Lieben Internet - moderne Romantik

Moderne Romantik? Sieht so aus, dass man sich die Finger auf WhatsApp wundschreibt und alle zwei Sekunden seine Mails checkt. Nun hat der US-Comedian Aziz Ansari einen Ratgeber geschrieben, der Singles weiterhilft. Vom ersten Wisch bei Tinder bis hin zum ersten Kuss – Ansari verrät, wie es Liebe wird.
Die Liebe im Internet finden

Zwei (blaue) Häkchen für die Liebe

Jeder Single mit einem Handy kennt die Situation: Das Gerät, das sonst problemlos funktioniert, hat plötzlich eine mysteriöse SMS-Empfangsstörung – und zwar genau dann, wenn man auf eine Nachricht von der Person wartet, mit der man am Abend zuvor abgestürzt ist. Statt das Handy wegzulegen und sich mit etwas anderem zu beschäftigen, fängt man an zu grübeln. Vielleicht fand der andere die gemeinsamen Stunden nur so mittelaufregend? Er könnte sich beim Nummerntauschen auch vertippt haben. Vielleicht ist sein Handy auf der Fahrt nach Hause im Bus liegen geblieben? Oder er ist vom Bus überfahren worden!

Der indischstämmige US-Comedian Aziz Ansari hat das auch schon mal erlebt: „Aus Kummer und Frust kontrollierte ich panisch wie ein Verrückter alle paar Minuten mein Telefon, nur, weil die Frau scheinbar nicht bereit war, mir eine blöde Mininachricht auf mein doofes kleines Handy zu schicken“, schreibt er in seinem Buch „Modern Romance“ (Penguin Press). Das Buch, das in den USA über Monate in den Bestsellerlisten stand, ist eine lustige Analyse über Beziehungen in Zeiten von Internet und Smartphone. Ansari hat es geschrieben, weil das Warten auf die überfällige SMS ihn wütend machte und kränkte. „Vor zehn oder zwanzig Jahren wäre so etwas gar nicht denkbar gewesen.“

Denn damals gab es keine Handys – und somit auch kein Warten auf SMS, WhatsApps, iMessages oder Facebooknachrichten. Der Gedanke beschäftigte den 32-Jährigen. „Jeder von uns hat irgendwann schon mal hilflos auf den Bildschirm gestarrt. Es fühlt sich an wie ein Riesendrama und als ob man damit völlig alleine wäre. Dabei sitzen wir alle im gleichen Boot. Selbst Menschen, die in Beziehungen sind, haben diese Momente“, sagte er. Weil sich keiner der Beziehungsratgeber, die er las, ausreichend mit der veränderten Dating-Kultur befasste, beschloss er, selber einen zu schreiben. Anstatt jedoch nur ein paar lustige Beobachtungen und Standup-Scherze aneinanderzureihen, tat er sich mit dem Soziologen Eric Klinenberg zusammen: „Nachdem ich viele interessante Zeitungsartikel über Liebe und Dating gelesen hatte, in denen Soziologen zu Wort kamen, wollte ich gern ein fundiertes Buch über das Thema schreiben – aber auf meine lustige Art“, sagte er. Gemeinsam führten sie Umfragen durch und organisierten Fokusgruppen, um besser zu verstehen, wie das Internet die Partnersuche verändert hat. Und warum es trotz Smartphone nicht einfacher geworden ist, sich mit einer interessanten Person zu verabreden.