Ist das wirklich Fremdgehen? Chweeting: Der virtuelle Seitensprung

Für manche ein Kavaliersdelikt, für andere ein klarer Seitensprung. Das Chweeting, also das Fremdgehen im Internet. Unser Redakteur Alex hat zu diesem Thema eine eindeutige Meinung.

Virtueller Seitensprung

Vor einiger Zeit habe ich schon einen Artikel über das Sexting geschrieben. Der Neologismus aus Sex und Texting beschreibt das Tauschen von erotischen Textnachrichten und sexuell freizügigen Bildern. Neben den Gefahren, die bei dieser Art des Datenaustausches lauern, fragte ich mich auch, wie das Ganze überhaupt von statten gehen soll. Doch ich bin ja ein aufgeschlossener Mensch und habe prinzipiell nichts gegen neue Arten der sexuellen Kommunikation. Sei es in einer Beziehung oder als heißer Flirt in einer einsamen Nacht. Sexting mit fremden Personen hat in einer Beziehung allerdings nichts zu suchen. Und genau das ist Chweeting

Wo liegen die Grenzen beim Chweeting?

Liebesleben
Alexander Scherb

Alex ist Germanist mit Leidenschaft und bei der Petra für die Themen Sex und Liebe zuständig. Was ihn daran fasziniert? Ganz einfach: Nichts kann so schön aber auch so schmerzvoll sein.

 Genau wie Sexting ist Chweeting eine Wortneuschöpfung aus zwei bekannten Begriffen. In diesem Fall aus "cheating" (das englische Wort für Fremdgehen) und "tweet", also einer Kurznachricht auf Twitter. Natürlich spielt sich das alles nur virtuell ab, wodurch vielen das Gefühl vermittelt wird, es handle sich gar nicht um einen echten Seitensprung. Schließlich fehlt die körperliche Nähe. Zudem ist der Begriff Chweeting auch ziemlich rigoros in seiner Ansicht. Ein relativ harmloses "Du siehst sexy aus in dem neuen Kleid" an die Arbeitskollegin fällt nämlich genauso darunter, wie das Versenden von Nacktbildern. 

Nun hat natürlich jeder Mensch eine ganz eigene Schmerzgrenze was Untreue angeht. Gerade im Internet scheinen diese Grenzen allerdings zunehmend zu verschwimmen. Ist es Betrug, wenn der Partner die oben genannte offenherzige, aber eben keine sexuelle, Nachricht an die Arbeitskollegin schickt? Ist es ein Seitensprung, wenn die Freundin Fotos ihrer nackten Beine an den Nachbarn sendet? Ich sage ja! Denn egal, wie harmlos auch diese Nachrichten aussehen können, es ist der dahinterstehende Gedanke, der aus einem nett gemeinten Kompliment oder dem Fishing for Compliments Fremdgehen macht. 

Chweeting bleibt ein Seitensprung

Stellen Sie sich vor, Sie erwischen Ihren Partner, wie er vor dem Fenster steht und seiner Nachbarin sein bestes Stück präsentiert. Diese ist ganz angetan davon und zeigt ihm sogleich ihre Brüste. Würden Sie sagen es handle sich hier um Fremdgehen? Natürlich würden Sie das. Und das vollkommen zu Recht. Ich sehe bei diesem Beispiel keinen Unterschied zum Chweeting. Die Ausrede, dies wäre doch alles nur virtueller Natur, ein körperloser Spaß, kann ich hier nun wirklich nicht gelten lassen. Es geht beim Fremdgehen doch nicht um die Intensität der Tat, sondern um das Vorhaben.

Nun kann man natürlich anmerken, dass nach dieser Definition ja schon der bloße Gedanke an eine andere Person ein Seitensprung wäre. Leider ist es nicht so einfach. Ich denke jeder von uns hat einem Arbeitskollegen, dem Dozenten oder einem unangenehmen Nachbarn den Tod an den Hals gewünscht. Doch kämen wir auf die Idee dieser Person eine Morddrohung per E-Mail zu schicken? Wohl eher nicht. Und genauso verhält es sich mit dem Versenden von erotischen Nachrichten. Manche Gedanken sollten eben besser Gedanken bleiben

In Zeiten von Tinder, Instagram und Tumblr, bei denen viele Menschen ja quasi einen Seelen-Striptease hinlegen, mag diese Meinung prüde, ja geradezu nostalgisch wirken. Erotik gehört für mich allerdings zu diesen Dingen, die man in einer Beziehung eben nur mit dem Partner teilen sollte. Der Austausch sexueller Inhalte mit einer dritten Person, ob online oder offline, hat in einer Beziehung nichts zu suchen. Es sei denn, es werden etwaige Rollenspiele gespielt und das sexuelle Einbeziehen einer dritten Person gehört zum beiderseitigen Vergnügen. Allerdings würde das dem Wort Chweeting auch widersprechen. Übrigens sind Männer nicht die einzigen, die diese verbotene Erotik im Internet suchen. Beide Geschlechter gehen virtuell etwa gleichhäufig fremd. Nämlich zu 50 Prozent. 

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Alexander Scherb