen unterschätzt. So können die sehr beliebten Brust-Vergrößerungen von A nach C ungeahnte Folgen haben.
Habinger: „Die Implantate werden manchmal als Fremdkörper empfunden.“Wemall das bewusst ist und wer sich auch nach reiflicher Überlegung noch eine OP wünscht, für den kann sich der Aufwand lohnen. Aber vielleicht tut’s ja auch bereits eine der sanfteren Methoden, die wir hier vorstellen.

22% der deutschen Frauen würden eine sanftere Schönheitskorrektur – z.B. Botox oder eine Unterspritzung – an sich machen lassen Quelle: Das GEWIS-Institut befragte 1.015 Frauen im Alter zwischen 29 und 49

Die Methoden im Überblick:

GESICHT
Der Lunchtime-Laser gegen Falten
Wie es funktioniert: Das Prinzip des „Fractional“ oder„Fraxel“-Lasers beruht darauf, dass der Arzt die Haut nicht flächig behandelt wie bei herkömmlichen Lasern üblich. Stattdessen dringt der Laser während der Sitzungen von 20 bis 30 Minuten nur punktuell in die Haut ein. Dadurch sind behandelte Stellen immer von gesundem Gewebe umgeben. Statt für Wochen optisch außer Gefecht gesetzt zu sein, erfolgt die Heilung imTurbotempo, und mit Make-up ist man sofort wieder gesellschaftsfähig. Der Laser ist so eingestellt, dass er die Epidermis durchdringt und „Lichtsäulen“ in tieferen Hautschichten absetzt. Der Thermoeffekt stimuliert die Bildung von Kollagen und elastischen Fasern, dadurch strafft sich die Haut. Die Methode ist sehrneu,darumgibt es noch keine Langzeitstudien. Erste Untersuchungen sind allerdings positiv, die Fachwelt spricht von einem Durchbruch. Für wen es sich eignet: für Frauen, die lieber ihr Erspartes als den Urlaub für ihre Schönheit opfern wollen. Vorteile: effektiv. Je nach Lebensstil bleibt die Haut zwei bis fünf Jahre straff. Nachteile: Die Behandlung ist unangenehm, man muss drei bis fünf Sitzungen einplanen.Was es kostet: ab etwa 500 Euro pro Sitzung.

Licht plus Spray gegen Knitterfältchen
Wie es funktioniert: Das Photospraymit dem fast unaussprechlichen Wirkstoff „Aminolävulinsäure“ wirkt eine Stunde ein. Dann wird die Substanz mit Lichtimpulsen 15 bis 30 Minuten aktiviert. Die kollagenbildenden Zellen in der Haut sollen so angeregt werden. Für wen es sich eignet: für alle mit Knitterfältchen, die z.B. durch zu viel Sonne entstanden sind. Vorteile: unblutig und spritzenfrei, hält bis zu einem Jahr. Nachteile: Drei Behandlungen im Abstand von drei Wochen sind nötig, dadurch teuer. Was es kostet: ab 350 Euro pro Sitzung. Die „Epilux-Photospray“-Methode wird von Beauty-Instituten angeboten.

Botulinum Toxin A gegen Mimikfalten
Wie es funktioniert:
Der moderne Klassiker unterdensanften Eingriffen eignet sich, um „dynamische Falten“ zu glätten. Das sind die, die früh durch expressive Mimik entstehen. Botulinum Toxin A – bekannt als „Botox“– ist ein aus Bakterien gewonnenes Gift. Damit können Ärzte heute Stirn- und Zornesfalten, Krähenfüße, ein „krauses Kinn“, nach unten gezogene Mundwinkel, einen „Truthahnhals“ und das Dekolleté behandeln. Der Wirkstoff wird direkt in den Muskelgespritzt. Das piekst, ist aber nicht schmerzhaft. Das Gift blockiert den Botenstoff, der für die Muskelkontraktionen und damit für die Faltenbildung verantwortlich ist. Die Wirkung setzt nach einigen Tagen ein und hält drei bis sechs Monate. In der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Blutgerinnungs- Störungen und bei Erkrankungen, die auf Muskelschwäche zurückzuführen sind, darf nicht gespritzt werden! Für wen es sich eignet: für alle, die starke Mimikfalten haben, die sich noch nicht zu tief in die Haut eingegraben haben. Vorteile: speziell bei „Zornesfalten“ und im Stirnbereich sehr effektiv. Nachteile: Bei unsachgemäßer Behandlungumdie Augen können sich Schlupflider verstärken, der Lymphfluss kann stocken. Anwendungen an Hals und Dekolleté sind recht neu, nur wenige Ärzte haben damit bisher Erfahrung. Was es kostet: ab etwa 250 Euro für die Stirn.

