Fragliches Schönheitsideal Anal Bleaching: Das solltet ihr wissen

Die gesellschaftliche Präsenz von Nacktheit und Sexualität fordert die Schönheitsindustrie zu neuer Kreativität heraus. Tausend Dinge können wir mittlerweile in unserem Intimbereich verändern lassen, der Anus darf dabei natürlich nicht fehlen. Anal Bleaching heißt der neue Trend. Wie sich die Methode anwenden lässt und welche gesundheitlichen Risiken bestehen, erklären wir euch hier.
Gefährlicher Schönheits-Trend: Anal Bleaching

Nachdem sich Helen, die Protagonistin aus Charlotte Roches Skandalroman „Feuchtgebiete“, ihren Intimbereich mit dunklem Lidschatten kontrastierte, wurden viele Puderpinsel für das Schminken der Vagina umfunktioniert. Das war 2008. Heute, 2017, schwappt langsam ein ganz anderer Trend aus den USA zu uns nach Deutschland über: Das sogenannte Anal Bleaching. Woher es kommt? Natürlich aus dem Bereich, in dem die Amis sowieso schon immer allen anderen ein Stück voraus waren: der Pornofilmindustrie. Neben Vaginal oder Penis Bleaching wird nun auch ein helles Poloch als ästhetisch erstrebenswert empfunden, da sich der Gedanke durchgesetzt hat, dass die dunkle Pigmentierung um den Anus herum an den Stuhlgang erinnern könnte. Ob Schamlippenverkleinerung oder Klitorisvorhautreduktion: Das Anal Bleaching reiht sich in die Gruppe der ästhetischen Eingriffe ein, die uns sexuell begehrenswerter machen sollen

Blasse Haut: Das Schönheitsideal in der Geschichte 

Schon in früheren Epochen hellten sich die Menschen ihre Haut krampfhaft auf. Ob mit dickem Puder, welches die Haut nicht atmen ließ oder giftigem Bleiweiß - hell musste es sein. Ganz nach dem Motto „Wer schön sein will, muss leiden!“ zogen beispielsweise die alten Römer jedes Register, um dem damals vorherrschendem Schönheitsideal zu entsprechen. Denn wer blasse Haut hatte, wurde kaum der Sonne ausgesetzt – und musste nicht im Freien körperlich anstrengender Arbeit nachgehen. Fazit: War man blass, galt man als vornehm und reich. 

Anal Bleaching

Die Pigmentierung um das Poloch herum ist deutlich höher als an anderen Hautstellen – zuständig dafür ist das Enzym Tyrosinase. Mit säurehaltigen Spezial-Cremes (mit Vitamin A, AHA-, Azelain-, Koji- oder Ascorbinsäure bzw. Tretinoin und Rucinol) lässt sich das Enzym blockieren. Es wird sehr empfohlen, die Behandlung mit Cremes vorher mit einem Dermatologen zu besprechen. In Deutschland bieten bislang nur wenig Ärzte auch Laserbehandlungen oder Kryotherapie (Zerstörung oberer Hautschichten durch extreme Kälte) zur Hautaufhellung um den Anus herum an. Allerdings wurden hier noch nicht allzu viele Erfolge verzeichnet. Gerade Laserbehandlungen sind kostenintensiv und es sind meist mehrere Sitzungen notwendig.

Ergebnis 

Bei der Behandlung mit Cremes ist etwas Geduld gefragt, denn der natürliche Regenerationszyklus der oberen Hautzellen dauert circa 28 Tage. Erst dann sind ersten Ergebnisse sichtbar. Diese sind aber nicht dauerhaft. Sobald das Cremen eingestellt wird, arbeitet auch das Enzym wieder und die dunkle Hautverfärbung kehrt zurück. Hingegen sind die möglichen Ergebnisse durch Laser- oder Kryotherapie dauerhaft. 

Risiken beim Anal Bleaching

Die Cremes, die beim Anal-Bleaching in Einsatz kommen, sind oft für die Pigmentfleckenbehandlung im Gesicht vorgesehen. Da die Haut um den Anus herum aber deutlich empfindlicher ist, reagiert sie oft stark auf die Behandlung: Rötungen, Brennen und Juckreiz sind die Folge. Allergien können ebenfalls auftreten. Ärzte kennen sich mit geeigneten Präparaten aus, die bei diesen Symptomen helfen können. Bevor auch ihr ein Anal Bleaching in Erwägung zieht, bleibt ein Arztbesuch nicht aus. Und mal ganz ehrlich: Nicht jeder Trend muss mitgemacht werde. Schon gar nicht, wenn er die Gesundheit gefährden könnte.