Psychologie Charismatische Menschen

Authentische Ausstrahlung, souveräner Small Talk: Petra-Autorin Katja Nosse trainierte beim Charisma-Coaching, wie man das Gewisse etwas bekommt und besonders gut auf andere wirkt.

Charismatische Menschen haben Visionen, vertreten Standpunkte, argumentieren leidenschaftlich. Ich wäre schon glücklich, wenn meine Entscheidungsfreudigkeit so weit reichen würde, dass andere wissen, wofür ich stehe: High Heels oder Ballerinas, Berge oder Meer, Merkel oder mal was Neues? Einmal hab ich eine Freundin zum Debattierclub begleitet. Aber die Argumente der anderen erschienen mir so überzeugend, dass ich lieber zum Gegnerpult geschlichen wäre, statt bewusst dagegen anzureden.
Das Problem: Ich fühle mich wohler, wenn andere bequatschen und begeistern, ärgere mich aber irgendwie auch, wenn meine Talente und Thesen, meine Vorzüge und Verdienste schlicht übersehen werden, weil ich mich nicht mit ihnen schmücke.

„Ihr müsst strahlen! Tastet mit eurer Energie den Raum ab, breitet die Gedanken aus, bis die Fenster bersten.“ Ich fühle mich wie ein Glücksbärchi, das durch seine geschwollene Brust einen Zauber versprüht und die Welt mit Regenbogenfarbe bepinselt, während ich das Atelier abschreite. Dabei sind die Wände grau – und meine Kurskollegen bemüht, noch kräftiger zu strahlen. Unter ihnen ist Berater Marc, der sich mit Lockerheit und Loslassen schwertut. Die nette Nadine, die, wenn’s drauf ankommt, lieber in die Reserve, statt in die Vollen geht. Dann Sporttherapeutin Maja, der die Patienten auf der Nase herumtanzen; Marktforscherin Sandra, die sich als Führungskraft unter Männern behaupten muss; und Zivi Tom, der nicht weiß, wo es hingehen soll. Alle wollen an ihrer Ausstrahlung arbeiten, wünschen sich eine bessere Wirkung auf andere und sind deshalb, wie ich, beim Charisma-Coaching im Hamburger Kurswerk (www.kurswerk.net).

Julia Jessen, 37, unterrichtet hier nicht nur Darsteller, sondern auch ganz „normale Menschen“ mit Schauspielmethoden, die Körpersprache und Stimme, Präsenz und Persönlichkeit schulen sollen. „Weil Charisma wirklich etwas ist, was man lernen kann.“

Wir werfen Bälle, rufen „Hey!“ und suchen den Blickkontakt der anderen. Dann klatschen wir einem Spielpartner zu, der den Angriff möglichst gelassen abwehren soll. Wir lernen, das Verhalten des Gegenübers intuitiv wahrzunehmen; wach, aber nicht verkrampft zu sein; unser Bewusstsein zu schärfen und uns ganz auf die Situation einzulassen. Damit wir uns während einer wichtigen Präsentation – oder eines Dates! – vor lauter Anspannung nicht blockieren und unseren Zuhörer fokussieren können, ohne den Faden zu verlieren.