Leben Tschüss, Schicksal!

Dem Glück vertrauen? Den Sternen? Oder auf bessere Zeiten hoffen? Keine sinnvolle Strategie. Wie man auf das Universum pfeift und anpackt, statt abzuwarten
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Ach ja, es ist doch so bequem, sein persönliches Glück dem Schicksal zu überlassen. Wenn’s mit der Gehaltserhöhung mal wieder nicht von allein geklappt hat, der neue Kerl sich als polygam herausstellt oder man achselzuckend auf der Waage steht, dann heißt es gern mal: „Hat nicht sollen sein“, „Is’ wie’s is’“, oder man entscheidet sich für die französische Variante „C’est la vie“. Pech halt. Oder? Nein, nix Pech. Längst hat die Wissenschaft belegt, dass Glück zu 90 Prozent von der inneren Einstellung abhängt – wir also fast alles erreichen können, wenn wir bereit sind, dafür zu kämpfen. Zu anstrengend? Zugegeben, es ist gemütlicher, in einem Sessel zu hocken und eine Tarotkarte zu ziehen, anstatt aufzustehen und sein Leben in die Hand zu nehmen. Die gute Nachricht ist aber, dass es nur weniger kleiner Schritte bedarf, um Pläne zu schmieden und seine Sache mutig und kreativ voranzubringen. Vorausgesetzt, Sie streichen diese fatalen Schicksalssätze aus Ihrem Leben:

„Man kann nicht alles haben“

Na und? Muss auch nicht. Denn wir wollten weder die Kaiserin von China noch Germany’s Next Topmodel werden. Und auch nicht das Bundesverdienstkreuz bekommen. Mehr Quality Time würden wir dagegen gern nehmen. Auch mehr Spaß im Job. „Um zu erkennen, worauf es einem wirklich ankommt, sollte man sich seiner Werte bewusst werden“, sagt Barbara Wilde, Koautorin des Buches „Fuck your Luck“ (S. Hieronimus, Südwest, 304 S., 16,99 €). Streben Sie eher nach Abenteuer oder nach Ansehen? Brauchen Sie ein Plus an Harmonie, Ordnung oder Freiheit, um zufriedener zu werden? Wilde: „Picken Sie sich zehn Werte heraus, die den Kurs für Ihr weiteres Leben angeben.“ Wer sie als Kalendernotiz ins Handy eintippt und regelmäßig aufploppen lässt, kann sich die Liste immer mal wieder vorknöpfen und Häkchen verteilen. In der Woche drauf strebt man verstärkt nach denen, die zuvor vernachlässigt wurden.

„Das liegt in der Familie“

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Frau macht Übungen auf einem Ball

Ausreden abschaffen Hören Sie auf, sich selbst in die Tasche zu lügen und einen Vorwand für was auch immer zu konstruieren („bin im Stress“, „Freundin braucht mich“, „kriege eine Erkältung“): Wenn Sie keinen Bock auf Joggen, Elternabend, Party haben: Sei’s drum, dann sagen Sie es so. Und nächstes Mal gehen Sie gefälligst wieder.

Faustregeln anwenden Immer dieses Rumgegurke. Soll ich wirklich? Was werden die anderen denken? Was mache ich, wenn’s schiefgeht? Berufen Sie sich einfach auf Dinge, die in der Vergangenheit gut gelaufen sind, und versuchen Sie, nach einem ähnlichen Schema vorzugehen. Das Restrisiko verdrängen Sie.

Miese Stimmung nutzen Man muss nicht den ganzen Tag zum „Happy“-Lied performen, um Veränderungen voranzubringen. Im Gegenteil: Wer ab und zu schlechte Laune hat, ist automatisch selbstkritischer und eher bereit, die Verantwortung für einen Fehler bei sich, statt bei anderen zu suchen.

Vor falschen Erwartungen schützen Wer von seinem Umfeld nichts erwartet, wird öfter überrascht statt enttäuscht. Und macht sich unabhängig von den Reaktionen anderer. Viel effektiver als stille Annahmen sind feste Vereinbarungen.

Sich der Illusion hingeben Psychologen raten dazu, sich immer ein klein wenig erfolgreicher, attraktiver und talentierter zu wähnen, als man in Wahrheit ist. Solange Sie nicht ausflippen, stärkt dieser Trick das Selbstbewusstsein und somit auch die Erfolgschancen!

Diesen Satz können Sie gleich mal durch den folgenden ersetzen: „Ich bin kein Opfer meiner Gene!“ Die noch junge Wissenschaft der Epigenetik hat nämlich ergeben, dass wir zu höchstens zu 50 Prozent von unseren Anlagen abhängen. Mit den anderen 50 Prozent entscheiden wir frei, ob es bei der abgedroschenen Ausrede bleibt, oder ob wir aktiv gegen die Schüchternheit, die lästigen Kilos oder den Sportmuffel in uns angehen. Um sich leichter zu überwinden, kann man seinen Gefühlsspeicher nutzen und sich mit positiven Erinnerungen an einstige Erfolge dopen: die Glückwünsche zum gelungenen Vortrag, die Komplimente zum Outfit, die Dusche nach dem Training. „Hilfreich ist es auch, die Erwartungen von Partner, Kollegen und Freunden als Ansporn zu nehmen, wenn sie sich denn mit dem eigenen Anspruch decken“, sagt Barbara Wilde. „Wer andere einweiht und einen Etappenvertrag samt Unterschrift aufsetzt, pusht ebenfalls seine Motivation.“