Mesolift für strahlenden und straffen Teint
Wie es funktioniert: Ein nährender und revitalisierender Mix aus Vitaminen, Spurenelementen,Mineralstoffen,Hyaluronsäure, Antioxidantien und Proteinen wird mit einer speziellen Pistole per Mininadeln bis zu hundert Mal in die Haut „getackert“.Weil viele Hollywood- Stars den Mesolift lieben, trägt die Methode den Spitznamen „Red-Carpet- Glow“. Für wen es sich eignet: für alle, deren Haut durch Sonne, Stress und Nikotin müde und grau aussieht. Vorteile: schmerzfrei und ohne sichtbare Blessuren. Sofort nach der ersten Behandlung soll der Teint frischer strahlen – und deutlich glatter und praller wirken. Nachteile: Es sind zwei bis vier Behandlungen im Abstand von ein bis drei Wochen erforderlich. Jedes halbe Jahr ist eine Auffrischung nötig.Was es kostet: ab etwa 200 Euro pro Sitzung.

Faltenfüllung mit Hyaluron
Wie es funktioniert:
Injektionen mit Hyaluronsäure können Falten an Mund, Augen und Stirn mildern, auch Naso-Labial- Falten lassen sich damit gut auffüllen Außerdem wird Hyaluronsäure zum Vergrößern des Lippenvolumens und gegen Augenringe eingesetzt. In tiefere Hautschichten gespritzt kann es verlorenes Volumen zurückgeben, etwa an den Wangen. Je nach Anwendung wird Gel feinerer oder gröberer Konsistenz verwendet. Die Einstiche sind etwas unangenehm, und es „brennt“ – dagegen sollte der Arzt eine Betäubungssalbe anbieten. EinigenPräparatenist bereits ein Betäubungsmittelbeigemischt. Für wen es sich eignet: theoretisch für jeden, denn es gibt fast keine Unverträglichkeitsreaktionen. Vorteile: schnell und mit Soforteffekt. Nachteile: je größer die Gel-Partikel und je dichter unter der Haut, desto eher können bei falscher Anwendung kleine „Knoten“ sichtbar werden. Der Körper baut die Substanz nach und nach ab, darum hält das Ergebnis höchstens zwölf Monate. Was es kostet: Je nach verwendeter Menge kostet die Injektion ab ca. 200 Euro (Naso-Labial- Falte) bis etwa 800 Euro (Wangen).

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie diesen Artikel

KÖRPER
Hyaluron-Polster für volleren Busen und runderen Po
Wie es funktioniert:
Eine biotechnologisch nachgebaute Version der körpereigenen Substanz Hyaluronsäure wird bei örtlicherBetäubunggenauandie Stellen gespritzt, diemehrVolumenbekommen sollen. Dafür sind kleine Einschnitte für die Kanüle nötig, die Behandlung dauert 15 bis 60 Minuten. Die Substanz baut sich – je nach individuellem Stoffwechsel – innerhalb von einembis zu vier Jahren ab, eine Auffrischung etwa einmal pro Jahr wird empfohlen. Rötungen, Schwellungen oder leichte Schmerzen sind direkt nach der Behandlung normal. EinigeWochen lang sollten Sie auf Sport, Sauna und Solarium verzichten.
Für wen es sich eignet:
für alle, die zwar kleine, aber grundsätzlich gut geformte und nicht hängende Brüste haben. Denn: Das Verfahren kann zwar Volumen geben, aber nicht ganz so gut formen. Die Haut über Po und eingesunkenenRegionen– etwa Narben oder nach einer Fettabsaugung entstandene Dellen – muss eine ausreichende Dicke haben. Außerdem sollte die Haut noch einigermaßen elastisch sein, um die Dehnung zu verkraften. Vorteile: deutlich sanfter undrisikoärmeralsImplantate. Nachteile: genauso teuer wie eine Brustkorrektur durch Implantate, aber kurzlebig. Und das ständige Wiederholen bedeutet auch jedes Mal neue Mini- Narben. Was es kostet: 100 ml kosten ab 3.000 Euro. Um einen sichtbaren Effekt z.B. am Busen zu erzielen, sollten mindestens 200 ml injiziert werden.

