Leben Selbstwertgefühl steigern

Stark und charismatisch geben wir uns am liebsten. Manchmal mutieren wir trotzdem zur Mimose. Warum wir dann so dünnhäutig sind und was wir tun können, um unser Selbstwertgefühl zu pushen.
Tipps um das Selbstwertgefühl zu steigern

Wenn wir uns früher ungerecht behandelt fühlten, Streit oder Liebeskummer hatten, ging es geradewegs ins Baumhaus. Strickleiter hoch, „Zutritt verboten“-Schild raus und erst mal ins Kissen geheult. Ein paar Süßigkeiten später sah die Sache nicht mehr ganz so trüb aus.
Wenn die Welt heute gegen uns arbeitet, könnten wir den Rückzugsort von früher noch manchmal gebrauchen. Die Bretterbude, die uns Schutz bot, wenn die Jungs gemein waren. Das Tipi, in das man sich mit einem Buch flüchten konnte, wenn zu Hause Zoff herrschte. Danach war das Schlimmste schon überstanden. Das miese Gefühl drückte nicht mehr so doll auf den Magen. Der Kummer blieb in der Schachtel mit Liebesbriefen, Bonbons und zerknautschtem Teddy zurück.

Heute ist keine Höhle mehr da, in die wir uns verkriechen könnten, wenn der Chef rantig, der Liebste mal blöd oder der Gegenwind gerade zu stark ist. Es fragt auch niemand, ob wir auf den Arm wollen, wenn wir kurz vorm Heulen sind. Als Erwachsener reißt man sich zusammen. Man flippt nicht gleich aus, wenn der Kollege einem über den Mund fährt. Man spielt nicht beleidigte Leberwurst, wenn Schatzi schon wieder zum Sport verschwindet. Und verzweifelt nicht, nur weil man mal einen Fehler gemacht hat. Heute handeln wir rational, stehen über den Dingen und mimen selbstbewusst die Starke. Oder nicht? „Auf der bewussten Ebene sind wir unabhängige Erwachsene, die ihr Leben gestalten“, sagt die Psychologin Stefanie Stahl. „Unser Unterbewusstsein aber ist eine machtvolle Instanz, die unser Erleben und Handeln zu 80 bis 90 Prozent steuert.“In der Psychologie rückt es derzeit stark in den Fokus, vor allem weil die Betrachtung des Unterbewussten einen ganzheitlichen Ansatz für Therapien bietet. Es beeinflusst alle Lebensbereiche – und sorgt dafür, dass wir in bestimmten Situationen wie ferngesteuert funktionieren; einen Streit vom Zaun brechen oder überreagieren; uns tief angefasst und verletzt fühlen, obwohl die Bemerkung unserer Freundin gar nicht böse gemeint war; unverhofft mauern, obwohl das Date gerade so nett lief. Dann versteht nicht nur unser Gegenüber die Welt nicht mehr.

Auch wir selbst fühlen uns überfordert und verunsichert, wie früher, als wir klein waren, und sehnen uns nach einer warmen Umarmung. Wie kommt das eigentlich?

Sefanie Stahl erklärt es so: Unsere Psyche ist in zwei Bereiche geteilt, wobei der erste dem inneren Erwachsenen entspricht, der unseren vernünftigen Verstand meint. „In diesem Modus können wir Verantwortung übernehmen, planen, vorausschauend handeln, Zusammenhänge erkennen, Risiken abwägen“, sagt die Expertin. „Das Erwachsenen-Ich handelt bewusst und absichtlich.“ Der zweite Bereich ist unser inneres Kind. Und hier wird es interessant, denn ihm wird unser Gefühlsleben zugeordnet. „Es umschreibt die unbewussten Anteile unserer Persönlichkeit, die in der Kindheit geprägt wurden.“ Angst, Schmerz und Trauer, aber auch Freude, Glück und Liebe gehören dazu. Haben wir uns mit dieser Seite unseres Ichs noch nie bewusst auseinandergesetzt, verfällt jeder in sein eigenes Muster: Die eine versucht permanent, es allen recht zu machen, hechelt nach Lob und Anerkennung – und verliert dabei ihre eigenen Bedürfnisse aus dem Blick. Die Zweite halst sich zu viel auf, will alles perfekt erledigen und verfällt dabei schnell in Kontrollwut. Eine andere ist ungern allein, handelt beherrscht und übt sich in stiller Bewunderung. Hinter diesen Automatismen stecken Glaubenssätze, die tief in uns verankert sind.
„Reden bringt nichts“ oder „Ich falle zur Last“, „Ich muss stark sein“, „Ich darf nicht enttäuschen“, „Es wird einem nichts geschenkt“. „Glaubenssätze haben einen erheblichen Einfluss darauf, wie wir wahrnehmen, fühlen, denken und handeln“, sagt Stefanie Stahl.