„Das Universum ist schuld“

Kein Applaus, keine Knete, kein Parkplatz, kein Sex. Und wer hat’s verbockt? Das Universum natürlich. Einer muss ja schuld sein. Die gute Nachricht: Pechsträhnen kann man abschneiden, indem man sich mental umstrukturiert. „Das Unterbewusstsein ist unser Autopilot“, erklärt Wilde. „Damit es uns durchs Leben manövrieren kann, greift es auf abgespeicherte Erfahrungen und Überzeugungen zurück.“ Leider sind einige eher von Schaden: Weil sie uns beispielsweise davon abhalten, Männer unverkrampft anzuquatschen, nur weil ein Kerl mal blöd reagiert hat. „Versuchen Sie, diese negativen Überzeugungen zu entlarven, indem Sie einen Tag lang stichwortartig Ihre Gedanken skizzieren“, rät die Autorin. Die fiesesten Fehlannahmen formulieren Sie hinterher positiv um. Aus „Das wird eh nichts“ entsteht: „Ich kriege das schon hin.“ Dann sucht man sich kleine Herausforderungen mit hohem Erfolgspotenzial (z. B. sechs Minuten joggen oder einmal Smalltalk in der Kaffeeküche anzetteln) und speichert die guten Gefühle so zahlreich ab, bis die Festplatte einmal komplett überschrieben ist.

„Abwarten und Tee trinken“

Während die Kollegin Tag für Tag ihre miesen Spielchen abzieht oder der irre Typ aus der Wohnung oben nachts mal wieder meint, Möbel rücken zu müssen, reden wir uns ein, dass schon wieder bessere Zeiten kommen. „Es ist Zeitverschwendung, stur in der Hoffnung zu verharren, dass sich alles zum Besseren verändern wird“, sagt Barbara Wilde. Zwar zweifeln wir gern, ob sich der Aufwand lohnt, ein Fass aufzumachen. Wilde: „Aber wer sich einmal fest entschließt zu handeln, fühlt sich augenblicklich beflügelt.“ Eine kluge Strategie, um weniger zu zögern und zackiger zu reagieren, ist das sogenannte Direkt-Prinzip. Ist man mit Kleinigkeiten unzufrieden – findet den Zeitpunkt des Meetings ungünstig gewählt, kann die Farbe der Schlafzimmerwand nicht mehr sehen –, spricht man seinen Missmut sofort an oder beseitigt das Problem, ohne lange zu lamentieren. So trainiert man seine Handlungsfähigkeit und trifft Entscheidungen auf Dauer lässiger.

„Man sieht sich“

In den Telenovelas klappt das ja immer ausgezeichnet: Zwei Leute sagen „Lass mal treffen“, machen weder Ort noch Zeit dafür aus und sitzen am Ende des Tages trotzdem zusammen. Im wahren Leben haut das nicht hin. Erstens haben wir so viel an der Hacke, dass wir uns davor scheuen, noch mehr Termine anzuleiern. Zweitens gilt als cool, wer sich unverbindlich gibt und die Dinge geschmeidig auf sich zukommen lässt. Über eines sollten Sie sich aber im Klaren sein. Wenn Sie auf tiefe Gespräche statt losem Kaffeeklatsch stehen, müssen Sie selbst die Initiative ergreifen. Die Freundin anrufen, ein Date ausmachen, wirklich hingehen. Und am Ende selig denken: Gut, dass ich mich gekümmert habe.

„Wenn ich im Lotto gewinne...“

... gehen viele Wünsche schneller in Erfüllung, keine Frage. Aber im Umkehrschluss erst zufrieden zu sein, wenn die Wahrscheinlichkeit von 1 : 139 838 160 eintritt, ergibt ja irgendwie wenig Sinn. Zum Glück kann man sich auch ohne Anruf von der Lottogesellschaft als Gewinnerin fühlen, indem man eine wertschätzendere Haltung annimmt: Jedes Mal, wenn man sich im Alltag flüchtig für etwas bedankt (für die Geduld, eine Beratung, einen Gefallen), hält man kurz inne und macht sich bewusst, dass man ganz schön gut dran ist. Man streicht das Wort „eigentlich“ aus seinem Wortschatz. Und hört auf, sich mit anderen zu vergleichen. Wilde: „Erstens wissen Sie nicht, was hinter der Fassade steckt, wenn Heile-Welt-Fotos bei Facebook die Runde machen.“ Zweitens sei es sinnvoller, seine Selbstwahrnehmung zu schulen und sich wie ein Kind zu freuen, wenn man wieder etwas dazugelernt hat oder man sich etwas leisten kann, das keine Million gekostet hat, aber schon lange auf dem Wunschzettel stand.

„Sollte wohl so sein“

Kaum klappt es mal nicht auf Anhieb mit der Selbstständigkeit, der Reiseplanung oder dem Online-Date, geben Sie klein bei, oder wie? Dabei liegt im „Dumm gelaufen“ doch das größte Potenzial! Weil Sie jetzt, da Plan A nicht gefunzt hat, ihre Kreativität ankurbeln können. Vollziehen Sie dafür mal einen Ortswechsel (die Farbe Grün begünstigt bewiesenermaßen die Ideenfindung, also ab in die Natur!) und geben Sie Impulsen von Leuten, die schräger drauf sind als Sie selbst, eine echte Chance. Auch, wer seine Mentalisierungsfähigkeit schult, also achtsam genug durchs Leben geht, um spontane Gelegenheiten zu wittern, wird neue Mittel und Wege finden. Wenn man sich darüber hinaus einen Fehler eingesteht, statt ans große Pech zu glauben, lernt man eher dazu, holt sich die nötige Hilfe und triumphiert zu guter Letzt mit dem Satz: „Hat doch noch geklappt!“