Mehr Infos

• DGÄPC Deutsche Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Tel. 030/887 102 200 (www.dgaepc.de)
• GÄCDGesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland e.V., Tel. 06196/652 49 23 (www.gacd.de)
• DGBT Deutsche Gesellschaft für Ästhetische Botulinumtoxin-Therapie e.V., Tel. 069/949 428 82 (www.dgbt.de)
• DGP Deutsche Gesellschaft für Phlebologie, Tel. 04932/80 54 20 (www.phlebology.de)

Für alle, die lieber gucken:

„NIP/TUCK“: Satire-Kult um ein Chirurgen- Team (Warner Home, ca. 30 €)

„Der Tod steht ihr gut: mit Goldie Hawn und Meryl Streep (Universal, ca. 10 €)

„Der Club der Teufelinnen“: Ältere Ladys im Beauty-Wahn (Cine Plus Home Entertainment, ca. 7 €)

 

Hochfrequenz-Wellen gegen Krampfadern
Wie es funktioniert:
Beim „Closure- Fast“-Verfahren wird durch einen Mini- Schnitt an Knie oder Knöchel eine Kanüle in die Vene geführt, die durch den gestörten Blut-Rückfluss zur Krampfader wurde. Der Arzt schiebt dann – per Ultraschall überwacht – einen dünnen Katheter bis in die Leiste und schießt 120Gradheiße Hochfrequenz-Wellenab. Die Wände der Vene werden quasi „verkocht“, dabei wird Betäubungsmittel in die Region gepumpt. Die Behandlung dauert knapp eine Stunde für beide Beine. Pflaster bedecken nach dem Eingriff die Einstiche, es müssen zunächst Verband und Kompressions-Strümpfe getragen werden. Für wen es sich eignet: für alle mit Krampfadern. Vorteile: Die Rückfallquote liegt unter 5 % (beim klassischen „Venen-Stripping“: 40%). Das Ergebnis ist kosmetisch hervorragend, ohne Schwellungen und Blutergüsse. Nachteile: Die Behandlung ist unangenehm – aber deutlich weniger schmerzhaft als das Stripping. Was es kostet: ab etwa 2.500 Euro. Die meisten privaten Kassen und Zusatzversicherungen übernehmen sogar die Kosten.

Thermo-Lifting für straffere Haut
Wie es funktioniert: Die„Thermage“-Radiofrequenz- Technologie soll die Kollagen- Bildung durch Erhitzung der tieferen Schichten der Haut anregen. Dazu werden Punkt für Punkt Energie-Impulse per Hochfrequenz gesetzt. Das soll schlaffe Areale an Oberarmen, Bauch oder Oberschenkeln straffen. Für wen es sich eignet: für jeden, dessen Haut noch eine Grundelastizität besitzt. Vorteile: Es ist nur eine Behandlung nötig, der Effekt soll bis zu drei Jahre anhalten. Nachteile: 20 % sprechen gar nicht auf die Methode an. In Einzelfällen kommt es zu eingesunkenen Stellen. Schmerzempfindliche können Probleme mit der Hitzeentwicklung bei der Behandlung haben. Was es kostet: ab etwa 1.500 Euro.

59% der deutschen Frauen würden sich nicht für eine Schönheitskorrektur auf den OP-Tisch legen. Quelle: Das GEWIS-Institut befragte 1.015 Frauen im Alter zwischen 29 und 49 Jahren

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